Terroranschlag Die Bedrohung erreicht eine neue Dimension

Der Graben zwischen Muslimen und Christen in Ägypten wird größer – und schafft Raum für gewalttätige Fanatiker. Eine Einschätzung von Martin Gehlen aus Kairo

Der koptische Papst 	Shenouda, 86, inmitten von Geistlichen in der Markus-Kathedrale in Kairo

Der koptische Papst Shenouda, 86, inmitten von Geistlichen in der Markus-Kathedrale in Kairo

Das neue Jahr war gerade 30 Minuten alt, als der koptischen Kirche bereits die Stunde schlug. Wenige Tage vor dem orthodoxen Weihnachten am 6. Januar machten Terroristen aus ihren Drohungen blutigen Ernst – mit einer Horrortat, wie es sie in der jüngeren Geschichte Ägyptens noch nicht gegeben hat.

21 Menschen, die gerade aus der Mitternachtsmesse kamen, riss ein Selbstmordattentäter mit in den Tod. Dutzende Schwerverletzte werden für ihr Leben gezeichnet bleiben. Nach den Gläubigen im Zweistromland Irak steht nun auch die Jahrtausende alte orthodoxe Kirche entlang des Nils im Visier selbsternannter Gotteskrieger.

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Mit ihren Verbrechen im Namen Allahs wollen sie vorhandene Spannungen zwischen den religiösen Volksgruppen anheizen, um diese in einen offenen Kampf gegeneinander zu treiben und ihre Staaten bis ins Mark zu erschüttern. In Ägypten könnte diese zynische Rechnung schon bald aufgehen, sollten etwa am kommenden Heiligen Abend auch noch Schüsse auf Weihnachtsgemeinden fallen.

Ohne Zweifel, die Reibereien zwischen Muslimen und Christen in Ägypten haben in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Beide Seiten werden immer reizbarer. Noch vor kurzem völlig undenkbar – inzwischen skandieren Muslime regelmäßig nach Freitagsgebeten anti-christliche Parolen. Selbst in der großen Moschee neben der Kairoer Markus-Kathedrale des koptischen Papstes gehört diese aggressive Praxis inzwischen zum wöchentlichen Ritual.

Und so fühlen sich die Christen als religiöse Minderheit zunehmend bedrängt und im Staat als Bürger zweiter Klasse behandelt – von den Behörden diskriminiert sowie bei der Besetzung führender Ämter in Politik, Wissenschaft und Verwaltung übergangen. Bei der Genehmigung von neuen Kirchenbauten gibt es immer wieder Krach, wie zuletzt in Kairo, als bei Straßenschlachten mit der Polizei zwei Demonstranten durch Kugeln der Ordnungshüter starben.

Wer in Ägypten eine Kirche plant, hat bürokratische Geisterbahnen zu meistern. Moscheen dagegen gibt es mit 93.000 mehr als genug, während die Zahl der Kirchen bei etwa 2000 stagniert. Umgekehrt beklagen aufgeklärte Kopten aber auch Bunkermentalität, Dogmatismus und geistige Militanz in den eigene Reihen, die sich unter dem 39-jährigen Pontifikat des greisen Oberhauptes Shenouda III. breit gemacht haben.

Leser-Kommentare
  1. sie sind aus geblieben!
    Macht doch nichts? Von westlichen Journalisten braucht man nicht viel zu erwarten, wenn es um die Situation in den arabischen Ländern und Umgebung geht. Sie erfüllen auch nur einen Zweck.
    Von daher, ob Iraq, Iran, Tunesien oder Ägypten; Westliche Journalisten! Nein Danke!

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    Ich konnte Ihrem Gedankengang nicht folgen.
    Ärgern Sie sich über den Artikel, weil er Missstände beschreibt?

    Wie auch immer.
    Wen das Thema besonders interessiert, hier ist ein passender Blog auf Deutsch: http://koptisch.wordpress...
    ("Kopten ohne Grenzen")

    Zum Artikel:
    Das ist sehr bitter, aber ich war schon seit längerem darüber informiert.
    Viele Lösungswege gibts ja nicht:
    1. Alle Kopten bzw. Nicht-Muslime verlassen Ägypten
    2. Der Islam erfährt eine Reform
    3. ?

    Mir fällt leider nicht besonders viel ein. Vielleicht fällt jemanden etwas besseres ein?

    • dacapo
    • 02.01.2011 um 13:32 Uhr

    ......Ehren, aber welche Journalisten schneiden nach Ihrer Beurteilung besser ab?

    • dacapo
    • 02.01.2011 um 13:37 Uhr

    Sie sprechen von den arabischen Völkern, die keine Freunde haben, wie Sie darstellen. Aber es wird doch über etwas ganz anderes in diesem Artikel berichtet. Es wird doch über die Feindschaft der Religionen in einem Staatsgebilde geredet. Was die Freundschaft zwischen den Völkern angeht, dann wissen Sie doch ganz genau, dass es mit der Freundschaft zwischen den arabischen Ländern nicht zum Besten steht. Man hält nur bei Angriffen von "außen" zusammen. Das ist doch eine bisschen dürftig, oder?

    Ich konnte Ihrem Gedankengang nicht folgen.
    Ärgern Sie sich über den Artikel, weil er Missstände beschreibt?

    Wie auch immer.
    Wen das Thema besonders interessiert, hier ist ein passender Blog auf Deutsch: http://koptisch.wordpress...
    ("Kopten ohne Grenzen")

    Zum Artikel:
    Das ist sehr bitter, aber ich war schon seit längerem darüber informiert.
    Viele Lösungswege gibts ja nicht:
    1. Alle Kopten bzw. Nicht-Muslime verlassen Ägypten
    2. Der Islam erfährt eine Reform
    3. ?

    Mir fällt leider nicht besonders viel ein. Vielleicht fällt jemanden etwas besseres ein?

    • dacapo
    • 02.01.2011 um 13:32 Uhr

    ......Ehren, aber welche Journalisten schneiden nach Ihrer Beurteilung besser ab?

    • dacapo
    • 02.01.2011 um 13:37 Uhr

    Sie sprechen von den arabischen Völkern, die keine Freunde haben, wie Sie darstellen. Aber es wird doch über etwas ganz anderes in diesem Artikel berichtet. Es wird doch über die Feindschaft der Religionen in einem Staatsgebilde geredet. Was die Freundschaft zwischen den Völkern angeht, dann wissen Sie doch ganz genau, dass es mit der Freundschaft zwischen den arabischen Ländern nicht zum Besten steht. Man hält nur bei Angriffen von "außen" zusammen. Das ist doch eine bisschen dürftig, oder?

  2. Man hat zwar etwas Mühe, den Gang Ihrer Gedanken nachzuvollziehen, aber die "bottom line" kommt schon noch rüber: westliche Journalisten sind gaga! Vielen Dank für diese innige Beileidsbekundung angesichts der Terrormorde an ägyptischen Christen! Jetzt wissen wir also einmal mehr Bescheid, darüber, was das Problem ist: westliche Journalisten. Alles klar.

    12 Leser-Empfehlungen
  3. in Ägypten. Es gibt staatliche Diskriminierung und gesellschaftliche Ausgrenzung von Christen durch die muslimisch geprägte Mehrheitsgesellschaft. Dazu kommen reglemäßig stattfindende Übergriffe auf Kopten und deren Eigentum mit Toten. «Christenverfolgung» ist das hierfür passende Wort, nicht «Spannungen».

    33 Leser-Empfehlungen
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    benutzt der Autor die Formulierung "Reibereien zwischen Muslimen und Christen ..." - «Christenverfolgung», dies ist wohl der angemessene Ausdruck, da stimme ich Ihnen völlig zu!

    benutzt der Autor die Formulierung "Reibereien zwischen Muslimen und Christen ..." - «Christenverfolgung», dies ist wohl der angemessene Ausdruck, da stimme ich Ihnen völlig zu!

  4. Ich konnte Ihrem Gedankengang nicht folgen.
    Ärgern Sie sich über den Artikel, weil er Missstände beschreibt?

    Wie auch immer.
    Wen das Thema besonders interessiert, hier ist ein passender Blog auf Deutsch: http://koptisch.wordpress...
    ("Kopten ohne Grenzen")

    Zum Artikel:
    Das ist sehr bitter, aber ich war schon seit längerem darüber informiert.
    Viele Lösungswege gibts ja nicht:
    1. Alle Kopten bzw. Nicht-Muslime verlassen Ägypten
    2. Der Islam erfährt eine Reform
    3. ?

    Mir fällt leider nicht besonders viel ein. Vielleicht fällt jemanden etwas besseres ein?

    • grrzt
    • 02.01.2011 um 12:41 Uhr

    "Die Bedrohung erreicht eine neue Dimension", schon die Überschrift ist schiere Meinungsmache. Die "Dimension" ist nicht "neuer" als die Tatsache, dass Schiiten Sunniten (und vice versa), in Irland Katholen die Evangelen (und vv) in Indien Hindus die Moslems (und vv etc.pp)in die Luft sprengen. "Wer in Ägypten eine Kirche plant, hat bürokratische Geisterbahnen zu meistern....."; mir kommen die Tränen: Immerhin deuten sie einen Zusammenhang mit der "geistigen Enge" der Kopten
    an. Darüber hätt ich gern mehr erfahren, statt den Leser auf ein Täter-Opfer-Schmea - Arme Christen böse Moslems - zu fixieren.

    Bitte kehren Sie zu einer sachlichen Diskussion zurück. Danke. Die Redaktion/er

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    Sie sollten sich ihre Demagogie für den pseudolinken Stammtisch sparen!

    • cuxa59
    • 02.01.2011 um 16:06 Uhr

    die sich zumindest schonmal nicht in Bombenterror gegen Muslime ausdrückt, dürfen koptische Christen einfoch so zerfetzt werden? Kopfschüttel

    Sie sollten sich ihre Demagogie für den pseudolinken Stammtisch sparen!

    • cuxa59
    • 02.01.2011 um 16:06 Uhr

    die sich zumindest schonmal nicht in Bombenterror gegen Muslime ausdrückt, dürfen koptische Christen einfoch so zerfetzt werden? Kopfschüttel

  5. Da gab es vor kurzem obigen Artikel in der Zeit, heftig kritisiert von den Verteidigern des rechten Glaubens , der über die Islamschulen in Alexandria berichtete.
    Es ist bemerkenswert, dass die Kopten ( als Teil des ägyptischen Volkes ) trotz aller Verfolgungen in den letzten 1400 Jahren Ihrer Religion treu geblieben sind.
    Daran werden diese unbedeutenden Attentate nichts ändern, eher weiter zusammenschweissen.
    Was Mubarak sagt, ok, Was sagen aber die Imane in den Moscheen , verkünden die , dass die Attentäter in die Hölle kommen ?

  6. Damit es so richtig passt in die Denkschablonen mancher wohlinformierten Westler?

    Mein herzliches Beileid den ägyptischen, irakishen, tunesischen und allen arabischen Völkern. Sie haben keine richtigen Freunde!

    Eine Leser-Empfehlung
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    Hallo Palistine66,
    .
    gern würde ich nachvollziehen, was Sie bewegt. Was sind die falschen westlichen Denkschablonen? Was machen westliche Journalisten falsch? Wie geht das aus dem Artikel hervor?
    .
    Aber solange Sie das nicht klar schreiben, kann ich's auch nicht verstehen.

    Es ist doch scheißegal welcher Glaubensrichtungen Du an sprichst, es sind MENSCHEN die friedfertig sind und da hat Gewalt nichts verloren.
    Hat Gott Gewalt gepredigt?
    Jeder Mensch der durch Terror stirbt ist ein Menschen zuviel!!!! Egal wo auf der Welt.
    Terror wird nie Frieden schaffen, Dialoge schon.

    Es hat einen Anschlag gegeben in einem islamischen Land.
    Täter sind Muslime.
    Opfer sind Angehörige einer christlichen Minderheit.

    Soll da nicht drüber berichtet werden?
    Stehen Lügen im Artikel?

    Sie beklagen eine mangelnde Freundschaft gegenüber arabischen Völkern, aber was hat das mit dem Anschlag zu tun?

    Ich würde gern erleben, dass es in islamischen Ländern, wie auch überall,viel mehr Friede, Freiheit, Toleranz und Wohlstand gibt, das niemand verfolgt und unterdrückt wird und wir solche Artikel wie den obigen, nicht zu lesen brauchen.

    Es gibt immer und überall schlimme Vorurteile.
    Noch schlimmer ist es, wenn diese laufend bestätigt werden.

    Im Westen verbreitet sich zunehmend die Erkenntnis, das keine Religion zum Frieden führt, immerhin haben es die Christen in 2000 Jahren ja auch nicht geschafft.
    Der Islam ist möglicherweise nicht Schuld am gewalttätigem Islamismus, aber was bewirkt der Islam, um solche Gewalttätigkeit zu verhindern?
    Dass irgendeine Religion Friede ist, muss gezeigt und bewiesen werden.
    Wer Freunde wünscht, muss sich selber wie ein Freund verhalten.
    Und dazu gehört für islamische und arabische Länder, ganz entschieden für die eigene Toleranz zu sorgen, für Respekt Anders- und Ungläubigen gegenüber und für grundsätzliche Ächtung von Gewalt und Unterdrückung.

    Sie schreiben:"Im Westen verbreitet sich zunehmend die Erkenntnis, das keine Religion zum Frieden führt, immerhin haben es die Christen in 2000 Jahren ja auch nicht geschafft."

    Also da haben Sie mißverstanden.
    Der Westen und Europa machen gewiß nicht "die Religionen" verantwortlich für Unfrieden,sondern allein den Islam genau wie jetzt wieder in Ägypten.

    Hallo Palistine66,
    .
    gern würde ich nachvollziehen, was Sie bewegt. Was sind die falschen westlichen Denkschablonen? Was machen westliche Journalisten falsch? Wie geht das aus dem Artikel hervor?
    .
    Aber solange Sie das nicht klar schreiben, kann ich's auch nicht verstehen.

    Es ist doch scheißegal welcher Glaubensrichtungen Du an sprichst, es sind MENSCHEN die friedfertig sind und da hat Gewalt nichts verloren.
    Hat Gott Gewalt gepredigt?
    Jeder Mensch der durch Terror stirbt ist ein Menschen zuviel!!!! Egal wo auf der Welt.
    Terror wird nie Frieden schaffen, Dialoge schon.

    Es hat einen Anschlag gegeben in einem islamischen Land.
    Täter sind Muslime.
    Opfer sind Angehörige einer christlichen Minderheit.

    Soll da nicht drüber berichtet werden?
    Stehen Lügen im Artikel?

    Sie beklagen eine mangelnde Freundschaft gegenüber arabischen Völkern, aber was hat das mit dem Anschlag zu tun?

    Ich würde gern erleben, dass es in islamischen Ländern, wie auch überall,viel mehr Friede, Freiheit, Toleranz und Wohlstand gibt, das niemand verfolgt und unterdrückt wird und wir solche Artikel wie den obigen, nicht zu lesen brauchen.

    Es gibt immer und überall schlimme Vorurteile.
    Noch schlimmer ist es, wenn diese laufend bestätigt werden.

    Im Westen verbreitet sich zunehmend die Erkenntnis, das keine Religion zum Frieden führt, immerhin haben es die Christen in 2000 Jahren ja auch nicht geschafft.
    Der Islam ist möglicherweise nicht Schuld am gewalttätigem Islamismus, aber was bewirkt der Islam, um solche Gewalttätigkeit zu verhindern?
    Dass irgendeine Religion Friede ist, muss gezeigt und bewiesen werden.
    Wer Freunde wünscht, muss sich selber wie ein Freund verhalten.
    Und dazu gehört für islamische und arabische Länder, ganz entschieden für die eigene Toleranz zu sorgen, für Respekt Anders- und Ungläubigen gegenüber und für grundsätzliche Ächtung von Gewalt und Unterdrückung.

    Sie schreiben:"Im Westen verbreitet sich zunehmend die Erkenntnis, das keine Religion zum Frieden führt, immerhin haben es die Christen in 2000 Jahren ja auch nicht geschafft."

    Also da haben Sie mißverstanden.
    Der Westen und Europa machen gewiß nicht "die Religionen" verantwortlich für Unfrieden,sondern allein den Islam genau wie jetzt wieder in Ägypten.

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