Die Nato als Schutzmacht für die radikal-islamischen Taliban: Während das Militärbündnis in Afghanistan manche Taliban-Anführer gezielt tötet , gewährt es anderen nach einem Bericht der New York Times aktiv Schutz: Die Zeitung berichtet unter Berufung auf afghanische Quellen, die Nato garantiere Taliban-Unterhändlern sicheres Geleit, um Gespräche mit afghanischen Regierungsvertretern zu führen. Diese Taliban-Anführer kämen für die Verhandlungen aus ihren Zufluchtsorten im benachbarten Pakistan nach Afghanistan. 

In mindestens einem Fall sei ein Taliban-Anführer innerhalb Afghanistans in einem Nato-Flugzeug nach Kabul geflogen worden, schrieb das Blatt. In anderen Fällen hätten Nato-Soldaten Straßen gesichert, damit Taliban-Vertreter unbeschadet Gebiete erreichen konnten, die von der Regierung kontrolliert werden.

Die New York Times berichtete, an den Gesprächen hätten bislang drei Mitglieder des Führungsrates der Taliban (Quetta-Schura) teilgenommen. Außerdem sei ein Mitglied der Hakkani-Familie beteiligt gewesen, die das Hakkani-Netzwerk anführt, das von Pakistan aus Ziele in Afghanistan angreift. Die Identität der Unterhändler nannte die Zeitung nicht, um sie nicht zu gefährden.

Taliban-Führer Mullah Mohammad Omar sei von den Gesprächen ausdrücklich ausgeschlossen, schrieb die Zeitung. Das scheine ein Versuch zu sein, die Taliban-Führung zu spalten. Mullah Omar gelte auch als abhängig vom pakistanischen Geheimdienst ISI, dem nachgesagt wird, Friedensverhandlungen in Afghanistan verhindern zu wollen.

Die ausländischen Truppen gehen in Afghanistan unterdessen weiter gezielt gegen Taliban-Kommandeure vor , um den Druck auf die Führung der Aufständischen zu erhöhen, an den Verhandlungstisch zu kommen. Die Nato-geführte Internationale Schutztruppe Isaf meldete am Mittwoch zwei gezielte Operationen gegen Taliban-Kommandeure im Norden und Süden des Landes.

Die Isaf teilte mit, bei einem Luftschlag im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr seien mehrere Taliban-Kämpfer getötet worden. Man prüfe noch, ob der Taliban-Anführer, der das Ziel des Angriffs in der Provinz Baghlan war, unter den Toten ist. In der südafghanischen Provinz Helmand seien bei einer Operation gegen einen Taliban-Anführer ein Aufständischer getötet und mehrere Verdächtige festgenommen worden. Die Isaf ließ offen, ob der gesuchte Anführer getötet oder gefasst wurde.

Die Schutztruppe teilte weiter mit, bei einer Operation gegen das Hakkani-Netzwerk in der südostafghanischen Provinz Paktika seien mehr als zehn Aufständische getötet worden. Mehrere Verdächtige seien gefangen genommen worden.