Wikileaks-ChefDie Frau, die Assange jagt

Keine internationale Verschwörung, sondern eine übereifrige schwedische Staatsanwältin hat zur Verhaftung von Wikileaks-Chef Assange geführt. von 

Julian Assange, Wikileaks

In Großbritannien verhaftet: Wikileaks-Chef Julian Assange  |  © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Vieles ist unklar im Fall Julian Assange. Doch eines ist so gut wie sicher: Der Wikileaks-Chef wird wohl nach Schweden ausgeliefert, auch wenn sein Anwalt dagegen Einspruch erhob. Darauf deuten die intensiven Gespräche zwischen schwedischen und britischen Behörden im Vorfeld von Assanges Verhaftung hin.

In Schweden wird derweil heftig darüber debattiert, ob das harte Vorgehen der Staatsanwaltschaft gegen Assange richtig ist. Denn nicht eine internationale Verschwörung von Geheimdiensten, sondern eine übereifrige Staatsanwältin gilt als wesentlicher Grund für die Verhaftung. Inzwischen zweifelt sogar eine Vereinigung junger feministischer Frauen innerhalb der Sozialdemokratischen Partei an der Ernsthaftigkeit der Anschuldigungen und der Professionalität der Staatsanwaltschaft. Das ist insofern bemerkenswert, weil Assanges vermeintliches Vergewaltigungsopfer aus den Reihen dieser Gruppe stammt.

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Selbst innerhalb dieser Gruppe geht man nun davon aus, dass sich die Anklage allein darauf stützte, dass Assange gegen den Willen seiner Sexpartnerin kein Kondom benutzt haben soll. Diese Behauptungen sind allerdings nicht offiziell bestätigt. Sie würden allerdings zum Gebaren der schwedischen Justiz im Fall Assange passen:

Es begann im vergangenen August, als die Anzeigen gegen Assange bei der schwedischen Polizei eingingen. Zunächst entschied die Staatsanwaltschaft, keine Anklage zu erheben. Dann gab es einen Personalwechsel. Eine neue Anklägerin, Marianne Ny, nahm sich des Falles an, distanzierte sich vom vorherigen Beschluss und erhob Anklage wegen Vergewaltigung.

Im schwedischen Rechtssystem sind die Grenzen zur Verbrechensrubrizierung "Vergewaltigung" deutlich niedriger angesetzt, als in den meisten anderen EU-Staaten. Marianne Ny gilt darüber hinaus als besonders weitgehende Staatsanwältin. So hatte sie sich einst in einem Fall von Frauenmisshandlung dafür ausgesprochen, dass Männer, die von Frauen beschuldigt werden, aber nicht verurteilt sind, in jedem Fall vorsorglich eingesperrt werden müssten – um der Frau "Raum zum Nachdenken" zu verschaffen. "Erst wenn der Mann gefangen genommen ist und die Frau in aller Ruhe Zeit bekommt, mit etwas Abstand auf ihr Dasein zu blicken, bekommt sie die Chance zu entdecken, wie sie behandelt wurde", sagte sie damals.

Leserkommentare
    • NoG
    • 07. Dezember 2010 18:31 Uhr

    erst stimmt die komplette medienlandschaft das lied des auf der flucht befindlichen vergewaltigers an und nachdem er gefasst wird/ sich selber gestellt hat, wird informiert.

    und jetzt duerfen alle mal raten, was in der breiten bevoelkerung haengen bleibt.

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    • 13hof
    • 07. Dezember 2010 19:46 Uhr

    Aber ist das nicht immer so. Außerdem ist die Frage auch immer wie es publiziert wird und was die masse der Medien verkaufen wollen.

    Bedenke man, als man zu Olympia große aufstände gemacht hat, als, für alle öffentlich gemacht wurde, dass China Seiten sperrt und von dem Wort Pressefreiheit nichts wusste.
    wir waren es die sich am meisten darüber aufgeregt hatten. was machen unsere Politiker sie sperren wenn es um vertrauliche Informationen geht die Server.

    Natürlich ist es wichtig, dass wir erfahren wie hinter unserer Rücken gefuscht wird. Aber ist dieses Ausmaß für unsere Welt gesund?

    Sind wir bald an dem Punkt angelangt wo das Internet oder gar das Rechtssystem zusammenbricht, weil zu viel schieß gegangen ist oder man zu viel hinter verschlossenen Türen hält?

    Wem kann man da noch trauen?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Kommentieren Sie bitte sachlich. Die Redaktion/cs

    • clubby
    • 08. Dezember 2010 0:45 Uhr

    dringenst reformiert werden.
    Es kann so in unseren demokratischen Systemen mit dieser Art von Journalismus einfach nicht weitergehen.
    Da ist was grundsätzlich im System verkehrt!

    Völlig richtig beobachtet. So funkitioniert aber leider die Medienberichterstattung nun mal. Es gibt genügend Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, eines wie die Berichterstattung über die Zusammensetzung der 1. Reisegruppe von BAM Westerwelle. Kleinlaut räumte die Berlin-Korrepondentin eines wegen seiner ausgewogenen Berichterstattung bekannten Mediums, des DLF, ein, dass viel Wind um nichts gemacht wurde.
    Eine derart "aufklärende" Berichterstattung die die hier zu Assange wünschte man sich von Zeit Online auch zu anderen politischen Themen, z.B. zur FDP. Leider beugen Sie sich da der Meinung Ihrer sich hier auf bahr jeder Contenance und mit Vorschlägen jenseits bestehender Rechtsnormen äußernden Leserschaft. Zeit Online als rechtsfreier Raum. Wie schön, dass ein bürgerliches Organ wie die Zeit seinen Namen dafür hergibt ... ;-)

    ..... Frau in aller Ruhe Zeit bekommt, mit etwas Abstand auf ihr Dasein zu blicken, bekommt sie die Chance zu entdecken, wie sie behandelt wurde", bitte noch das Wort 'wurde', mit 'hat' ersetzen und ne Kleine Pause in einer kuscheligen Zelle machen.

    • fanta4
    • 07. Dezember 2010 18:31 Uhr

    Das ist nicht rechtsstaatlich, sondern pure Willkür!

    Die Staatsanwältin gehört für ihr Verhalten zur Verantwortung gezogen.

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    • keox
    • 07. Dezember 2010 19:24 Uhr

    Die Intervention der US in die Politik - hier: der Justiz - formal unabhängiger Staaten ist natürlich ein Skandal.

    Andererseits, es wäre mehr als blauäugig, der schwedischen Hochfinanz nun so gänzlich andere Interessen zu unterstellen als dem Hegenon.

    Natürlich, man konkurriert, das ist bei gleichen Zielen unausweichlich,

    aber bei der Frage, ob es so ein dahergelaufener Wicht es wagen dürfe, die Mechanismen der Macht auch nur annähernd in Frage zu stellen,

    Da ist man solidarisch.

    Der Kerl - und seine Idee - muß weg.

    Egal wie.

    • joG
    • 08. Dezember 2010 11:47 Uhr

    ....Artikel aufgehetzt? Spüren Sie nun Hass gegenüber der Staatsanwältin. Vielleicht sollte man sie verjagen aus der Stadt; verbrennen. Früher hätte der verhetzte Mob das getan. Vorgestern waren es die zwei Frauen, die logen. Gestern waren es meist die Amis, die verdächtigt wurden Assange ungerecht zu verfolgen. Also ich glaube, da sollte man abwarten und Zeitungen lesen, die wenigstens versuchen ausgewogen zu berichten.

  1. 3. Danke

    Vielen Dank für diesen interessanten Hintergrundartikel!

    • Anay
    • 07. Dezember 2010 18:33 Uhr

    Es gab vor ein paar Monaten ein US-Radio-Interview mit der Ny (oder ihrer Assistentin?) – vor Assanges Ausreise –, und auf die Frage, ob es denn überhaupt Beweise gäbe, die die Anklage rechtfertigen, konnte sie nichts konkretes angeben. Es wurde nachgebohrt, und sie gab zu, dass es keine Anhaltspunkte für Vergewaltigung gibt. Trotzdem solle (aus nicht genannten Gründen) die Anklage aufrechterhalten werden. Das muss man sich mal vorstellen! Die Strafverfolgung gibt zu, dass es keine Beweise gibt, will aber die Anklage nicht fallenlassen. Ein paar Tage später wurde das Verfahren dann doch zu den Akten gelegt… erst einmal. Hängengeblieben ist bei mir aber das Rumgeeiere dieser Staatsanwältin, als sie in die Enge gedrängt wurde. Ich frage mich, was für unglaublich stichhaltige Beweise seitdem aufgetaucht sind. :)

  2. das Drehbuch wäre allerdings wegen Unglaubwürdigkeit abgelehnt worden. Frau Ny (Name klingt wie aus einem Monty Pythons Film) hat bestimmt keinen Anruf bekommen in den letzten Monaten? "Wir machen Ihnen einen Vorschlag, den Sie nicht ablehnen können..."

    Bitte bemühen Sie sich um einen konstruktiven, artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv

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    • Matths
    • 07. Dezember 2010 18:45 Uhr

    .... ich freu mich auch schon auf den Film.

    dass dieses geschichtliche Kapitel demnächst verfilmt wird - egal ob dies eher in Richtung Monty Python (die wenn auch unfreiwillige Komik an der Sache) oder Francis Ford Coppola (das gebrachtete Zitat) geht.

    Wenn ich die Kapazitäten hätte, würde ich die sehr erfolgreiche Youtube-Serie The annoying Orange parodieren ("The annoying Assange"). Dabei wären es halt nicht Obst und Gemüse, sondern Weltpolitiker, die Enthüllungen in den Wahnsinn getrieben würden.

  3. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv

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    • Matths
    • 07. Dezember 2010 18:45 Uhr

    rhetorisch provoziert das ein "Guten Appetit"...

    • joG
    • 08. Dezember 2010 11:49 Uhr

    ....Menschen, die die Welt nicht verstehen und daher glauben, eine Verschwörungstheorie würde sie nicht als Dumköpfe entlarven.

  4. In jedem Fall sollte eine andere Staatsanwaltschaft den Fall Assange übernehmen. Die Dame scheint Frauenrechtlerin zu sein und reagiert unangemessen.
    Es hätte mich gewundert, wenn die USA dahinter stecken, deren Geheimdienste haben andere Mittel um Herrn Assange zum Schweigen zu bringen.

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    • Buh
    • 07. Dezember 2010 19:32 Uhr

    ...ne ganz üble Männerfresserin, wie alle Weiber,stimmts?

    Könnt ihr Kerle mal aufhören in dieses Horn zu blasen? Im Artikel steht doch, dass sogar viele Feministinnen und Feministen diesen Vorwurf als konstruiert betrachten.

    Diese übereifrige Anwältin muss nicht aus feministischen Motiven handeln, und wenn, dann sollte man das hier nicht verallgemeinern.

  5. dass man nichts stichhaltiges über ihre Existenz sagen kann (egal, ob man sie, wie der Autor, dementiert, oder ob man sie, wie Assange und viele andere annimmt), bis tatsächliche Beiweise, etwa in From veröffentlichter Depeschen, vorliegen.

    Dennoch ein sehr guter Artikel. Er zeigt deutlich auf, dass die Schweden gut daran täten bestimmte Gesetzesregelungen zu hinterfragen und dass Frau Ny nicht nur wegen ihrer amtlich ausgelebten Misandrie, sondern auch wegen ihrer inkonsistenten Arbeitsweise eine Fehlbesetzung für ihren Posten darstellt.

    An die Sozialdemokratinnen: ein Dank für euer Engagement.

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  • Schlagworte Julian Assange | Medien | Kondom | Schweden | Verhaftung | Anzeige
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