Sechs Länder, darunter eben Russland und natürlich China, haben die Einladung zur Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Oppositionellen Liu Xiaobo in dessen Abwesenheit ausgeschlagen. Auch Kasachstan, Kuba, Marokko und der Irak wollten keine Vertreter zu der Zeremonie am 10. Dezember in Oslo schicken, sagte der Sekretär des Preiskomitees, Geir Lundestad. Bislang hätten 36 ausländische Botschafter die Einladung zu der Feier angenommen, aus 16 weiteren diplomatischen Vertretungen seien noch keine Antworten eingegangen.

Der Schritt habe nichts mit der Ehrung des inhaftierten chinesischen Bürgerrechtlers zu tun, sagte der russische Botschaftssprecher Wladimir Issupow nach Angaben der Agentur Interfax. "Es gibt kein politisches Motiv. Die Einladung gilt nur für den russischen Botschafter persönlich, aber er ist an diesem Tag auf einer Dienstreise."

Chinas Führung hatte die Vergabe des Preises an Liu stark kritisiert und im Gefolge Ministertreffen mit Norwegen abgesagt. Davon ungerührt verschickte das Nobelkomitee wie üblich die Einladungen zu der Preisverleihung an alle in der norwegischen Hauptstadt mit Botschaften vertretenen Länder und bat um Rückmeldung bis zum vergangenen Montag. Die chinesische Führung wiederum sah dem ebenfalls nicht tatenlos zu und drohte teilnehmenden Ländern mit "Konsequenzen" . Daraufhin baten mehrere Vertretungen um eine längere Entscheidungsfrist für ihre Antworten. Aus den Botschaften Deutschlands, der USA, Frankreichs, Großbritanniens und der meisten europäischen Länder gingen nach Lundestads Angaben Zusagen ein.

Zur Verleihung des Preises wird es allerdings nicht kommen. China wird voraussichtlich kein Mitglied von Lius Familie zu der Feier reisen lassen. Die Gala soll nach Angaben des Preiskomitees aber wie geplant stattfinden. Nur würden die Nobelpreismedaille und -urkunde nicht übergeben. In der Geschichte des Friedensnobelpreises kam es bisher nur dreimal vor, dass der Preisträger bei der Zeremonie nicht anwesend war, allerdings konnte immer ein Familienmitglied den Preis entgegennehmen.

Liu Xiaobo war im Dezember 2009 wegen Untergrabung der Staatsgewalt zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er die Charta 08, einen Aufruf zu politischen Reformen in China , mitverfasst und verbreitet hatte. Seine Frau Liu Xia steht seit der Bekanntgabe ihres Mannes als diesjähriger Preisträger in China unter Hausarrest .