Barack Obama Wahlkampf im Zeichen der Immobilienkrise

Barack Obama versucht, eine verheerende Niederlage bei der Kongresswahl zu verhindern. Martin Klingst berichtet, wie der Präsident in Las Vegas um Stimmen kämpft.

Mark Buleziuk spricht wie ein Maschinengewehr. "80.000, 90.000, 95.000. 95.000 – will niemand mehr bieten? 95.000 Dollar zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Verkauft." Buleziuk schlägt kurz mit dem Hammer auf den Tisch und widmet sich rastlos dem nächsten Haus.

Er ist Auktionator und hat am vergangenen Donnerstag bei einer Versteigerung in Las Vegas 200 Häuser unter den Hammer gebracht. Der Ballsaal im Suncoast Hotel ist brechend voll, zusätzliche Stühle müssen herbei geschafft werden. Über 400 Menschen sind gekommen, manche von ihnen ersteigern ein Wohnhaus für die Hälfte seines ursprünglichen Wertes.

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Weil viele Leute ihre Hypothek nicht mehr zahlen können, stehen in Las Vegas ganze Straßenzüge zum Verkauf. Die verheerende Wirtschaftslage hat die Stadt der Glücksspiele und Shows besonders hart getroffen. Touristen bleiben aus – und jene, die kommen, geben nicht mehr so viel Geld aus.

Der Staat Nevada hält seit einiger Zeit zwei traurige amerikanische Rekorde: Fast nirgendwo sonst leben so viele Arbeitslose, nahezu 15 Prozent, fast nirgendwo ist die Zahl der Zwangsversteigerungen so hoch.

Das sind die bitteren Fakten, die Präsident Barack Obama entgegenschlagen, als er am Freitag in Las Vegas Wahlkampf macht. Am 2. November sind Kongresswahlen, alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und ein Drittel des hundertköpfigen Senats werden neu gewählt. Den regierenden Demokraten droht eine schwere Niederlage, sie könnten ihre Mehrheit in beiden Häusern verlieren.

Obama versucht gegen diesen Trend anzukämpfen, will auch in Nevada das Ruder noch einmal herumreißen. Die Stimmung auf dem Schulsportplatz ist gut. Eine Band singt Evergreens, eine Schulkapelle spielt auf. Etwa 9000 Leute sind gekommen, um den Präsidenten reden zu hören. Er ist immer noch populärer als seine Demokratische Partei. Wenn einer noch Begeisterung entfachen kann, dann er. 9000 Menschen, das sind viele für diesen kleinen Staat – und für den allgemeinen tristen Zustand.

Doch die Euphorie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage der Demokraten verzweifelt ist, gerade hier in Nevada. Harry Reid, Senator aus Nevada, Mehrheitsführer der Demokraten im Senat und einer der größten Stützen des Präsidenten im Kongress, droht eine Niederlage.

Obama will das verhindern. Er braucht Reid im Senat. Keiner versteht die Hinterzimmertaktik, das Aushandeln von Kompromissen hinter den Kulissen so gut wie er. Er hat das Konjunkturpaket mit ausgehandelt und die Gesundheitsreform. Aber Reids Talente, die Obama in Washington zum Vorteil gereichten, sind Tausende von Kilometern vom Weißen Haus entfernt unter vielen Wählern Nevadas verhasst.

Harry Reid gilt als Inbegriff einer Politikerkaste, die um jeden Preis an ihrer Macht festhalten will. Die mit den Jahren fett, selbstbezogen und arrogant geworden ist. Reids enorme Schwierigkeiten lassen sich schon daran zu erkennen, dass er selbst gegen eine sehr schwache, unerfahrene und politisch weit rechts stehende Kandidatin verlieren könnte.

Wie die Verhältnisse sich rasant ändern: Vor zwei Jahren stimmte Nevada noch mit großer Mehrheit für Obama. Die Demokraten brüsteten sich bereits damit, dass dieser einst durch und durch republikanische Staat dank seiner demographischen Veränderungen endgültig an das demokratische Lager gefallen sei.

Weit gefehlt. Langfristig mag das stimmen, mehr hispanische und jüngere Einwohner verschaffen den Demokraten in der Regel Vorteile. Aber für diesen Augenblick und für die nächsten 10, 15 Jahre gilt diese Prophezeiung nicht ausnahmslos.

Wenn Häuser am laufenden Bann wie in Nevada unter den Hammer kommen. Wenn das Geld in den Lohntüten immer knapper wird. Wenn immer mehr Menschen nicht wissen, wie sie über die Runden kommen und Zweit- und Drittjobs suchen müssen, werden sie zornig. Ihre Wut entlädt sich zwangsläufig an den Regierenden. Das sind seit fast zwei Jahren die Demokraten.

Vierzig Minuten redet Obama in Las Vegas. Er beschwört seine Anhänger, zur Wahl zu gehen. Er hämmert ihnen ein, ohne seine Politik würde es Amerika noch schlechter gehen. Wenige Stunden zuvor hat er dasselbe in Los Angeles zu 35.000 Menschen gesagt. Am Tag davor war er in Seattle.

Auch am nächsten Wochenende will er noch einmal die Werbetrommel für seine Partei rühren und demokratischen Senatoren und Abgeordnete beistehen, denen die Abwahl droht. Obama hat sich in Las Vegas heiser geredet. So wie der Auktionator Mark Buleziuk 24 Stunden zuvor, nachdem er das zweihundertste Wohnhaus versteigert hat.

 
Leser-Kommentare
    • Sufi
    • 23.10.2010 um 16:34 Uhr

    ""Wahlkampf im Zeichen der Immobilienkrise""

    Das sit die falsche Überschrift , es ist nicht nur eine Immobilienkrise , sondern eine EXISTENZKRISE......

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