Saudi-Arabien hat mit den Anschlagsversuchen auf Frachtflugzeuge der vergangenen Woche viel zu tun – aber auf eine ganz andere Weise als beim 11. September 2001, als die meisten Attentäter Saudis waren. Auch 2010 kommen einige der Drahtzieher aus Saudi-Arabien, doch ist heute das Königreich an vorderster Front im Kampf gegen die Terroristen. Der Tipp an die westlichen Geheimdienste kam aus Riad. Nur so konnte der Sprengstoff, den kein Spürhund riechen kann, geortet werden. Unter anderem in Dubai, auf dessen hochmodernem Flughafen die Sicherheitskontrollen in jüngster Zeit ohnehin verstärkt wurden. Mit den Hinweisen aus Riad konnte man in Dubai gezielt zuschlagen.

Der "saudische Geheimdienst verfügt über Informanten in der Terrorgruppe al-Qaida", sagt Nicole Stracke, Terrorismus- und Sicherheitsexpertin beim Gulf Research Center in Dubai. Von den Mittelsmännern seien wichtige Informationen gekommen. Zugleich haben die Saudis seit einigen Jahren ein außergewöhnliches Rehabilitierungsprogramm für ehemalige Terroristen, die sich freiwillig stellen. Britische Behörden sagen, der entscheidende Tipp sei von einem Terroristen gekommen, der sich den saudischen Behörden ergeben habe – mit dem Ziel, in das Programm zu kommen.

In Saudi-Arabien werden die militanten Extremisten mit allerlei Versprechen von al-Qaida fortgelockt. Viel Geld, ein Haus, die Aussicht auf Heirat und ein bürgerliches Leben soll ihnen die Entscheidung erleichtern. Im staatlichen Gewahrsam erklären regierungsnahe Scheichs ihnen dann, warum das Morden und der Terror unislamisch sind. Das Programm wird von einigen saudischen Medien kritisiert: Terroristen würden so fürs Morden belohnt, nicht bestraft. Einige würden die Vorzugsbehandlung genießen und danach wieder zu al-Qaida überlaufen. Die Regierung aber verweist auf ihre Erfolge: Achtzig Prozent der "behandelten" Terroristen führten heute ein normales Leben.

Dennoch bleibt der Jemen für Saudi-Arabien ein Riesenproblem. Das Land zerfällt allmählich wieder in mehrere Teile. Im Süden in der Stadt Aden hadert die Bevölkerung mit der Wiedervereinigung des Landes unter dem Diktat der Hauptstadt Sanaa. Im Nordwesten bekämpfen die jemenitische Armee und saudische Kampfpiloten die Huthis, aufständische zaiditisch-schiitische Stämme an der Grenze zu Saudi-Arabien. Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel hat in dem zerrissenen Land längst neue Rückzugsräume gefunden. Der Erbauer der Paketbombe soll ein Bruder des Attentäters sein, der um ein Haar Prinz Mohammed bin Najif, den Staatssekretär im Innenministerium und den obersten Terrorbekämpfer Saudi-Arabiens, ermordet hätte. Die Spur führte auch hier unter anderem in den Jemen.

Al-Qaida konnte in der jüngsten Vergangenheit in den Provinzen des Landes auf die Gastfreundschaft oder zumindest Duldung einiger jemenitischer Stämme zählen. Doch der Druck der Regierung auf die Stämme wächst, den Terroristen keine Rückzugsräume mehr zu bieten. Dabei trage die Regierung erhebliche Schuld an der Ausbreitung von al-Qaida im Jemen, sagt Nicole Stracke vom Gulf Research Center. Nach erfolgreicher Bekämpfung einer früheren Generation von Terroristen 2002 "ließ die Regierung jahrelang die Zügel schleifen". Nun könne man "nicht mal eben in einem Jahr die Versäumnisse aufholen". Das Problem liege in Armut, wirtschaftlicher Misere, falschen Abhängigkeiten.

Die Saudis greifen wiederum auf ihre Weise ein. Sie geben Stämmen gezielt Geld, damit diese al-Qaida keinen Rückzugsraum bieten – Antiterrorpolitik mit dem Scheckbuch. Die Amerikaner dagegen haben ihre eigenen Mittel. Über dem Jemen fliegen Drohnen, die zugleich aufklären und zuschlagen. So konnten schon einige militante Kämpfer geortet werden. Allerdings vergrätzen die Drohnen hier – ähnlich wie in Pakistan – weite Teile der Bevölkerung. Die Stämme sehen die unbemannten Flugobjekte als Angriff auf ihre Souveränität. Und al-Qaida nutzt das aus. Auf ihrer Website warnte die Terrororganisation kürzlich, die Drohnen nähmen nicht nur die Landschaft in Augenschein, sondern auch die Frauen der stolzen jemenitischen Männer.