In den vergangenen Jahren sollen nach Informationen der britischen Zeitung The Guardian vom britischen Militär "Verhörhandbücher" erstellt worden sein, die genau darauf abzielen, in befragten Gefangenen Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Erschöpfung, Anspannung, Angst und ein Gefühl der Erniedrigung zu erzeugen. So sollten Gefangene zunächst nackt ausgezogen und ihnen die Augen verbunden werden. Ebenso gehören erniedrigende Durchsuchungen der Intimsphäre zu den Methoden, mit denen psychischer Druck aufgebaut werden soll.

Ein Handbuch aus dem Jahr 2008 verlangt, dass verhörte Gefangene permanent eingeschüchtert sein sollten. Von äußeren Eindrücken sollten sie abgeschirmt werden, sie sollten möglichst wenig sehen und hören. Dies sei legal, so lange "ausreichende Gründe" vorlägen, heißt es in dem Handbuch. Gefangene sollten darüber hinaus maximal vier Stunden am Stück schlafen können, und ihnen sollte angedroht werden, nicht mit der Außenwelt in Kontakt treten zu können, bis sie kooperierten.

In einem Kapitel wird angedeutet, dass Gefangene mit einer bestimmten Technik der Erstickung nahe gebracht werden könnten. Dabei kniet der Soldat auf dem Rücken des Opfers und zieht gleichzeitig die Kapuze über dem Kopf des Gefangenen – und somit den Kopf – nach hinten, was das Atmen erschwert oder unmöglich macht.

Nach den Genfer Konventionen ist die Ausübung "physischer oder moralischer Zwänge", insbesondere zum Erhalt von Informationen, nicht erlaubt.

Handbücher empfehlen, Verhöre sollten "außer Hörweite" und nicht "in der Nähe der Medien" stattfinden. Zwar wird Folter ausdrücklich abgelehnt, jedoch wird Misshandlung detailliert empfohlen. Auch weitere Vorsichtsmaßnahmen werden empfohlen, um Verhörpraktiken vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.

Die Enthüllungen folgen auf die Veröffentlichung militärischer Dokumente durch das Enthüllungsportal Wikileaks . Zuletzt war die Behandlung von Gefangenen durch britische Militärs zunehmend in die Kritik geraten. Dringende Verdachtsfälle von Misshandlung bis hin zu Tötungen von Zivilisten waren erst vergangenen Monat vom Guardian aufgedeckt worden. Darunter ein Mann, der von Soldaten zu Tode getreten worden sein soll, ein anderer Mann, der nach einem Verkehrsunfall grundlos erschossen worden sein soll und ein 19-Jähriger, der in einem Fluss ertrunken sein soll, nachdem Soldaten ihn hinein stießen. 

100 Iraker, die zwischen 2003 und 2007 festgehalten wurden, werfen dem britischen Militär darüber hinaus systematische Misshandlung vor. Nächsten Monat werden die entsprechenden Anwälte vor einem Londoner Gericht angeben, dass zwingende Beweise dies untermauern. Unter den Vorwürfen sind 59 Fälle, in denen Gefangenen Kapuzen über den Kopf gestülpt worden sein sollen, 11 Fälle von Elektroschocks, 253 Fälle von Wahrnehmungsentzug durch klangisolierende "Ohrenschützer" oder geschwärzte "Schutzbrillen", 52 Fälle von Schlafentzug, 39 Fälle erzwungener Nacktheit und 18 Fälle, in denen Gefangene durch das permanente Abspielen pornografischer DVDs wach gehalten worden sein sollen.