BirmaFreiheit für Suu Kyi, Hoffnung für Birma

Nach 21 Jahren ist die Freiheitskämpferin Suu Kyi frei. Ihre Anhänger hoffen nun auf einen Umsturz. Am Sonntag will Suu Kyi eine große Rede halten. Von R. Licht, Birma von Richard Licht

Endlich. Am späten Samstagnachmittag kam die erlösende Nachricht, auf die so viele gespannt gewartet hatten: Die wohl bekannteste Gefangene der Welt, Birmas Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, ist frei. Sieben Jahre, seit die Kämpferin für Demokratie zuletzt von der Junta weggesperrt worden war. Tausende ihrer Anhänger empfingen ihre "Lady" vor deren Haus am Inya-See in Rangun, wo sie zuletzt unter Hausarrest gestanden hatte. Kurz bevor die Dunkelheit über die Stadt fiel, zeigte sich Suu Kyi am Zaun.

Die 65-Jährige begrüßte die mehreren Tausend Anhänger sichtlich bewegt. Sie wirkte ruhig, trug eine schmale, helle Bluse und hatte die Haare zurückgebunden. Souverän, so wie immer.

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Suu Kyi sprach nicht lang, nur ein paar Sätze. "Es gibt eine Zeit zu schweigen und eine Zeit zu reden", sagte sie. "Die Menschen müssen zusammenarbeiten. Nur dann können wir unser Ziel erreichen." An diesem frühen Abend beließ sie es bei wenigen Worten. Die Menge habe in diesem sehr emotionalen Moment dann auch die Nationalhymne gesungen, hieß es.

Am Sonntagmittag will Suu Kyi vor der Zentrale ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) sprechen und nahe dem Nationalheiligtum Schwedagonpagode eine bedeutende Rede halten. Wenn alle kommen, die sie verehren, dürfte der Platz dort kaum ausreichen. Schon jetzt wird spekuliert, ob sie dann wieder zur Schwedagon ziehen wird, wo sie am 26. August 1988 in ihrer ersten großen öffentlichen Rede nur wenige Wochen nach den blutig niedergeschlagenen Studentenunruhen vom 8. August zu rund einer halben Million Menschen sprach und den "zweiten Kampf für die Unabhängigkeit" verkündete?

Am diesem Samstagabend lag die NLD-Zentrale dunkel und verlassen da. Die Nachricht von Suu Kyis Freilassung hatte sich in Windeseile verbreitet. Noch am Mittag hatten viele Anhänger von Birmas ungekrönter Königin auf die Freilassung gewartet. Sie trugen weiße T-Shirts mit blauer Schrift, teils in Myanmar, teils in Englisch. "Wir stehen zu Aung San Suu Kyi" stand darauf und ein Bild von der Freiheitskämpferin. Bereits am Freitag waren ab mittags immer mehr ihrer Unterstützer in die Nähe ihres Hauses gekommen, sodass auf dem Bürgersteig kaum mehr Platz war. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein.

Nun herrscht Erleichterung in der Stadt. "Sie ist frei, das ist wunderbar", sagte ein Mann Ende 40. "Unsere Regierung ist dumm, sie schießt auf Menschen." Für viele in Birma ist die unbeugsame Kämpferin so etwas wie ein Messias. "Sie wird sich ihre Worte gut überlegen. Und sicher etwas sagen, was für uns alle ein Glück sein wird", sagte eine junge Frau Mitte 20, die auf die Rede der Freigelassenen wartete.

Nach all den Jahren sind die Erwartungen an die Tochter des Nationalhelden Aung San, der 1947 umgebracht wurde, unermesslich hoch. Nicht nur Anhänger der NLD erhoffen sich von Suu Kyi eine Lösung.

Leserkommentare
    • ewkrue
    • 13. November 2010 18:16 Uhr

    Ihre Macht lag in ihrer " Ohn (e)-Macht",
    und beweist wieder einmal, dass man/frau einen langen Atem haben muss, um etwas zu verändern und dass dies auch nur friedlich geht.

    Ich wünsche Birma / Myamar einen guten politischen Weg, der allen Menschen zu Gute kommt.

  1. 2. Frei?

    Suu Kyi ist nicht frei. Sie kann und wird jederzeit vom birmesischen Regime wieder verhaftet werden, wenn es ihm opportun scheint.

    Warum wird das im Artikel nicht reflektiert? In einer Diktatur gibt es keine Freiheit.

  2. 3. und...

    ...morgen bei ihrer rede wird sie dann von einem fanatischen regierungsanhänger über den haufen geschossen. der attentäter entkommt oder wird von der menge zerfetzt. problem gelöst. nicht das ich das wünsche, doch erinnert mich die nummer sehr an benazir bhutto.

  3. Aung San Suu Kyi mit Benazir Bhutto zu vergleichen ist eine Frechheit und zeugt von Null Ahnung,

  4. Sie ist nicht mürbe geworden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Aung San Suu Kyi | Birma | Hoffnung | Twitter | Zyklon | Demokratie
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