Operation PaybackHacker nehmen Rache für Wikileaks

Mastercard, Paypal - Firmen, die Wikileaks gekündigt hatten, werden im Netz angegriffen. Man werde die Seite nicht kampflos aufgeben, lautet die Botschaft der Hacker. von dpa , AFP und Reuters

Ein Pro-Wikileaks-Demonstrant mit einer Julian-Assange-Maske

Ein Pro-Wikileaks-Demonstrant mit einer Julian-Assange-Maske  |  © Carl de Souza/AFP/Getty Images

Die Festnahme des Wikileaks-Gründers Julian Assange ruft Gegenattacken von Hackern hervor, die als Anhänger der Enthüllungsplattform gelten. Ihr neuer Coup ist die Blockade der Website des US-Kreditkartenkonzerns Mastercard , der wie die Konkurrenz von Visa die Überweisung von Spenden an Wikileaks gestoppt hatte. Sowohl der internationale Webauftritt mastercard.com als auch die deutsche Website des Unternehmens waren zunächst nicht mehr erreichbar.

Zu dem Angriff bekannte sich die sogenannte Anonymous-Bewegung , die bereits 2008 mit Protestaktionen gegen die Organisation Scientology bekannt geworden war. Sie bezeichnete die Aktion als Operation Payback – Rache – und sprach von einer andauernden Kampagne gegen "freiheitsfeindliche Organisationen".

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Ein mutmaßliches Mitglied, das sich Coldblood nannte, sagte dem britischen Guardian , man werde die Seite nicht kampflos untergehen lassen. "Wenn wir Wikileaks ohne Kampf verschwinden lassen, denken Regierungen, sie könnten jede Seite, die ihnen nicht gefällt, schließen."

Anonymous ist im Internet vor allem ein Meme – ein stehender Begriff für die Möglichkeit, im Internet seine Meinung zu sagen, ohne seine Identität preisgeben zu müssen. Außerdem bezeichnet sich so eine lose Gruppe, die wohl einst im Messageboard 4chan entstand und mit Angriffen auf Server gegen Zensur im Internet protestiert. So war aufgrund ihrer Netzsperrpläne auch schon die australische Regierung Ziel solcher Attacken .

Auch andere ehemalige Finanzpartner von Wikileaks wurden nun Opfer von Hacker-Angriffen. Darunter ist das US-Internet-Bezahlsystem Paypal. Das Tochterunternehmen des Auktionsportals Ebay hatte sich ebenfalls geweigert, neue Online-Spenden von Wikileaks-Unterstützern weiterzuleiten, nachdem die Plattform geheime Dokumente des US-Außenministeriums veröffentlicht hatte.

Beobachter gehen davon aus, dass die US-Firmen von Seiten der Regierung vehement unter Druck gesetzt wurden, ihre Dienste für Wikileaks einzustellen. Paypal beispielsweise erklärte , man habe nach einem Brief der US-Regierung das Konto gesperrt.

Auch die Schweizer Postbank, die Anfang der Woche ein Konto von Assange gesperrt hatte, war Ziel einer Cyber-Attacke. Die Website sei seit Montag massenhaft mit sinnlosen Anfragen bombardiert worden, um sie zu blockieren, sagte ein Sprecher der Post-Tochter. Hierzu aufgerufen hatte unter anderem eine Gruppe namens Anon_Operation – ebenfalls unter dem Motto Operation Payback . Als nächstes Ziel kündigte sie die Seite von Visa an.

Leserkommentare
  1. Hallo, hier ist ein Tippfehler:

    die den Australier zu Sex gezwungen haben soll.

    es muss natürlich "sollen" heißen, denn die ZWEI Frauen waren ja keine Einzeltäter :D

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    Redaktion

    Was ein falscher Buchstabe an Sinnverdrehung anrichten kann... Wir haben den Fehler korrigiert. Dankeschön!

  2. Da, wo der Staat nicht mehr der Garant für Recht und Freiheit ist, so wie im Fall der USA und Schweden, haben Gruppierungen wie Anonymus mein volles Verständnis. Die Welt darf nicht in so totalitären Verhältnissen enden wie sie uns immer heftiger von der Guantanamo Welt da drüben jenseits des Ozean vorgeführt werden.

    Eine Leserempfehlung
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    • sestak6
    • 08. Dezember 2010 16:38 Uhr

    Zur Zeit habe ich das Gefühl, das Rechte, für die unsere Vorfahren zu hunderttausenden gestorben sind, wieder verloren gehen. Wie die USA die ganze Welt behandelt, und ziemlich sicher zig Firmen und Länder unter druck setzt, ist einfach peinlich. Wenn ein solcher Fall bewiesen werden kann(Manager der Firmen Aussagen machen) sollte eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte gestartet werden!

  3. jeder nimmt die Waffen und Mittel die zur Verfügung stehen. Wärend die einen das Militär, die Banken, die Medien, das Internet kontrollieren und um das nicht zu vergessen auch Informationen, kontrollieren die anderen die Technik auf welche Art und Weise auch immer...

    Da ja die Standardmittel um Aufmerksamkeit zu erhalten und im besten Fall auch Dialoge herbeiführen sollten meist nicht's nützen bleibt wohl nur, die Alternativen Formen der Unzufriedenheit auszuloten.

    Nicht immer legal, aber das ist in den besten Kriegen schon mal vorgekommen. Erinnert man sich wieviele Vereinbarungen durch legale Kriege verletzt wurden... Man drückt das dann mit Verniedlichungen wie "Kollaterschaden" aus.

    David und Goliath... die Situation ist also Historisch gewachsen und keinesfalls neu.

    • Haunebu
    • 08. Dezember 2010 15:59 Uhr

    kann hier die ganze verfolgen:

    http://anonops.net/anonop...

    manschmal geht es nicht..man kommt in die chatroom nicht rein...manschmal aber schon..

  4. 5. ~ 1289

    Nun, das hatte ich ja voraus gesehen. Es erfüllt mich mit Freude, dass es noch ein paar aufrechte Kämpfer für Freiheit und Wahrheit gibt, die Sanktionen ausüben können. Sollte Assange an die USA ausgeliefert werden, dürften die Aktionen eskalieren. Das war aber das, was die USA beständig sagten. Sie zeichneten den cyber-war als neuen Kriegsschauplatz und beschäftigen selbst die größte Zusammenkunft von hackern zum eigenen Schutz. Dagegen war es Unfug, diese "Bedrohung" stets in einem Kontext mit islamischen Terroristen zu stellen. Meine Behauptung war stets, dass dies die US-Dienststellen so auch nicht sehen. Das Bild rundet sich nur. Eine gewisse Oligarchie, weltweit, will weiterhin unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit zu ihren eigenen Gunsten agieren. Wikileaks ist da eine Bedrohung, wie natürlich auch hacker, die in die Systeme eindringen könnten. Also macht man Druck und bricht vielleicht einen weltweiten Krieg vom Zaun. Denn wenn diese Attacken und Gegenattacken ausufern, sind allerlei Systeme betroffen, die für unser Leben von großer Bedeutung sind. Noch aber vertraue ich den Hackern mehr als etwa dem US-Militär, das zwar gerne von chirurgischer Präzion spricht, wenn es um ihre Aktionen geht, dies aber nie unter Beweis stellt - die hacker tun das schon. Sie reagieren bei denen und nur bei denen, die sich dem Druck der US-Mächtigen beugten.

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    Sie schrieben:

    > "Eine gewisse Oligarchie, weltweit, will weiterhin
    > unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit zu
    > ihren eigenen Gunsten agieren."

    Da kann ich ihnen nur zustimmen. Auch das neueste veröffentlichte Kabel gibt Ihnen recht: Darin gibt Shell zu, daß sie alle "Schlüsselministerien" in Nigeria unterwandert haben:

    http://www.guardian.co.uk...

    Leider werden die wirklich brisanten Kabel nur in der englischsprachigen Presse wirklich behandelt, unsere "freie" deutsche Presse amüsiert sich immer noch über "Teflon-Angie" und Konsorten.

    • Laoyafo
    • 09. Dezember 2010 10:07 Uhr

    Wo war die chirurgische Präzision, als es galt, das Vaterland vor der Bedrohung durch die Flugzeuge des 11. September zu schützen? Zwischen den Einschlägen war so viel Zeit, daß es auch für eine Bürgerwehr gereicht hätte.

    • Gerry10
    • 08. Dezember 2010 16:01 Uhr

    "Widerstand ist kein Recht; er ist eine Pflicht, jedem Menschen mitgegeben"

    Heinrich Böll
    (21.12.1917 - 16.07.1985)

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    Widerstand anzumelden ist kriegsnah, denke ich. Ich glaube nicht, dass "we, the people" uns hier einen Krieg erlauben können. Irgendwelche Anonymen regieren die Netzwelt ? Ist das demokratisch ? Mich interessiert nicht, gegen was gekämpft wird, sondern dass der Kampf für einige die einzige Möglichkeit ist. Dieselben Menschen haben wahrscheinlich mal schwülstig über Gandhi geredet. Mit was für Bevölkerungsgruppen, die sowas befürworten, lebe ich zusammen ? Direkte Demokratie ist unvorstellbar. Neun von zehn können nicht bis zehn zählen, glaube ich.

  5. jeder nimmt die Waffen und Mittel die zur Verfügung stehen. Wärend die einen das Militär, die Banken, die Medien, das Internet kontrollieren und um das nicht zu vergessen auch Informationen, kontrollieren die anderen die Technik auf welche Art und Weise auch immer...

    Da ja die Standardmittel um Aufmerksamkeit zu erhalten und im besten Fall auch Dialoge herbeiführen sollten meist nicht's nützen bleibt wohl nur, die Alternativen Formen der Unzufriedenheit auszuloten.

    Nicht immer legal, aber das ist in den besten Kriegen schon mal vorgekommen. Erinnert man sich wieviele Vereinbarungen durch legale Kriege verletzt wurden... Man drückt das dann mit Verniedlichungen wie "Kollaterschaden" aus.

    David und Goliath... die Situation ist also Historisch gewachsen und keinesfalls neu.

  6. Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ft

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  • Schlagworte Hacker | Amazon | Ebay | Finanzdienstleister | IP-Adresse | Internet
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