Wikileaks-Gründer Julian Assange © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Seit fast einem Monat hat er sich nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt, er wird von Interpol gesucht und gilt vielen in den USA als Staatsfeind Nummer eins. Auch die neuesten Enthüllungen seiner Plattform über die US-Diplomatie, die seit dem vergangenen Sonntag durch immer neue Berichte im Spiegel, dem Guardian und der New York Times bloß gestellt wird, nutzte er für keinen großen Auftritt. Nun jedoch hat sich Wikileaks-Gründer Julian Assange von einem geheimen Ort aus zu Wort gemeldet. Lesern des Guardian beantwortete er in einem Chat ein paar Fragen.

Dabei verteidigte er seine Organisation und wies Vorwürfe zurück. "In den vergangenen vier Jahren hat es keine glaubwürdige Anschuldigung gegeben, dass auch nur eine Person durch unsere Aktivitäten in Schwierigkeiten geraten ist", sagte Assange. Dies gelte auch für "Organisationen wie das Pentagon". Dies widerspreche allen Behauptungen, die man über Wikileaks verbreiten würde.

Der Australier machte deutlich, dass Wikileaks seine Informanten als Helden betrachtet, ohne deren Einsatz Journalisten unbedeutend wären. "Wenn es wahr ist – wie das Pentagon behauptet –, dass Bradley Manning hinter einigen unserer Enthüllungen steckt, dann ist er ohne Zweifel ein beispielloser Held", sagte Assange über den US-Soldaten, dem vorgeworfen wird, die Internetplattform mit brisanten internen Informationen über den Afghanistan- und Irakkrieg versorgt zu haben, und der deshalb seit Mai in den USA in Haft ist.

Zu seiner eigenen Rolle schrieb Assange: "Auch wenn ich noch schreibe, recherchiere und untersuche, ist meine Rolle vor allem die eines Herausgebers und Chefredakteurs, der organisiert und andere Journalisten anleitet." Im Übrigen sei es müßig, darüber zu diskutieren, ob er ein Journalist sei, oder ob die Leute, sobald sie für Wikileaks anfangen zu arbeiten, dann automatisch aufhören würden, Journalisten zu sein.

Angesprochen auf die Rolle, die Wikileaks nun spielt, machte Assange deutlich, dass er immer daran geglaubt habe, dass eine solche Plattform weltweit für Aufsehen sorgen würde. Dies sei auch deshalb möglich, so beantwortete er eine Frage nach der "zweiten Reihe" hinter der Wikileaks-Führungsriege, dass Dokumente wie jene aus dem diplomatischen Dienst der USA an mehr als 100.000 Personen verschlüsselt übermittelt worden seien. "Wenn uns etwas passiert, dann werden sie automatisch veröffentlicht." Darüber hinaus sei der Fundus an Informationen auch im Besitz großer Nachrichtenorganisationen. "Die Geschichte wird gewinnen. Die Welt wird ein besserer Ort werden. Werden wir überleben? Das hängt von euch ab", sprach Assange die Leser des Chats direkt an.

Als interessant bezeichnete er die Frage, warum er überhaupt an die Öffentlichkeit getreten sei, so Wikileaks ein Gesicht gegeben, die Plattform aber auch angreifbar gemacht habe. Assange räumte ein, dass er ursprünglich versucht habe, die Organisation nicht zu personalisieren, "da ich vermeiden wollte, dass Egoismen eine Rolle in unseren Aktivitäten spielen". Doch am Ende müsse jemand die Verantwortung in der Öffentlichkeit übernehmen. "Und nur ein Führungsstil, der selbst mutig an die Öffentlichkeit tritt, kann dafür einstehen, dass Quellen für ein größeres Gut Risiken eingehen."

Assange antwortete auch auf die Frage, ob Wikileaks Informationen zu außerirdischem Leben oder Ufos gesammelt habe. Die meisten solcher Dokumente, so der 39-Jährige, entsprächen nicht den Standards seiner Organisation und würden deshalb nicht enthüllt werden. Dennoch gebe es in bislang noch unveröffentlichten Teilen der Diplomaten-Depeschen auch Stellen über Ufos.

Assange gilt als das Gesicht von Wikileaks, sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Medienberichten zufolge versteckt er sich in England. Wegen Vorwürfen der Vergewaltigung und der sexuellen Belästigung hat Schweden Heftbefehl erlassen; er wird nun international gesucht. In vielen Staaten, die durch die Wikileaks-Veröffentlichungen in Verlegenheit gebracht wurden, gilt Assange inzwischen als Verräter. Der frühere Kandidat der Republikaner während der Nominierung zur Präsidentschaftswahl, Mike Huckabee, sagte, die Verantwortlichen in der US-Administration für das Datenleck müssten hingerichtet werden. Die Repräsentantin der Tea-Party-Bewegung, Sarah Palin, will, dass der Wikileaks-Gründer als Terrorist verfolgt wird.