Die Attentäterin habe die Menschen in einem Zentrum für internationale Nahrungsmittelhilfe in der Stadt Khar angegriffen, sagte ein Regierungsvertreter der Region Bajaur an der afghanischen Grenze. Die junge Attentäterin trug Augenzeugen zufolge einen Ganzkörperschleier. Sie hatte während der Ausgabe von Nahrungsmitteln zunächst Handgranaten in die Menge geworfen, als sie am Tor von Sicherheitskräften gestoppt wurde. Dann habe sie sich in die Luft gesprengt. Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für das Attentat.

Auf dem Gelände waren offiziellen Angaben zufolge zum Zeitpunkt des Anschlags etwa 300 Menschen versammelt. Die Zahl der Toten könnte noch steigen, da es viele Schwerverletzte gab. "Sieben bis acht Menschen schweben noch in Lebensgefahr", sagte ein Arzt der Intensivstation des Krankenhauses in Khar, wo die Opfer behandelt werden. Insgesamt wurden durch den Anschlag mindestens 70 Menschen verletzt.

Bei den Opfern handelt es sich offiziellen Angaben zufolge um Flüchtlinge, die sich vor Kämpfen zwischen der Armee und den pakistanischen Taliban in Sicherheit bringen wollten. Erst am Vortag hatte es in einer Nachbarregion von Bajaur heftige Gefechte gegeben, bei denen elf Soldaten und 24 Extremisten getötet wurden.

Der Augenzeuge schätzte die Täterin auf Anfang 20. Selbstmordanschläge durch Frauen sind eher selten. In Pakistan gab es vor dem jüngsten Anschlag lediglich zwei Attentate dieser Art. Auch der Regierungsbeamte ging davon aus, dass eine Frau das Blutbad anrichtete.

Im Grenzgebiet zu Afghanistan halten sich viele radikalislamische Extremisten der Taliban und des Terrornetzwerks al-Qaida auf. Bajaur war früher ein Hauptdurchgangsgebiet für Aufständische, die jenseits der Grenze in Afghanistan Anschläge verübten. Mit einer ganzen Serie von Angriffen versucht die pakistanische Armee mithilfe der USA, die Extremisten aus der Region zu vertreiben . Dabei wurden Hunderte Kämpfer getötet . Im vergangenen Jahr hatte das Militär dann verkündet, die Militanten seien aus dem Grenzgebiet geflohen. Allerdings sollen sich weiterhin Aufständische in den Bergen verstecken und Soldaten und Zivilisten in Bajaur und im benachbarten Distrikt Mohmand angreifen. Durch Anschläge im ganzen Land kamen bereits ebenfalls Hunderte Menschen ums Leben kamen.