Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die USA zu einer deutlichen Einschränkung des Kriegseinsatzes in seinem Land aufgefordert. "Die Zeit ist gekommen, um die Militäroperationen zu reduzieren", sagte Karsai in einem Gespräch mit der Washington Post . Die Bevölkerung in Afghanistan sei mit der massiven Präsenz ausländischer Truppen auf den Straßen und im Alltagsleben überfordert.

Karsai betonte, mit seiner Forderung keine Kritik an dem Einsatz der USA üben zu wollen. Jedoch werde sein Volk nach fast zehn Jahren Krieg ungeduldig und verlange, dass die "Aufdringlichkeit" der Truppen nachlasse. Vor allem die nächtlichen Hausdurchsuchungen von ausländischen Soldaten müssten ein Ende finden, sagte er. "Wenn es Razzien geben muss, dann sollten sie von der afghanischen Regierung nach afghanischem Recht durchgeführt werden."

Damit widersprach Karsai dem Oberbefehlshaber der internationalen Truppen, US-General David Petraeus , der die nächtlichen Operationen in der Nacht als wichtigen Teil der Anti-Terror-Strategie bezeichnet hat. Laut der Washington Post fallen Spezialkommandos rund 200 Mal pro Monat unangekündigt in afghanische Häuser ein, um nach Aufständischen zu suchen. Allein in den vergangenen drei Monaten seien so 368 Rebellen festgenommen oder getötet worden. Die Zahl dieser Einsätze habe sich in den vergangenen eineinhalb Jahren versechsfacht.

Derzeit sind gut 130.000 Soldaten aus 48 Staaten in Afghanistan stationiert, davon rund 100.000 Amerikaner – eine Zahl, die Karsai jetzt als zu hoch bezeichnete. Im kommenden Jahr sollen die Truppen beginnen, in Teilen Afghanistans die "Sicherheitsverantwortung" an Armee und Polizei des Landes zu übergeben. Nach dem Willen von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) soll auch die Bundeswehr 2011 mindestens eine von ihr kontrollierte Provinz den afghanische Kräften überlassen.

Die US-Regierung selbst will in der zweiten Dezember-Hälfte ihre Zwischenbilanz zu Präsident Barack Obamas Afghanistan-Strategie vorlegen. Er hatte im Dezember 2009 verkündet, in diesem Jahr weitere 30.000 Soldaten ins Land zu schicken. Im Juli 2011 soll der Abzug der Truppen beginnen. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte Ende September erklärt, er erwarte nach der Überprüfung keine wesentliche Änderung der Strategie.

Derweil kamen am Wochenende bei mehreren Bombenanschlägen und einem Taliban-Angriff auf einen US-Militärstützpunkt in Afghanistan mehr als 20 Menschen ums Leben. In der Provinz Kundus im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr starben am Samstag zehn Zivilisten, als auf einem belebten Markt ein ferngezündeter Sprengsatz explodierte. Weitere 18 Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt. Für die Tat machten die Behörden Kämpfer der radikal-islamischen Taliban verantwortlich.

Im Osten Afghanistans schlugen Sicherheitskräfte am Samstag einen Taliban-Angriff auf einen Stützpunkt des US-Militärs zurück. Bei den stundenlangen Gefechten in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, seien sechs Aufständische getötet worden, teilte die Regionalregierung mit.