Birmas berühmte Dissidentin Aung San Suu Kyi ist nach Jahren des Arrests wieder frei. Sie zeigte sich kurz vor 18 Uhr Ortszeit vor ihrem Haus und winkte ihren Anhängern zu. In Erwartung der Freilassung hatten sich rund 2000 Menschen vor ihrem Haus in Rangun versammelt. Die Friedensnobelpreisträgerin hatte die meisten der vergangenen 20 Jahre unter Hausarrest oder in Haft verbracht.

Um 17.30 Uhr Ortszeit hatten die Militärbehörden ihr in ihrem Haus in Rangun zunächst die Entlassungspapiere übergeben, berichtete ihr Anwalt Nyan Win. Ihre Strafe war an diesem Samstag abgelaufen. Dann kam die erlösende Nachricht: "Sie ist jetzt frei", sagte Nyan Win, und die Anhänger brachen in Jubel aus. "Lang lebe Suu Kyi", skandierten sie begeistert. Ordnungskräfte ihrer Partei NLD versuchten, die Menschenmenge zur Ruhe zu bringen, um Suu Kyi Gehör zu verschaffen.

Hunderte hatten seit dem frühen Morgen in der Nähe ihres Hauses auf die Freilassung gewartet. Innerhalb von Minuten wuchs die Menge auf mehrere Tausende an. Sie trugen Poster und T-Shirts mit ihrem Bild. Die Menschen stürmten zu ihrem Haus, nachdem die Militärpolizei die Barrieren weggeräumt hatte, die den Zugang zur University Avenue seit Jahren versperrt hatten.

Suu Kyi durfte zuletzt nicht an den Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende teilnehmen. Ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte die vorherigen Wahlen vor 20 Jahren gewonnen. Die Militärführung des südostasiatischen Landes erkannte den Sieg jedoch nie an.

Mehrere Jahre hinweg hatte die 65-jährige Tochter des Nationalhelden Aung San kaum jemand zu Gesicht bekommen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon durfte sie während eines Besuchs im Land im vergangenen Jahr nicht besuchen. Nach internationalen Protesten wurde Diplomaten zeitweise erlaubt, dem Prozess beiwohnen, den die Junta gegen sie angestrengt hatte. Auslöser für das Gerichtsverfahren war ein offenbar verwirrter Amerikaner, der zu ihrem Haus geschwommen war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erleichtert über die Freilassung. "Aung San Suu Kyi ist eine Symbolfigur für den weltweiten Kampf für die Verwirklichung der Menschenrechte. Ihre Gewaltlosigkeit und Unnachgiebigkeit haben sie zu einem bewunderten Vorbild werden lassen", erklärte die Bundeskanzlerin. Sie appellierte an die Machthaber in Birma, auch die anderen mehr als 2000 politischen Gefangenen freizulassen.

Auch US-Präsident Barack Obama forderte Birma auf, alle politischen Gefangenen des Landes auf freien Fuß zu setzen. Trotz der "außerordentlichen Anstrengungen" des Regimes, Suu Kyi zu isolieren, habe sie auch in der Gefangenschaft "ihren mutigen Kampf für Demokratie, Frieden und Wandel in Birma" fortgesetzt. Nun sei es an der Zeit, alle politischen Gefangenen freizulassen, nicht nur einen. "Die USA freuen sich auf den Tag, an dem alle Menschen in Birma frei von Angst und Verfolgung sind", sagte Obama. "Sie ist eine Heldin für mich und eine Quelle der Inspiration für alle, die sich für grundlegende Menschenrechte in Birma und überall auf der Welt einsetzen".

Die EU begrüßte die Freilassung von Aung San Suu Kyi ebenfalls. Die Friedensnobelpreisträgerin müsse nun unbeschränkte Reise- und Redefreiheit haben und am politischen Leben ihres Landes teilnehmen können, teilten EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Samstag in Brüssel mit. "Ich rufe auch dazu auf, dass alle anderen Bürger, die wegen ihrer politischen Überzeugung festgehalten werden, ohne Bedingungen freigelassen werden", forderte Barroso.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Freiheit für alle politischen Gefangenen in Birma. Ohne eine freie Beteiligung aller Bürger am politischen Leben könne es keine Demokratie und nationale Versöhnung geben, sagte Ban. Die Vereinten Nationen würden Birma auf diesem Weg unterstützen, aber auch die Einhaltung der Menschenrechte immer wieder fordern.