Die Regierung hatte die Reise wie immer in solchen Fällen geheim gehalten: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist nach Afghanistan gereist, um in der Vorweihnachtszeit die dort stationierten Bundeswehrsoldaten zu besuchen. Seine Frau Stephanie begleitet ihn. Auch die Ministerpräsidenten Niedersachsens und Sachsen-Anhalts, David McAllister und Wolfgang Böhmer (beide CDU) sind mitgereist. Ebenso der Journalist Johannes B. Kerner, der mit dem Verteidigungsminister und mit Soldaten eine Talkshow aufzeichnen will.

"Es ist ganz wichtig, dass man gerade in der Weihnachtszeit jenen Anerkennung und Unterstützung gibt, die tausende Kilometer von der Heimat entfernt einen harten Dienst absolvieren", sagte der Minister zum Anlass des Besuchs. "Es ist eine Frage des Herzens." Guttenberg ist der erste deutsche Minister, der seine Ehefrau mit ins Einsatzgebiet nimmt. "Es war ihr eigener Wunsch, und es war ein Wunsch, der immer wieder aus der Truppe geäußert wurde." Der gemeinsame Besuch solle zeigen, "dass der Einsatz der Soldaten nicht nur politisch getragen wird, sondern darüber hinaus". Die Ministergattin selbst sagte, sie wolle sich aber nicht durch die angespannte Sicherheitslage davon abhalten lassen, "als Bürger dieses Landes Danke zu sagen".

Stephanie zu Guttenberg begleite ihren Mann auch, um sich einen Eindruck von den Betreuungseinrichtungen der Bundeswehr für Familien zu verschaffen. Außerdem wollte sie sich ein Bild von den besonderen Anforderungen an Frauen im Einsatz zu machen. Eine Soldatin führte sie durch das Feldlager Kundus, wo sie mit Soldatinnen sprach.

Die Soldaten haben nach Ansicht des Ministers derzeit mehr abzuhalten als in vergangener Zeit. "Die Gefechtssituation ist härter und länger als in den Wintern zuvor." Doch das Bemühen der Bundeswehr ist demnach nicht erfolglos: In den vergangenen Monaten seien Fortschritte erkennbar gewesen, sagte Guttenberg. "Da muss man sich die Realitäten schildern lassen." Deutschland hat derzeit im Rahmen der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf nach Angaben der Bundeswehr 4570 Soldaten im Einsatz, 132 davon sind Frauen.

Der Verteidigungsminister ist zum siebten Mal seit seinem Amtsantritt im Herbst 2009 am Hindukusch. Guttenberg braucht die Unterstützung der Truppe auch für die geplante Reform der Bundeswehr, im Zuge derer die Bundesregierung auch die Wehrpflicht aussetzte.

Im August reiste er als erster deutscher Spitzenpolitiker zu den Soldaten im Kampfgebiet in der Provinz Baghlan. Im November wagte er sich in den einst schwer umkämpften Distrikt Char Darah im Norden des Landes. Dort waren im April drei deutsche Soldaten in einem Hinterhalt von den radikalislamischen Taliban getötet wurden.

Im Frühjahr war bereits der damalige Bundespräsident Horst Köhler in Begleitung seiner Ehefrau zu einem Truppenbesuch in Nordafghanistan. Auf dem Rückflug gab er ein Interview, in dem er den Auslandseinsatz der Bundeswehr damit in Verbindung brachte, dass Handelswege frei gehalten werden müssten. Die öffentliche Kritik an seinen Worten hatte er zum Anlass genommen, am 31. Mai mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. Wochen später hatte Guttenberg Köhlers Sichtweise jedoch sinngemäß bestätigt. Bezug auf Handelswege und Wirtschaftsinteressen nimmt auch das Weißbuch der Bundeswehr von 2006, ein Grundlagenpapier deutscher Sicherheitspolitik.