Das US-Außenministerium hat einen Reisehinweis herausgegeben, in dem vor "potenziellen Terroranschlägen" gewarnt wird. US-Bürger sollten an öffentlichen Plätzen vorsichtig sein. Aktuelle Informationen wiesen darauf hin, dass das Terrornetzwerk al-Qaida und verbündete Organisationen Attentate planten. Öffentliche Verkehrsmittel und andere Orte, die von Touristen häufig besucht werden, könnten Ziele sein.

Einzelne Länder, in denen die US-Behörden eine besonders hohe Gefahr sehen, werden nicht genannt. Es heißt lediglich, europäische Regierungen hätten entsprechende Maßnahmen unternommen. Reisende aus den USA sollten aufgrund der Bedrohung insbesondere im Bahn-, Flug- und Schiffsverkehr wachsam sein und alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um für Sicherheit während ihres Aufenthalts zu sorgen, hieß es in der Mitteilung weiter. Sie sollten zudem ihre Reisepläne vorsichtshalber bei US-Behörden registrieren. Bei dem Hinweis handelt sich dabei um einen Reisealarm ("travel alert"), nicht um eine Reisewarnung. Diese würde von Reisen nach Europa gänzlich abraten.

Die US-Behörden reagieren mit ihrem Hinweis auf jüngste Berichte über geplante Anschläge in Europa , die in der vergangenen Woche vor allem in amerikanischen und britischen Medien kursierten. Quelle war demnach ein Deutsch-Afghane, der von amerikanischen Ermittlern im US-Militärgefängnis Bagram in Afghanistan verhört worden sei. Der Mann habe von möglichen Attentaten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich berichtet und ausgesagt, al-Qaida-Führer Osama bin Laden persönlich habe die Pläne gebilligt. Vorbild seien die Kommando-Anschläge im indischen Mumbai aus dem Jahr 2008 gewesen. Damals hatten zehn schwer bewaffnete Attentäter mehrere Ziele gleichzeitig angegriffen, mehr als 160 Menschen starben. Laut dem Magazin Der Spiegel soll die Nummer drei von al-Qaida, Scheich Younis Al-Mauretani, die Pläne ausgearbeitet haben.

Nach dem Hinweis der US-Behörden verschärfte auch das britische Außenministerium seine Reisehinweise für Deutschland und Frankreich. Es bestehe dort eine "hohe Bedrohung", teilte das Außenministerium mit. Innenministerin Theresa May hatte sich zuvor hinter Washingtons Mitteilung gestellt. Die Sicht der US-Behörden decke sich mit der britischen Sichtweise, sagte May. Auch Großbritannien sei weiterhin einer "wirklichen und ernsthaften Terrorgefahr" ausgesetzt, fügte sie hinzu. Ähnliches war aus Frankreich zu vernehmen. Verteidigungsminister Hervé Morin sagte, es sei gut für die Franzosen zu wissen, dass Frankreich "jeden Augenblick" von einem Anschlag getroffen werden könne. Die Warnungen müssten daher ernst genommen werden.

Deutsche Sicherheitsbehörden hatten dagegen noch vor einigen Tagen eine erhöhte Bedrohung für deutsche Städte verneint. Auch jetzt teilte das Bundesinnenministerium mit, es gebe keine konkreten Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge . Der Reisehinweis des US-Außenministeriums für ganz Europa sei "vor dem Hintergrund der bereits in der vergangenen Woche in den Medien bekanntgewordenen Gefährdungshinweise zu betrachten". Die deutschen Sicherheitsbehörden gingen aber "allen vorliegenden Hinweisen mit der höchster Intensität nach und überprüfen ständig die gebotenen Sicherheitsmaßnahmen".