USA Obama kämpft um Ohio

Der amerikanische Präsident will die Kongresswahlen nicht verlieren. Seine Strategie: Er wirbt um Ohio. Denn wer hier siegt, gewinnt landesweit. So will es die Tradition.

Vor einigen Tagen war der Präsident da. Und schenkte Seth Bringman für 40 Minuten das Gefühl, als könne sich doch noch alles einrenken. Vor der Hayes Hall auf dem weiten Gelände der Ohio State University in Columbus wartete er mit 35 000 Menschen auf Barack Obama, trotz der kühlen Abendtemperaturen. Es war dessen größte Tour seit der Wahlnacht im November 2008, als Millionen begeisterte Amerikaner ihn zum ersten dunkelhäutigen Präsidenten wählten.

Zum ersten Mal seit zwei Jahren war auch seine Frau bei einem Wahlkampfauftritt wieder an seiner Seite. Michelle Obama peitschte die Menge zu Sprechchören auf: "O-H-I-O, O-H-I-O". Als sie fragte, "Leute, können wir es wieder tun?", schallte es machtvoll zurück: "Yes, we can!" Seth Bringman bekam eine Gänsehaut, wie damals.

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Im Herbst 2010 ist die Lage freilich ganz anders als 2008. Das weiß Obama, das weiß auch Bringman, der 29-jährige Pressesprecher der Demokraten in Ohio. "Seien wir ehrlich, diesmal wird es ganz schwer", hat der Präsident die 35 000 beschworen, seine Stimme schon ganz heiser von den vielen Wahlkampfauftritten.

"Ich weiß, gefühlsmäßig liegt unser Sieg eine halbe Ewigkeit zurück. Viele von euch haben ihre Zweifel, wenn sie 'Yes, we can!' hören. Vielen von euch ist die Begeisterung abhanden gekommen." Doch gerade jetzt müssten alle wählen gehen. Würden die Republikaner gewinnen, warnt Obama, kehre Amerika zu den falschen Wirtschaftsrezepten zurück, die das Land in die Krise gestürzt hätten.

Wer dem nationalen Stimmungsumschwung in zwei Jahren Obama nachspüren möchte, reist am besten nach Ohio. Der Staat ist eine Miniaturausgabe der Vielfalt der USA. Im Norden stehen an den Ufern des Eriesees Autofabriken und Stahlwerke. Die Region gehört zum "Rust Belt", dem Rostgürtel, der unter veralteten Industriestrukturen leidet. Dort haben die Demokraten die Oberhand.

Der Osten ist armes Farmland. Seine Bewohner stimmen genauso wie die im Süden des Staats, der in den frommen "Bible Belt" überleitet, überwiegend republikanisch. In der Mitte dieser Einflusszonen liegt die Hauptstadt Columbus, eine rasch wachsende Dienstleistungsmetropole mit vielen Wechselwählern.

Dank dieser Mischung wählen die "Buckeys" – die Rosskastanien, wie man die Einwohner Ohios in Anspielung auf ihr Staatssymbol nennt – ziemlich verlässlich so wie ganz Amerika. "As Ohio goes, so goes the nation": Wer hier gewinnt, siegt landesweit. Diese Regel bewährt sich seit mehr als hundert Jahren. 2000 und 2004 stimmte Ohio für George W. Bush, 2008 für Obama.

Auch Machtwechsel im Parlament zeichnen sich hier zuverlässig ab. Alle zwei Jahre wird der Kongress neu gewählt, am 2. November ist es wieder so weit. 2006 trug Ohio dazu bei, dass die Demokraten die Mehrheit übernahmen – und 2008 diese Mehrheit ausbauten. 2010 bringt wohl die Gegenwelle: Sechs Kongresssitze hoffen die Republikaner den Demokraten in Ohio abzunehmen, mehr als in jedem anderen US-Staat.

Eines dieser Mandate hat Mary Jo Kilroy inne. 2006, in der ersten Welle der demokratischen Machtübernahme, war sie noch ganz knapp der langjährigen republikanischen Abgeordneten Deborah Pryce unterlegen. 2008 klappte es dann, als Pryce in Erwartung einer Niederlage nicht erneut antrat und die Republikaner einen Neuling aufstellten, Steve Stivers. Freilich war das Ergebnis wieder ganz eng. Mit 2311 Stimmen Vorsprung eroberte Kilroy den 15. Wahlbezirk zum ersten Mal seit 42 Jahren für die Demokraten. Nun wiederholt sich das Match gegen Stivers, einen 45-jährigen Banker und Reserveoffizier, der im Irak diente. Und die Umfragen geben diesmal ihm mehrere Prozentpunkte Vorsprung.

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