UN-Klimakonferenz Wir brauchen eine Geoethik!

Ressourcenverschwendung und Erderwärmung: Die Probleme des globalen Wandels trafen den Menschen unvorbereitet. Nun brauchen wir eine ethische Perspektive. Ein Gastbeitrag

Hier war mal tropischer Regenwald: Umweltzerstörung auf Sumatra, Indonesien

Hier war mal tropischer Regenwald: Umweltzerstörung auf Sumatra, Indonesien

Die Schöpfung müsse bewahrt werden, predigen die Kirchen. Dabei wird die "Schöpfung" den Menschen im Zweifel überleben. Die Erde hat klimatisch schon viel stärkere Katastrophen erlebt als das, was uns in den kommenden 200 Jahren erwartet. Auch eine noch so zerstörerische Umweltpolitik wird die Erde nicht zum toten Planeten machen. Es ist deshalb weder sachlich noch ethisch angemessen, Anstrengungen gegen Klimawandel, Artenschwund, Bodenzerstörung und Ressourcenausbeutung mit der Bewahrung der Schöpfung zu begründen. Das Argument mag vorübergehend dazu taugen, ein konservativ-religiöses Milieu auf Kurskorrekturen einzustimmen, tragfähig ist es nicht.

Ressourcenschutz und Klimastabilisierung sind nicht deshalb notwendig, weil der Mensch irgendeine moralische Schuld gegenüber seiner Umwelt hätte. Wälder und Wale zu schützen und die Klimaerwärmung zu bremsen hat mit uns zu tun, nicht mit einer Schöpfung "da draußen". Das abstrakte Schlagwort der Nachhaltigkeit bringt das moralische Gebot eigentlich auf den Punkt: Du sollst nicht über deine Verhältnisse leben. Im Kollektiv: Ihr sollt so leben, dass es Euren Nachkommen nicht schlechter geht. Damit handelt es sich vor allem um eine zwischenmenschliche Angelegenheit. Doch haben wir es dann überhaupt moralisch mit einer neuen Situation zu tun? Unser ethisches Bewusstsein entspringt schließlich der Notwendigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen zu regeln. Und dennoch fordert der globale Wandel eine neue Grundhaltung, eben eine Geoethik.

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Vergleichen wir es mit den anderen neuen Ethiken, mit denen sich moderne Gesellschaften herumschlagen. Die Diskussion um die Bioethik entstand aufgrund von Problemen, die frühere Gesellschaften nicht kannten: Wann genau beginnt menschliches Leben? Beginnt es zu einem klar definierten Zeitpunkt oder graduell? Stammzellforschung, Präimplantationsdiagnostik, transgene Pflanzen, geklonte Tiere bis hin zur Patientenverfügung – all diese Themen werfen ethische Fragen auf, weil der medizinische Fortschritt bestimmte Grenzlinien – zwischen Leben und Nicht-Leben, Eigen- und Fremdbestimmung, aber auch zwischen den biologischen Arten quasi unters Mikroskop gezerrt hat. Dort erscheinen sie plötzlich unscharf, durchlässig und vor allem: manipulierbar. Die Bioethik wurde notwendig, weil zentrale Prämissen der traditionellen Ethik – jede Form menschlichen Lebens sei immer, unbedingt und um jeden Preis zu erhalten, und nur das Schicksal entscheide über den Tod – nicht mehr weiterhalfen.

Ähnliche Überlegungen führten zur Diskussion einer Neuroethik. Ist es in Ordnung, Gehirne leistungsfähiger zu machen? Verändert eine Ritalinbehandlung bei ADHS-Patienten deren Persönlichkeit? Welche Bewusstseinszustände dürfen wir bei uns und anderen herbeiführen, welche nicht? Ein ähnliches Grundmuster wie im Fall der Bioethik: Die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung sezieren die menschliche Persönlichkeit, machen sie manipulierbar. Wieder stehen wir vor Entscheidungen, die unsere Vorfahren nie treffen mussten.

Auch auf die Probleme des globalen Wandels hat die Evolution unseren moralischen Verstand nicht vorbereitet. Dass es natürliche Grenzen des Wachstums gibt, Ressourcen endlich sind, der Mensch die globalen chemischen Stoffkreisläufe grundlegend umgestaltet – das haben frühere Generationen ebenso wenig in Erwägung gezogen, wie dass in Europa versprühtes Dosenspray, die Ozonschicht über Australien zerstören kann. Umweltveränderungen wurden zwar früher schon beobachtet, auch sie galten jedoch weitgehend als Schicksal.

Die Alltagserfahrungen verdeutlicht ebenfalls die Notwendigkeit einer neuen ethischen Grundhaltung: Wer gegen traditionelle moralische Normen verstößt – stiehlt, raubt, betrügt – gilt als böse und wird bestraft. Selbst rücksichtsloses Rauchen in Gegenwart von Nichtrauchern gilt heute als verpönt. Ökologisches Fehlverhalten dagegen wird kaum geächtet: Wer mit dem Auto spazieren fährt, sich hauptsächlich von Burgern ernährt und übers verlängerte Wochenende auf die Kanaren jettet, bleibt von seinem Umfeld unbehelligt – obwohl er künftigen Generationen einen Schaden zufügt. Wir halten uns zurück, weil wir keine Ökodiktatur wollen – warum aber wettert niemand gegen die Gefahr einer Rechtsstaats-Diktatur?

Den Rechtsstaat halten wir für bedingungslos gut; der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist o.k., solange der Urlaub nicht teurer wird. Der tiefere Grund für diese Haltung ist klar: Im globalen Wandel ist nicht die einzelne Handlung das Problem, sondern deren Summe. Einmal in ein Flugzeug zu steigen, ist geoethisch gesehen nicht wirklich böse. Die Probleme sind statistischer Natur: Die wachsenden materiellen Ansprüche einer wachsenden Weltbevölkerung. Auch dies ein Umstand, dem die traditionelle Sozialethik nicht gerecht wird.

Leser-Kommentare
  1. 1. [...]

    "Ein zusätzlicher Wirbelsturm hier, eine weitere Dürre dort, ein überdurchschnittlich häufiger Ausfall des Monsuns – alles nicht genau vorhersagbar und doch real."

    "dürreresistente Pflanzen"?, wenn nfK alle, dann wächst nichts mehr!!!

    Und vergessen Sie nicht Erosion und Kontinentalsdrift zu verbieten!

    MfG Karl Müller

    Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und respektvollen Umgangston. Die Redaktion/lv

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    aus naturwissenschaftlicher Sicht sind lediglich die demagogischen Einlassungen des Herrn Paál unsachlich. Es ist daher im Interesse einer sachlichen Diskussion auf demagogisches Geschwätz zu verzichten, das gilt insbeondere für Geisteswissenschaftler!

    Solche Leute sind Teil des Problems, nicht der Lösung!

    Daher werde ich auch weiterhin solche unbegründeten Kauslitätssuggestionen als demagogisches Geschwätz ansprechen, bis Herr Paál, oder wer auch immer, diese Hypothesen sedimentologisch belegen kann. Dann will ich mich gerne entschuldigen.

    Zudem stellt sich der Frage warum hier jemanden ein Podium geboten wird, der offenkundig Schwierigkeiten mit dem demokratischen Rechtsstaat zu haben scheint und diesen am liebsten zugunsten eines "höheren Rechts" abschaffen will?

    Ist Carl Schmitt hier immer noch virulent?

    Beste naturwissenschaftlich, rechtsstaatliche Grüße

    Karl Müller

    aus naturwissenschaftlicher Sicht sind lediglich die demagogischen Einlassungen des Herrn Paál unsachlich. Es ist daher im Interesse einer sachlichen Diskussion auf demagogisches Geschwätz zu verzichten, das gilt insbeondere für Geisteswissenschaftler!

    Solche Leute sind Teil des Problems, nicht der Lösung!

    Daher werde ich auch weiterhin solche unbegründeten Kauslitätssuggestionen als demagogisches Geschwätz ansprechen, bis Herr Paál, oder wer auch immer, diese Hypothesen sedimentologisch belegen kann. Dann will ich mich gerne entschuldigen.

    Zudem stellt sich der Frage warum hier jemanden ein Podium geboten wird, der offenkundig Schwierigkeiten mit dem demokratischen Rechtsstaat zu haben scheint und diesen am liebsten zugunsten eines "höheren Rechts" abschaffen will?

    Ist Carl Schmitt hier immer noch virulent?

    Beste naturwissenschaftlich, rechtsstaatliche Grüße

    Karl Müller

  2. na da muß sich herr paál doch gar keine sorgen machen. dem ziel, dieser schrecklichen "diktatur des rechtsstaats" endlich ein ende zu bereiten, haben sich doch sämtliche regierungen der letzten dekaden wirklich intensiv gewidmet. übrigens meistens auch mit irgendwelchen zusammenkonstruierten moral- und angstszenarien. großartig, daß der rechtsstaat jetzt nicht nur von boulevard-medien und cdu, sondern auch von seiten der philosophie angefriffen wird.
    wenn die paálsche "neue ethik" dann irgendwann mal greift, kann man wohl nur noch auswandern...so denn das flugticket noch bezahlbar ist.

  3. Zitat :
    "Die Probleme sind statistischer Natur: Die wachsenden materiellen Ansprüche einer wachsenden Weltbevölkerung."

    Das sind keine statistischen Probleme, dass die Vermehrung der Menschen unethisch ist, weil dadurch Pflanzen und Tieren und den Kindern der Lebensraum, das Wasser, die Nahrung, die Freiheit und die Schönheit der Welt genommen wird.

    Die Freiheit des freien und unbegrenzten Kinderzeugens muss sehr teuer mit wachsender Unfreiheit für alles Leben bezahlt werden.

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    • joG
    • 03.12.2010 um 16:37 Uhr

    ....wenn die Leitkultur die Kinderzahl subventioniert. Das verbessert sich gerade ein wenig, aber dennoch ist die ausgesprochene Politik aller grösseren Parteien die die Geburtenzahl anzuheben.

    • joG
    • 03.12.2010 um 16:37 Uhr

    ....wenn die Leitkultur die Kinderzahl subventioniert. Das verbessert sich gerade ein wenig, aber dennoch ist die ausgesprochene Politik aller grösseren Parteien die die Geburtenzahl anzuheben.

  4. aus naturwissenschaftlicher Sicht sind lediglich die demagogischen Einlassungen des Herrn Paál unsachlich. Es ist daher im Interesse einer sachlichen Diskussion auf demagogisches Geschwätz zu verzichten, das gilt insbeondere für Geisteswissenschaftler!

    Solche Leute sind Teil des Problems, nicht der Lösung!

    Daher werde ich auch weiterhin solche unbegründeten Kauslitätssuggestionen als demagogisches Geschwätz ansprechen, bis Herr Paál, oder wer auch immer, diese Hypothesen sedimentologisch belegen kann. Dann will ich mich gerne entschuldigen.

    Zudem stellt sich der Frage warum hier jemanden ein Podium geboten wird, der offenkundig Schwierigkeiten mit dem demokratischen Rechtsstaat zu haben scheint und diesen am liebsten zugunsten eines "höheren Rechts" abschaffen will?

    Ist Carl Schmitt hier immer noch virulent?

    Beste naturwissenschaftlich, rechtsstaatliche Grüße

    Karl Müller

    Antwort auf "[...]"
    • Badesh
    • 02.12.2010 um 21:54 Uhr

    [...]
    Wir halten uns zurück, weil wir keine Ökodiktatur wollen – warum aber wettert niemand gegen die Gefahr einer Rechtsstaats-Diktatur?

    Den Rechtsstaat halten wir für bedingungslos gut; der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist o.k., solange der Urlaub nicht teurer wird.
    [...]
    ------------------------------------------
    Die Argumentation ist stichhaltig. Und sie ist sensibel formuliert(Als aufgeworfene frage an den Leser). Hier will keiner einen Rechtsstaat abschaffen sondern die gleiche Wertschätzung für einen "Ökostaat." Bzw einen Rechtsstaat der die Geoethik einbezieht wie im foglenden wunderbar erörtert.

    Und kausal immer auf eine Ursache redzuzierbar sind solche globalen Phänomene nie, ob es nun Katastrophen oder einfach nur der Wetterbericht ist.

    Guter Artikel.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Rechtsstaatsdiktatur? Ich wusste gar nicht, dass in der 'Zeit'
    verfassungsfeindlichen Strömungen ein Sprachrohr gegeben wird.

    Schläft die Redaktion oder tut sie nur so?

    Eine Leser-Empfehlung
  6. 7. ~ 1276

    Soll ich hart sagen? Das ist Geschwafel. Und das beginnt bereits beim zentralen Begriff, der wie eine Marke für das eigene Modell verkauft wird. Geoethik? Das wäre unpassend, auch und gerade zu den vom Autor genannten Merkmalen. Tatsächlich genügt "globale Ethik" völlig aus. Aber dann wäre wohl zu leicht erkennbar, dass die vom Autor genannten Merkmale und Forderungen in keinem Punkt neu sind. All das basiert auf sozialen Ethiken, allerdings nur in kleineren Gemeinschaften. Und nun kann man sich die Frage stellen, warum diese nicht erweitert wird - auf andere Bereiche (Wirtschaft) oder Reichweiten (global, Zukunft).

    Da aber stößt man rasch auf das Phänomen, dass die Forderungen des Autors nichts als Aufzählung der Mängel sind. Er wiederholt also nur, was offensichtlich ist: dass diese Erweiterungen aus irgend einem Grund nicht gelingen. Sich hinzustellen und die Forderungen zu wiederholen, bringt da keinen Fortschritt. Deswegen ist dies Geschwafel, das in Aussagen wie "Viertens muss von einer Geoethik eine globale normative Kraft ausgehen" gipfelt. Natürlich muss von einer jeden Ethik eine normative Kraft ausgehen! Aber das Problem ist nicht, wo sie welche Folgen haben sollte, sondern wie man solche Normen etablieren könnte.

    So ist dies eher ein Schaden für die Debatte. Nicht tragbar, so dass Ablehnung wachsen kann. Fakten in persönliche Meinung und Forderung eingebaut, so dass Zweifel zurückwirken können. So etwas schreibt ein 15-Jähriger als Schulaufsatz.

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    ging mir auch durch den Kopf. Und ich würde noch hinzufügen: Der rechtfertigende Rückgriff auf die ach so tolle "empirische Ökonomie", die all diese wunderbaren Gedanken nahelegt, dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der Artikel nicht über Blabla hinauskommt. So als wären "nostalgische Sozialpsychologen" etwas Schlimmes...

    • joG
    • 03.12.2010 um 17:22 Uhr

    " All das basiert auf sozialen Ethiken, allerdings nur in kleineren Gemeinschaften. Und nun kann man sich die Frage stellen, warum diese nicht erweitert wird - auf andere Bereiche (Wirtschaft) oder Reichweiten (global, Zukunft)"

    Andererseits ist eine Ethik auch ein Verhaltenskodex, das den Individuen und ihrem Völkchen halfen nicht aus zu sterben. Also ist sie eine Art biologisch-gesellschaftliche Technologie, die sich offenbar teilweise genetisch fixierte und andererseits der Anthropologie zuzuordnenden Ursprungs sein kann.

    Ohne nun auf die Effizienz Kriterien näher eingehen zu wollen, scheint es überzeugend, dass eine Ethik mit den Umständen in der realen Welt besser zurecht kommen sollte können als schlechter. In einer Welt, die sich ändert, werden bestehende Normen weniger erfolgreich und müssten modifiziert oder ersetzt werden. Nach dem Kriterium ihres Erfolgs geben eine Kombination von Unterdiszipilinen der VWL Aufschluss.

    Bei den Aufgeführten Beispielen geht es um Externe Effekte, Öffentliche Güter, Aspekte der Wohlfahrtsbewertung usw. Da lassen sich relativ robuste Aussagen dazu machen, wie eine Ethik gestaltet sein müsste machen und daraus ableiten, wie die Gesellschaft zu strukturieren wäre. Noch ist die VWL keine absolut "exakte" Wissenschaft. Sie weist aber relativ verlässlich Richtungen in dem Sinne, dass man qualitative Aussagen dazu machen kann, was eine Norm bzw deren gesetzlichen Implikationen im Vergleich zu anderen bewirken würde.

    ging mir auch durch den Kopf. Und ich würde noch hinzufügen: Der rechtfertigende Rückgriff auf die ach so tolle "empirische Ökonomie", die all diese wunderbaren Gedanken nahelegt, dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der Artikel nicht über Blabla hinauskommt. So als wären "nostalgische Sozialpsychologen" etwas Schlimmes...

    • joG
    • 03.12.2010 um 17:22 Uhr

    " All das basiert auf sozialen Ethiken, allerdings nur in kleineren Gemeinschaften. Und nun kann man sich die Frage stellen, warum diese nicht erweitert wird - auf andere Bereiche (Wirtschaft) oder Reichweiten (global, Zukunft)"

    Andererseits ist eine Ethik auch ein Verhaltenskodex, das den Individuen und ihrem Völkchen halfen nicht aus zu sterben. Also ist sie eine Art biologisch-gesellschaftliche Technologie, die sich offenbar teilweise genetisch fixierte und andererseits der Anthropologie zuzuordnenden Ursprungs sein kann.

    Ohne nun auf die Effizienz Kriterien näher eingehen zu wollen, scheint es überzeugend, dass eine Ethik mit den Umständen in der realen Welt besser zurecht kommen sollte können als schlechter. In einer Welt, die sich ändert, werden bestehende Normen weniger erfolgreich und müssten modifiziert oder ersetzt werden. Nach dem Kriterium ihres Erfolgs geben eine Kombination von Unterdiszipilinen der VWL Aufschluss.

    Bei den Aufgeführten Beispielen geht es um Externe Effekte, Öffentliche Güter, Aspekte der Wohlfahrtsbewertung usw. Da lassen sich relativ robuste Aussagen dazu machen, wie eine Ethik gestaltet sein müsste machen und daraus ableiten, wie die Gesellschaft zu strukturieren wäre. Noch ist die VWL keine absolut "exakte" Wissenschaft. Sie weist aber relativ verlässlich Richtungen in dem Sinne, dass man qualitative Aussagen dazu machen kann, was eine Norm bzw deren gesetzlichen Implikationen im Vergleich zu anderen bewirken würde.

  7. [...]Solange Nationen im Wettbewerb stehen, neigen sie dazu, die vorhandenen Ressourcen einseitig auszubeuten – und wenn das alle tun, bleibt am Ende nicht viel übrig. Die Überfischung der Meere ist das Lehrbeispiel für eine Situation, in der es sich für den Einzelnen bislang nicht lohnt, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Wenn es sich aber schon nicht lohnt, sollte es eine verbindliche Haltung geben, die es gebietet. Tatsächlich begehen wir viele unserer täglichen Umweltsünden aus Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit und weil es so billig ist.[...]
    Was wir brauchen, ist keine "Geo-Ethik", sondern eine klare Analyse der Ursachen. Nicht "Nationen" stehen im WEttbewerb, sondern im aktuell vorherrschenden Wirtschaftsssystem kämpfen Unternehmen in Konkurrenz um Marktanteile, Absatz, Profit...
    Der Aufwand, mit schwimmenden Fabriken die Meere leerzufischen war lange Zeit geringer, bis auch hier der Aufwand höher, da Fischgründe leerer, wurde, (nur so konnte sich Aquakultur plötzlich lohnen)...ein marktwirtschaftlicher Prozeß. Aber auch hier wieder werden Aufwände und Kosten minimiert, Gewinne maximiert: durch Einsatz von Antibiotika, Verschmutzung der Küstengewässer, billige fernöstliche Arbeitskräfte usw. usf. Nicht betriebswirtschaftlich erfaßbare Kosten, insbesondere Umweltzerstörung, werden sozialisiert, Gewinne privatisiert. Das kann im Kapitalismus auch nicht anders sein. Im Konkurrenzkampf ist der "anständige", nachhaltig wirtschaftende Unternehmer unterlegen...

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