Der umstrittene weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko ist bei der Wahl einer Prognose des Staatsfernsehens zufolge im Amt bestätigt worden. Der 56-Jährige habe 72 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, berichtete der staatliche Sender ONT am Abend unter Berufung auf Nachwahlbefragungen. Die Oppositionskandidaten Andrej Sannikow und Wladimir Nekljajew kamen demnach auf je 6,1 Prozent.

Überraschend ist das Ergebnis nicht: Der Sieg Lukaschenkos bei der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Wahl hatte bereits im Vorfeld als sicher gegolten.

Im Zentrum der Hauptstadt Minsk gingen etwa 20.000 Regierungskritiker aus Protest gegen den Präsidenten auf die Straße. Die weißrussische Polizei ging gewaltsam gegen Demonstranten vor. Die Regierungsgegner verlangten eine Neuwahl unter Ausschluss Lukaschenkos.

Nach Medienberichten wurde der Oppositionskandidat und Dichter Nekljajew am Abend auf dem Weg zur Demonstration von Polizisten vor seinem Büro in Minsk krankenhausreif geprügelt. Neben dem Angriff auf Nekljajew seien Dutzende seiner Mitstreiter festgenommen worden, meldete die unabhängige Agentur Belapan. Die Gruppe wollte zum zentralen Oktoberplatz marschieren, um dort wie angekündigt gegen die ihrer Ansicht nach massiven Wahlfälschungen zugunsten von Staatschef Lukaschenko zu demonstrieren. Ein Polizeisprecher widersprach dem: Es habe keine Festnahmen gegeben.

Auf dem zentralen Oktoberplatz versammelten sich trotz der massiven Polizeipräsenz nach Belapan-Angaben 20.000 Regierungskritiker. Sie schwenkten weißrussische Fahnen und riefen "Lang lebe Weißrussland!" In den Straßen rund herum waren schwer bewaffnete Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. Korrespondenten der dpa berichten, dass die Polizei Blendgranaten eingesetzt und mehrere Aktivisten zu Boden gerissen habe. Das Regime hatte öffentliche Kundgebungen verboten und ein massives Sicherheitsaufgebot in Minsk zusammengezogen. Unabhängigen weißrussischen Wahlbeobachtern wurden nach eigenen Angaben Telefone sowie der Internetzugang abgeschaltet, um Gespräche mit westlichen Medien zu verhindern.

"Die schweren demokratischen Defizite bei diesen Wahlen sind nicht zu übersehen", kritisierte die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck (Grüne). Dennoch müsse der Dialog mit dem Regime fortgeführt werden, um Lukaschenko Reformen abzufordern. Weißrussland ist das letzte Land in Europa, das die Todesstrafe vollzieht. Die Bundesregierung und die Europäische Union hatten freie und faire Wahlen gefordert.

Etwa 1000 internationale Wahlbeobachter wollten die Abstimmung kontrollieren, davon sind etwa die Hälfte von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die letzten Wahlen in Weißrussland hatte die OSZE nicht anerkannt.

Lukaschenko, der von westlichen Politikern oft als der "letzte Diktator Europas" bezeichnet wird, ist seit 1994 Präsident der früheren Sowjetrepublik. Beim Urnengang im März 2006 hatte der heute 56-jährige Lukaschenko laut offiziellem Ergebnis 83 Prozent der Stimmen erhalten.