Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat eine neue Verurteilung seines inhaftierten Kritikers Michail Chodorkowskij gefordert. Es sei davon auszugehen, dass "die Verbrechen von Herrn Chodorkowskij vor dem Gericht bewiesen wurden", sagte Putin in einer Fragestunde im Fernsehen. Und jeder "Dieb muss ins Gefängnis."

Der russische Staat wirft dem einst reichsten Mann des Landes vor, 218 Millionen Tonnen Öl unterschlagen und illegal weiterverkauft zu haben. Die Justiz hatte die für diese Woche geplante Urteilsverkündung am Mittwoch jedoch ohne Angabe von Gründen überraschend auf den 27. Dezember verschoben . Chodorkowskij war in einem ersten Verfahren wegen Betrugs und Steuerhinterziehung bereits zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe läuft nächstes Jahr aus.

Putin sagte, der US-Finanzmakler und Milliardenbetrüger Bernard Madoff sei für ähnlich schwere Vergehen von einem amerikanischen Gericht zu 150 Jahren Haft verurteilt worden. Da sei die russische Justiz, die gegen Chodorkowskij 14 Jahre fordert, "sehr viel liberaler". Zudem warf Putin seinem Erzfeind erneut vor, in Auftragsmorde verwickelt zu sein.

Chodorkowskij hatte die Vorwürfe stets als politisch motiviert zurückgewiesen. Gleichwohl rechnet der frühere Chef des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos mit einer weiteren mehrjährige Gefängnisstrafe für sich. Davon gehen nun auch seine Anwälte aus. Mit Blick auf Putins Äußerungen vor dem neuen Urteilstermin sprachen sie von "unerlaubtem Druck auf das Gericht". Damit stehe endgültig fest, dass ihr seit 2003 inhaftierter Mandant zu einer neuen Haftstrafe verurteilt werde, sagte Verteidigerin Karina Moskalenko.

Russische Oppositionelle sprachen von einem "Skandal", weil Putin die Unabhängigkeit des Gerichts missachte und einen Angeklagten schon vorher schuldig spreche. Beobachter vermuten, dass Russland den weiterhin einflussreichen und finanzstarken Chodorkowskij über die Präsidentenwahl 2012 hinaus politisch kaltstellen will. Auch Deutschland und die USA hatten den Prozess scharf kritisiert.