Korea-KriseSüdkorea startet neues Militärmanöver

Ungeachtet der Warnungen Nordkoreas hat Südkorea eine große Militärübung begonnen. Bei dem Manöver setzt das Land Kriegsschiffe und Artillerie ein. von AFP und Reuters

Ein Boot der südkoreanischen Marine am 1. Dezember 2010

Ein Boot der südkoreanischen Marine am 1. Dezember 2010  |  © Kim Jae-Hwan/AFP/Getty Images

Insgesamt sind Übungen an 29 Orten um die koreanische Halbinsel herum geplant, auch nahe der Demarkationslinie zum Norden vor der westlichen Küste. Bei dem auf eine Woche angelegten Manöver werde das Militär auch scharf schießen, teilte die Armeeführung mit. Die Gewässer um die südkoreanische Insel Yeonpyeong seien dieses Mal aber ausgenommen. Vor wenigen Wochen hatte Nordkorea diese Insel beschossen, weil es sich bedroht sah.

Südkoreasneuer Verteidigungsminister Kim Kwan Jin hatte am Samstag für den Fall einer neuen Aggression Nordkoreas gewarnt, dass die südkoreanischen Streitkräfte schnell und kräftig reagieren würden, "bis sie (Nordkorea) aufgeben". "Wir wollen keinen Krieg, aber wir dürfen davor keine Angst haben", sagte Kim. Einen Tag zuvor hatte er angekündigt, Südkorea werde bei einem neuen Angriff sofort Kampfjets gegen das Nachbarland einsetzen.

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Unterdessen reiste Südkoreas Außenminister Kim Sung Hwan zu Gesprächen über die Krise auf der Halbinsel in die USA. An diesem Montag ist unter anderem ein Dreier-Treffen mit Kim, US- Außenministerin Hillary Clinton und dem japanischen Kollegen Seiji Maehara geplant.

Der chinesische Präsident Hu Jintao hat sich in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama über die Lage auf der koreanischen Halbinsel tief besorgt gezeigt. Wenn damit nicht richtig umgegangen werde, könne der Konflikt außer Kontrolle geraten, sagte Hu nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Montag. Obama erklärte nach Angaben der US-Regierung, man habe ein gemeinsames Interesse an Stabilität in der Region. Er forderte demnach China zur Zusammenarbeit auf. Man müsse Nordkorea klarmachen, dass die Provokationen untragbar seien.

Nordkorea hatte die Insel Yeonpyeong vor knapp zwei Wochen beschossen und damit die Spannungen in der Region deutlich verschärft. Bei dem Angriff kamen vier Südkoreaner ums Leben, darunter zwei Zivilisten. Es war das erste Mal seit Ende des Koreakriegs 1950-1953, dass die nordkoreanische Armee zivile Ziele auf südkoreanischem Boden angriff.

Der Norden begründete den Beschuss damit, dass der Süden zuvor Artilleriegeschosse in seine Gewässer abgefeuert habe. Zugleich warnte die Führung in Pjöngjang den Süden vor einem Krieg, sollte sich ein ähnlicher Vorfall wiederholen. Der Grenzverlauf in den dortigen Gewässern ist teilweise umstritten.

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Leserkommentare
  1. Wie sieht so ein Militärmanöver wohl aus? Und wie kriegerisch kann es da zugehen. Das Symbol(?)bild sieht ja eher aus wie ein durchschnittlicher Tag in der Flensburger Förde.

    • Harzer
    • 06. Dezember 2010 8:15 Uhr

    ... ""Wir wollen keinen Krieg, aber wir dürfen davor keine Angst haben", sagte Kim."...
    Wer vor einem Krieg keine Anst hat, ist mindestens leichtfertig.
    Bei beiden Koreas scheint "eine Schraube locker" zu sein!

    • Harzer
    • 06. Dezember 2010 8:22 Uhr

    Wenn in meinem Nachbargarten ein tollwütiger Tiger herumläuft ist es klar, daß ich den Zaun so fest wie möglich mache, und schieße, wenn er versucht durchzubrechen.
    Ihn aber durch den Zaun mit einem spitzen Stock zu piesacken ist veranwortungslos.
    Oder sind die USA etwa auch an einer Eskalation interessiert ?
    (siehe Tonking)

  2. Falls ich das richtig sehe, provozieren die USA / Südkorea gerade einen weiteren Grenzkonflikt. Lesenswerter Artikel bei Bloomberg:

    http://www.bloomberg.com/...

    Lage der Insel Daecheong:

    http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&q=Daecheong-ri,+Daecheong-myeon,+Ongjin-gun,+Incheon,+409-851,+Südkorea&sll=51.151786,10.415039&sspn=11.114697,42.143555&ie=UTF8&oi=georefine&cd=3&geocode=Fa8lQQId49tuBw&split=0&hq=&hnear=Daecheong-ri,+Daecheong-myeon,+Ongjin-gun,+Incheon,+409-851,+Südkorea&ll=37.978845,124.694824&spn=3.4895,10.535889&t=h&z=7

    • M.M.
    • 06. Dezember 2010 8:49 Uhr

    Ich denke, ein wenig Augenmaß seitens der USA/Südkorea könnte bei dieser Konfliktlage nicht schaden, zumal die chinesische Karte gespielt werden muß.China kann kein Interesse an einem heißen Konflikt haben und wird dementsprechend auf das Kim-Regime einwirken.
    Der Süden und die USA sind militärisch stark genug, diesen Konflikt zu beherrschen, daher ist von "Zündelfieber" dringend abzuraten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Ewok
    • 06. Dezember 2010 10:20 Uhr

    Laut den in Wikileaks veröffentlichten Diplomatenschreiben hat China weniger Einfluss auf Nordkorea als man im Westen denkt, und die Geduld der Chinesen mit den Wirrköpfen in Pjönjang ist auch am Ende (siehe http://www.guardian.co.uk... ). China würde ein wiedervereinigtes Korea an seiner Grenze durchaus gelegen kommen, nur dürfen darin keine amerikanischen Truppen mehr stationiert werden.

    Ideal wäre natürlich wenn China mit Südkorea und den USA eine Allianz eingehen und Nordkorea in einem Zweifrontenkrieg besiegen würde, dies ist jedoch vorallem deshalb unwahrscheinlich weil China ja eben keine US-Truppen an seiner Grenze will.

    Dass sich der Korea-Konflikt langfristig auf diplomatische/friedliche Weise lösen lässt halte ich für arg unwahrscheinlich (der Vergleich mit dem geteilten Deutschland hinkt ja leider ziemlich stark), die Frage ist eher wann das Pulverfass hochgeht und wie. Es wäre sicherlich besser wenn Nordkorea angegriffen wird bevor es selbst angreift, am Ende gar mit Atomwaffen...

    • Ewok
    • 06. Dezember 2010 10:20 Uhr

    Laut den in Wikileaks veröffentlichten Diplomatenschreiben hat China weniger Einfluss auf Nordkorea als man im Westen denkt, und die Geduld der Chinesen mit den Wirrköpfen in Pjönjang ist auch am Ende (siehe http://www.guardian.co.uk... ). China würde ein wiedervereinigtes Korea an seiner Grenze durchaus gelegen kommen, nur dürfen darin keine amerikanischen Truppen mehr stationiert werden.

    Ideal wäre natürlich wenn China mit Südkorea und den USA eine Allianz eingehen und Nordkorea in einem Zweifrontenkrieg besiegen würde, dies ist jedoch vorallem deshalb unwahrscheinlich weil China ja eben keine US-Truppen an seiner Grenze will.

    Dass sich der Korea-Konflikt langfristig auf diplomatische/friedliche Weise lösen lässt halte ich für arg unwahrscheinlich (der Vergleich mit dem geteilten Deutschland hinkt ja leider ziemlich stark), die Frage ist eher wann das Pulverfass hochgeht und wie. Es wäre sicherlich besser wenn Nordkorea angegriffen wird bevor es selbst angreift, am Ende gar mit Atomwaffen...

    Antwort auf "Augenmaß"
  3. Naive Malerei wie damals in Bezug auf Irak möchte ich mir seitens der Rechthaber diesmal verbitten.

    Viel lieber wäre es mir man legte Beweise auf den Tisch die von nichts erschüttert werden können. Aber ein Miniaturland wie Nordkorea das seine ohnmächtige Wut, mit etwas zuviel Schaum vorm Mund garniert herausschreit, ist keine Weltfriedensgefahr.
    Begegned man solchen Leuten mit Gelassenheit und dem Aufzeigen einer unmissverständlich roten Linie ohne viel Getöse und hält man seine eigenen ungezogen Kinder an der kurzen Leine beruhigt sich in der Regel jeder beisswütige Hund ganz langsam von selbst.
    Die betroffenen Kinder sollten derartige Eltern am besten ins Grab wünschen. [...]

    Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

  4. Ich würde mir wirklich eine etwas ausgewogenere Berichterstattung wünschen. Ich habe ein bisschen das Gefühl, man befürwortet hier einen Militärschlag nach dem Motto "Überrollen, Dikator beseitigen, Volk befreien".

    Aber so läuft es leider nie.

    Das Regime Nordkoreas wird sich verbissen zur Wehr setzen und man darf nicht vergessen, dass Nordkorea gut gerüstet ist. Auch die A-Bombe ist verfügbar und ich zweifel nicht daran, dass diese eingesetzt wird.

    Hier wird ein Militärschlag beschworen, der einen neuen Krisenherd entfacht. Was soll das Ganze? Wie kann man sowas befürworten? Wieso provoziert man das Regime so?

    Ich glaube die meisten Leute wachen erst auf, wenn es richtig knallt. Mein Gott, der alte gibt doch bald den Löffel ab. Wie wärs mal zur Abwechslung mit einer diplomatischen Lösung? Hier hoffe ich auf China. Dass Amerika diese Sache regelt ist die wohl schlechteste Variante für alle Beteiligten.

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  • Quelle AFP, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | Hillary Clinton | Militär | Nordkorea | Aggression | Außenminister
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