Der Karrierediplomat Manutschehr Mottaki, der seit August 2005 Außenminister war, erfuhr bei einem offiziellen Besuch im Senegal von seiner Abberufung. "Ich danke Ihnen und schätze die Arbeit und die Dienste, die Sie in Ihrer Zeit im Außenministerium geleistet haben", hieß es laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna im Entlassungsschreiben von Präsident Mahmud Ahmadineschad.

In einer zweiten Direktive betraute der Staatschef den Chef des Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, vorübergehend mit dem Amt des Chefdiplomaten. "Auf Grund Ihres Engagements, Ihrer Kenntnisse und Ihrer kostbaren Erfahrung werden Sie ernannt, vorläufig an der Spitze des Außenministeriums zu stehen", hieß es in der Anordnung.

Gründe für die Entlassung Mottakis wurden zunächst nicht bekannt. Er soll in den vergangenen Monaten mehrfach mit Ahmadineschad über dessen Politik gestritten haben. Während die iranische Führung im Atomstreit mit dem Westen auf ihr Recht zu einem Atomprogramm pocht und dies für "nicht verhandelbar" erklärt, sagte Mottaki vergangene Woche in Athen, es gebe "gewisse Positionen, in denen wir zusammenarbeiten können ".

Während sich Mottaki offenbar wegen dieses aus Sicht der iranischen Führung möglicherweise aufgeweichten Standpunktes mit Ahmadineschad überwarf, war der Atomphysiker Salehi in den vergangenen Monaten in den iranischen Medien allgegenwärtig. Immer wieder verkündete er Fortschritte des umstrittenen Atomprogramms.

Der Westen verdächtigt Iran , unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Kernenergie Atomwaffen zu bauen. Teheran weist das zurück. Vor einer Woche nahm Iran die Gespräche mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland über sein umstrittenes Atomprogramm wieder auf, die mehr als ein Jahr auf Eis gelegen hatten.

Experten gehen von einem Stellvertreterkonflikt aus. Mottaki gilt als enger Gefährte von Parlamentspräsident Ali Laridschani, einem Rivalen Ahmadineschads um das Amt des Präsidenten. Der Wechsel des Außenministers zeige, dass sich der Streit zwischen beiden verschärfe.

Die Regierung des als Hardliner betrachteten Ahmadineschad hatte die Straßenproteste nach dessen umstrittener Wiederwahl im Juni 2009 gewaltsam niedergeschlagen. Die Abstimmung führte zu einem Riss in der Führung des Landes, in der sich einige gegen die zunehmende Macht des Präsidenten sträuben. Ein früherer Regierungsbeamter sagte, bereits 2005 habe Ahmadineschad den Atombehördenchef Salehi zum Außenminister machen wollen. Damals sei das Vorhaben jedoch am Widerspruch des geistlichen Oberhaupts der islamischen Republik, Ajatollah Ali Chomeini , gescheitert.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat Iran aufgefordert, die Gespräche über sein umstrittenes Atomprogramm ungeachtet der Entlassung Mottakis fortzusetzen. "Wir setzen darauf, dass die Gespräche, die gerade in Genf begonnen haben, fortgesetzt werden", sagte er vor einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. Die Regierungsumbildung in Iran dürfe nicht dazu führen, "dass es jetzt ein Unterbrechen oder ein Zögern bei den Gesprächen" gebe, sagte der Vizekanzler. "Die Gespräche haben begonnen, und sie müssen fortgesetzt werden, in welcher politischen Konstellation auch immer."

Mottaki, der Sozialwissenschaften und internationale Beziehungen studiert hat, war vor seinem Amtsantritt als Außenminister Botschafter in der Türkei und in Japan und hatte mehrere Regierungsposten inne. Er war Generaldirektor im Ministerium für Westeuropafragen und Vize-Minister für Konsulatsangelegenheiten. Nach seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2004 wurde er Vorsitzender des Ausschusses für nationale Sicherheit.