Die US-Armee macht bei ihrem Kampf gegen die Taliban in Afghanistan kaum Fortschritte. Dies berichtet die Washington Post. Die Ausweitung der Luftschläge und Kommandooperationen in Afghanistan hätten zwar örtliche Talibanzellen geschwächt, aber die Extremisten hätten sich schnell wieder erholt. Die Taliban hätten ständig ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich häufig innerhalb von Tagen zu reorganisieren und zu verjüngen, wurde ein hoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums in Washington zitiert.

Getötete und gefangen genommene Talibanführer würden oft innerhalb von Tagen ersetzt, berichtete die Zeitung weiter. Die Aufständischen würden sich bei militärischem Druck zeitweise zurückziehen und auf ihre Rückkehrchance warten. Die ranghöchsten Anführer seien zudem kaum vom Eingreifen der US-Armee betroffen.

Die Taliban würden sich auf ihre Strategie der Anschläge, Attentate und Einschüchterungen beschränken und ließen sich auch durch die Verstärkung der US-Truppen nicht verunsichern, heißt es in dem Bericht. Ein Pentagon-Mitarbeiter sagte der Zeitung, die Taliban seien nach Gefechten immer in der Lage, sich "neu aufzubauen und zu verjüngen". Alle zuständigen US-Geheimdienste seien sich bei ihrer Bewertung einig.

Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow sagte dem britischen Rundfunksender BBC, ein Sieg der USA und ihrer Verbündeter in Afghanistan sei "unmöglich". Die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama, ab Juli 2011 mit dem Rückzug der US-Truppen zu beginnen, sei richtig. Dies sei zwar ein schwieriger Schritt, ansonsten drohe den USA aber ein zweites Vietnam. In Gorbatschows Amtszeit von 1985 bis 1991 fiel der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan im Jahr 1989.

Die USA und die Nato haben mehr als 150.000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz, um die Regierung in Kabul zu unterstützen und die aufständischen Taliban zu bekämpfen. Inzwischen nimmt die Gewalt auch in den nach dem Sturz der Taliban Ende 2001 zunächst eher ruhigen Gebieten im Norden und Westen des Landes zu. Am Mittwoch starb im Norden bei einem Sprengstoffanschlag ein Soldat der Nato-Truppe Isaf. Das teilte die Nato mit, ohne Angaben zur Nationalität des Soldaten zu machen. Damit sind dieses Jahr bereits 603 ausländische Soldaten getötet worden, mehr als in jedem anderen Jahr seit Beginn des Einsatzes.