Seit kurzem ist die von den Bürgern heftig bekämpfte Rentenreform in Kraft , die Franzosen müssen künftig bis zum Alter von 62 Jahren arbeiten. Schon plant der Präsident einen weiteren Umbau: Nicolas Sarkozy sprach sich in einem Interview für eine "neue Besteuerung" von Einkommen und Vermögen aus. Der Staatschef verwies dabei erneut ausdrücklich auf das Vorbild Deutschland, das keine Vermögenssteuer erhebt.

Der Präsident kündigte im französischen Fernsehen an, er wolle sich dafür einsetzen, das französische und das deutsche Steuersystem zu harmonisieren. Sein Ziel ist eine Steuerzone mit vergleichbaren Wettbewerbsbedingungen. Er könne verstehen, dass Frankreich Defizite gegenüber Ländern wie China oder Indien habe, nicht aber in Bezug auf Deutschland, dem wichtigsten Partner Frankreichs, sagte Sarkozy. "Das Wettbewerbsdefizit ist nicht hinnehmbar." Kapital und Arbeitsplätze dürften nicht länger aus Frankreich abwandern.

Sarkozy sprach sich damit indirekt dafür aus, die Vermögensteuer abzuschaffen. Der Präsident machte deutlich, dass eher die Einkommen und der Gewinn aus Vermögen besteuert werden sollten.

Als weitere wichtige Reform nannte Sarkozy die Altenpflege. Denkbar seien eine obligatorische Pflegeversicherung oder eine Belastung des Erbes, sagte er. "Es kann ja schließlich nicht jeder seine alten Eltern aufnehmen." Die Kosten für die Pflege alter Menschen stiegen jährlich um vier Prozent. Die Regierung will nach sechsmonatiger Beratung im Sommer 2011 über die Reform entscheiden. In Kraft treten soll sie 2012.

Über eine Steuerreform will die Regierung nächstes Jahr entscheiden. Der französische Rechnungshof erstellt zur Angleichung an das deutsche System bis zum Frühjahr einen Bericht. Steuererhöhungen angesichts des hohen Haushaltsdefizits schloss Sarkozy erneut aus.

Der französische Staatschef, der seit wenigen Tagen auch die Präsidentschaft der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer – der G 20 – innehat, sprach sich darüber hinaus erneut für eine Finanztransaktionssteuer aus. Frankreich könne hier Beispiel sein, sagte er. Nötig sei ein neues System, um Entwicklungshilfe in Afrika zu leisten. "Ein Scheitern Afrikas wäre ein Drama für ganz Europa, vor allem in Bezug auf die Einwanderungsprobleme", fügte Sarkozy hinzu.

Für die G-20-Präsidentschaft hat Frankreich die Reform des Weltwährungssystems sowie die Eindämmung der Spekulation an den Rohstoff- und Lebensmittelmärkten zu seinen Prioritäten erklärt.

Premierminister François Fillon hatte am Dienstagnachmittag in der Nationalversammlung den Kampf gegen das Haushaltsdefizit und den hohen Schuldenstand in Frankreich zu seinem Hauptarbeitsfeld der nächsten Monate gezählt. Laut einer Umfrage ist Fillon bei den Franzosen deutlich beliebter als Sarkozy: 71 Prozent vertrauen dem Premierminister mehr als dem Präsidenten.