Mit milliardenschweren Hilfen für das strauchelnde Irland und mehr Klarheit über die dauerhafte Krisenabwehr will die EU die weitere Ausbreitung der Euro-Schuldenkrise verhindern. Währungskommissar Olli Rehn und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bestätigten am Sonntagabend, dass die Finanzminister der EU dem Hilfspaket zugestimmt haben. Das Kreditprogramm im Volumen von 85 Milliarden Euro soll drei Jahre lang laufen.

Nach einer Einigung zwischen Deutschland und Frankreich über Eckpunkte eines permanenten Mechanismus zur Krisenabwehr sollten die Anleger zudem eine genauere Vorstellung bekommen, wie stark sie sich an den Rettungskosten überschuldeter Euro-Staaten ab 2013 beteiligen müssen. Nur von "Fall zu Fall" und nicht generell sei eine private Gläubigerhaftung geplant, sagte ein EU-Diplomat. Die Unruhe an den Finanzmärkten über diese auf Druck Deutschlands und Frankreichs beim EU-Gipfel Ende Oktober prinzipiell vereinbarte Haftung hatte dazu beigetragen, dass sich die Finanzlage Irlands verschlechtert hatte.

Die aktuellen Vorschläge enthielten jedoch "keine Überraschungen für die Märkte", verlautete aus Berliner Regierungskreisen. Sie entsprächen dem, "was die Märkte bereits aus anderen Währungsräumen kennen", hieß es. Ziel sei, den Finanzmärkten am Montagmorgen ein fertiges Konzept für einen permanenten Euro-Hilfsmechanismus zu präsentieren. 

Der Mechanismus werde zu 90 Prozent so wie der bisherige Rettungsfonds angelegt sein – also als Garantierahmen für bilaterale Kredite der einzelnen Euro-Länder an Partnerstaaten in Finanznot, sagte ein EU-Diplomat. Auch werde der Internationale Währungsfonds beteiligt sein. Es werde eine rechtliche Basis dafür geschaffen, die den Sorgen Deutschlands über die Vereinbarkeit mit dem EU-Vertrag gerecht werde. Genaueres wurde zunächst nicht bekannt.

Nach langem Zögern und auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) und einiger Euro-Staaten entschloss sich die Regierung in Dublin, als erstes Land unter den 750 Milliarden Euro schweren Schutzschirm für die Währungsunion zu flüchten. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde bestätigte die Summe von 85 Milliarden Euro. "Der Plan für die Irland-Hilfe steht praktisch" , sagte sie. Es sei nur noch die Höhe der Zinsen festzulegen, die Irland bei Inanspruchnahme der Garantien aus der Europäischen Finanzstabilisierungs-Fazilität (EFSF) zu entrichten hätte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wollte sich zu den Bedingungen der Kredite nicht äußern. "Wir bemühen uns um eine Lösung", sagte er. "Und ich hoffe, dass ab morgen die Finanzmärkte wieder sicher sind, dass der Euro eine stabile, zuverlässige Währung ist."

EU-Kreisen zufolge sollen 35 Milliarden Euro zur Sanierung der angeschlagenen irischen Banken vorgesehen sein und 50 Milliarden zum Stopfen des schon durch die Bankenrettung entstandenen Haushaltslochs. Deutschland wird sich voraussichtlich mit einer Bürgschaft von 6,2 Milliarden Euro beteiligen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll 22,5 Milliarden Euro zu den Nothilfen beisteuern. Von der EU- Kommission, dem Euro-Rettungsschirm sowie Großbritannien, Schweden und Dänemark sollen insgesamt 45 Milliarden Euro kommen.

Knapp 18 Milliarden Euro wolle Irland selbst bereitstellen, indem es Rückstellungen seines Beamten-Pensionsfonds auflöse, hieß es weiter. Die Hilfen sollen mit 50 Milliarden überwiegend für die Sanierung des Staatshaushaltes und mit 35 Milliarden Euro zur Stützung des irischen Bankensystems genutzt werden. Irland hat sich zu einen Sanierungsprogramm verpflichtet, das in den kommenden vier Jahren 15 Milliarden Euro aus Steuererhöhungen und Einsparungen einbringen soll. Wegen des Sparkurses gerät die von Ministerpräsident Brian Cowen geführte Regierung innenpolitisch stark unter Druck. In Dublin gingen am Wochenende Zehntausende auf die Straße , um dagegen zu protestieren.

An den Finanzmärkten ist der Fall Irland unterdessen schon abgehakt. Die Anleger spekulieren schon über das nächste Opfer der Schuldenkrise – Portugal. Auch darüber werde beim Finanzministerrat am Sonntag gesprochen, hieß es aus deutschen Regierungskreisen. Dabei werde überlegt, ob es sinnvoll sein könnte, wenn auch Portugal unter den Euro-Rettungsschirm flüchte. Dies könne dem eng mit Portugal verflochtenen Nachbarn Spanien helfen. Zuletzt kursierten in Medien Gerüchte, der Euro-Schutzschirm mit Kreditgarantien über 750 Milliarden Euro müsste aufgestockt werden, wenn auch Spanien gestützt werden müsste. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado sagte: "Ich bin absolut überzeugt, dass wir keine Hilfe brauchen."

EU-Währungskommissar Olli Rehn sprach von einer "ernsten Lage" und sagte, über den Fall Irland hinaus müsse es eine "systemische Antwort" auf die Krise geben. Schon am Morgen hatten sich Rehn, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Brüssel getroffen und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Telefon konferiert.