Der Prozess gegen den bereits inhaftierten, früheren Öl-Milliardär Michail Chodorkowskij dauert mindestens noch bis zum 27. Dezember. Erst dann will Richter Wiktor Danilkin sein Urteil verlesen. Der Beginn der vermutlich tagelangen Prozedur war ursprünglich für Mittwoch vorgesehen, wurde nun aber kurzfristig verschoben.

Das Gericht werde keine Gründe für die Verschiebung nennen, sagte eine Sprecherin nach Angaben der Agentur Interfax. Chodorkowskijs Anwalt sagte dem Radiosender Echo Moskwy, auch ihm seien keine Gründe für die Verschiebung genannt worden. Er sei über die kurzfristige Verschiebung nicht informiert gewesen.

Dem früheren Chef des inzwischen zerschlagen Ölkonzerns Yukos droht eine weitere langjährige Haftstrafe. Ihm wird vorgeworfen, 218 Millionen Tonnen Öl im Wert von 27 Milliarden Dollar unterschlagen zu haben. Yukos wurde inzwischen zerschlagen und die meisten Teile an russische Staatskonzerne verkauft.

Bereits der Urteilsspruch im ersten Prozess 2005 gegen den einst reichsten Mann Russlands war damals verschoben worden. Chodorkowskij und dessen mitangeklagter früherer Geschäftspartner Platon Lebedew sitzen bereits seit 2003 wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Die Haftstrafe endet 2011. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe stets als politisch motiviert zurückgewiesen.

Die Verzögerung sei ein Hinweis auf eine Verurteilung, sagte die Leiterin der Moskauer Helsinki Gruppe, Ljudmila Alexejewa Echo Moskwy. Zwischen Weihnachten und Silvester interessierten sich im Westen nur wenige Menschen für Nachrichten. Das wolle die russische Regierung ausnutzen, sagte die Menschenrechtlerin.

Das Verfahren war weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Unter anderem erwarten westliche Beobachter gespannt, wie der russische Präsident Dimitrij Medwedjew zu der umstrittensten Entscheidung seines Vorgängers Wladimir Putin Position bezieht.

Chodorkowskijs Anwälte sagen, das Urteil bestimme letztlich nicht das Gericht, sondern der Kreml. Chodorkowskij bezeichnet sich selbst als Opfer korrupter Behörden unter Putin.