Ägypten Schüsse und Plünderungen in Kairo

In der ägyptischen Hauptstadt ist es zu neuen Unruhen gekommen. Demonstranten attackierten Hotels und befreiten Häftlinge aus Gefängnissen. Schüsse waren zu hören.

Demonstranten in den Straßen Kairos

Demonstranten in den Straßen Kairos

Nach den blutigen Unruhen mit zahlreichen Toten bleibt die Lage in Ägypten extrem angespannt. Augenzeugen zufolge waren am Samstagmorgen an mehreren Stellen in der Stadt Schüsse zu hören. Arabische Fernsehsender berichteten, Einheiten von Polizei und Armee hätten in der Nähe einer Gruppe von Demonstranten Schüsse abgegeben.

Auch die Plünderungen gingen weiter. Randalierer attackierten in der Nacht mehrere Hotels und richteten Zerstörungen an, darunter im bekannten Ramses Hotel. Nach Angaben von Anwohnern stürmten Plünderer zudem an der Ausfallstraße zu den Pyramiden von Gizeh ein Hotel und verwüsteten mehrere nahe gelegene Geschäfte und ein Restaurant. In zwei Stadtvierteln seien aus Polizeiwachen Häftlinge befreit worden.

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An vielen Straßenkreuzungen und vor Behördengebäuden waren am Morgen gepanzerte Fahrzeuge und Panzer der Armee postiert. Die Polizei, die von wütenden Demonstranten am Freitag teils überrannt worden war, zeigte dagegen nur an wenigen Stellen Präsenz. An den Straßen standen ausgebrannte und zerstörte Wracks von Polizeiwagen.

Der öffentliche Nahverkehr in Kairo war am Samstag stark eingeschränkt. Nur wenige Busse verkehrten. Wer nicht unbedingt aus dem Haus musste, blieb zu Hause. Arabische Geschäftsleute verlassen das Land, um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen.

Das Auswärtige Amt hat bislang keine konkreten Hinweise, dass deutsche Staatsbürger von den Unruhen unmittelbar betroffen sind. Die Botschaft in Kairo sei mit Hochdruck darum bemüht, sich ein klares Lagebild zu verschaffen, sagte eine Außenamtssprecherin am Morgen.

Auch in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria kam es zu Unruhen. Dabei starben bereits am Freitag mehr als 20 Menschen, wie der arabische Fernsehsender Al Jazeera berichtete. Reporter des Senders berichteten, dass sie die Leichen gesehen haben.

In Ismailija kam es ebenfalls zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Tausende Hafenarbeiter waren demnach in der Stadt am Suezkanal auf der Straße. Sie protestierten Augenzeugenangaben zufolge dagegen, am Samstag von der Arbeit weggeschickt worden zu sein. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas gegen sie ein.

 
Leser-Kommentare
  1. Mubarak ist nicht gut für Ägypten und deshalb haben die Demonstranten meine Sympathie.

    Ich sehe aber mit Sorge was nach Mubarak kommen könnte. Die ägyptische Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten radikalisiert. Viele Forderungen der Muslim Bruderschaft wurden aufgegriffen und im Sinne eines Sharia-konformen Staats umgesetzt.
    Wenn Mubarak weg ist, fürchte ich dass die radikalen Kräfte die Macht rasch an sich reißen, denn sie haben die dafür notwendige Organisation in der Fläche und loyale Kräfte. Die meisten Forderungen der Muslim Bruderschaft sind gesellschaftlicher Mainstream in Ägypten (über 75% Zustimmungsquote bei Umfragen für Steinigungen bei Ehebruch, Tod für den Abfall vom Islam, Hand abhacken bei Diebstahl). Ich nehme deshalb an, dass viele Ägypter eine Machtübernahme durch die Muslim Bruderschaft oder noch radikalere Kräfte begrüßen werden.

    Der Iran ist ein abschreckendes Beispiel wie eine Diktatur durch eine noch schlechtere Regierungsform ersetzt wurde.

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    Das geht ebenso an tarasenko #4 - vielleicht lesen Sie beide zunächst mal beim wohlinformierten Jörg Lau über die Muslimbruderschaft nach?
    http://blog.zeit.de/joerg...

    'In jeder Nach-Mubarak-Regierung, die nicht eine Militärdiktatur ist, werden die “Brüder”eine Rolle spielen. Bei den letzten einigermaßen offenen Wahlen im Jahr 2005 kamen ihre Kandidaten auf etwa 20 Prozent. Wie viele in freien Wahlen für sie stimmen würden, ist schwer zu sagen, weil ihr Nimbus natürlich auch vom Verbot profitiert.' ...
    'Aber welchen Einfluss die Bruderschaft auf ein neues Ägypten hätte, ist alles andere als ausgemacht. Die jungen Leute, die derzeit die Straßen beherrschen, haben nicht auf die Führung durch die Brüder gewartet, um gegen das Regime vorzugehen. Sie haben sich an den Tunesiern orientiert, die ebenfalls ohne die Islamisten ihren Pharao Ben Ali losgeworden waren.
    Bisher hatte Demokratisierung in der islamischen Welt meist Islamisierung geheißen. Wer weiß, vielleicht ist diese Welle in Tunis gebrochen?'

    Für Ihre Annahmen zum 'gesellschaftlichen Mainstream in Ägypten' wäre ich für eine seriöse Quelle dankbar.

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und differenziert. Danke. Die Redaktion/wg

    Meine Befürchtungen rühren nicht daher, dass es eine Muslimbruderschaft gibt, sondern daher, dass deren Forderungen im gesellschaftlichen Mainstream liegen. Das macht es wahrscheinlich, dass eine Partei in Ägypten diese Positionen bezieht und damit erfolgreich ist.

    Umfrage unter ägyptischen Muslimen:
    - Steinigung bei Ehebruch wird von 82% gutgeheißen
    - Auspeitschen und Hand abschlagen bei Diebstahl von 77%
    - Abfall vom Islam mit dem Tod bestrafen wollen 84%

    Quelle PWE Resarch Center, Juli 2010
    http://mypetjawa.mu.nu/ar...

    Ich würde auch noch so schwarz malen. Ein Blick nach Tunesien zeigt was als Nächstes geschah. Ein Blogger zog ins Parlament. Deswegen bin ich auch der Meinung, die treibende Kraft hinter den Protesten liegt in der Kommunikation zwischen den Menschen mit Hilfe des Internets. Die Abschaltung des Internets ist deswegen auch ein nachzuvollziehender Schritt der ägyptischen Regierung. Dass sie dadurch ihr Land in das Steinzeitinformationszeitalter zurück gebombt haben, steht auf einem anderen Blatt Papier geschrieben.
    http://www.ploync.de/zeit...

    Das geht ebenso an tarasenko #4 - vielleicht lesen Sie beide zunächst mal beim wohlinformierten Jörg Lau über die Muslimbruderschaft nach?
    http://blog.zeit.de/joerg...

    'In jeder Nach-Mubarak-Regierung, die nicht eine Militärdiktatur ist, werden die “Brüder”eine Rolle spielen. Bei den letzten einigermaßen offenen Wahlen im Jahr 2005 kamen ihre Kandidaten auf etwa 20 Prozent. Wie viele in freien Wahlen für sie stimmen würden, ist schwer zu sagen, weil ihr Nimbus natürlich auch vom Verbot profitiert.' ...
    'Aber welchen Einfluss die Bruderschaft auf ein neues Ägypten hätte, ist alles andere als ausgemacht. Die jungen Leute, die derzeit die Straßen beherrschen, haben nicht auf die Führung durch die Brüder gewartet, um gegen das Regime vorzugehen. Sie haben sich an den Tunesiern orientiert, die ebenfalls ohne die Islamisten ihren Pharao Ben Ali losgeworden waren.
    Bisher hatte Demokratisierung in der islamischen Welt meist Islamisierung geheißen. Wer weiß, vielleicht ist diese Welle in Tunis gebrochen?'

    Für Ihre Annahmen zum 'gesellschaftlichen Mainstream in Ägypten' wäre ich für eine seriöse Quelle dankbar.

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und differenziert. Danke. Die Redaktion/wg

    Meine Befürchtungen rühren nicht daher, dass es eine Muslimbruderschaft gibt, sondern daher, dass deren Forderungen im gesellschaftlichen Mainstream liegen. Das macht es wahrscheinlich, dass eine Partei in Ägypten diese Positionen bezieht und damit erfolgreich ist.

    Umfrage unter ägyptischen Muslimen:
    - Steinigung bei Ehebruch wird von 82% gutgeheißen
    - Auspeitschen und Hand abschlagen bei Diebstahl von 77%
    - Abfall vom Islam mit dem Tod bestrafen wollen 84%

    Quelle PWE Resarch Center, Juli 2010
    http://mypetjawa.mu.nu/ar...

    Ich würde auch noch so schwarz malen. Ein Blick nach Tunesien zeigt was als Nächstes geschah. Ein Blogger zog ins Parlament. Deswegen bin ich auch der Meinung, die treibende Kraft hinter den Protesten liegt in der Kommunikation zwischen den Menschen mit Hilfe des Internets. Die Abschaltung des Internets ist deswegen auch ein nachzuvollziehender Schritt der ägyptischen Regierung. Dass sie dadurch ihr Land in das Steinzeitinformationszeitalter zurück gebombt haben, steht auf einem anderen Blatt Papier geschrieben.
    http://www.ploync.de/zeit...

  2. So schrieb mal unser guter Schiller:

    „Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, | wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, | wenn unerträglich wird die Last - greift er | hinauf getrosten Mutes in den Himmel, | und holt herunter seine ew'gen Rechte, | die droben hangen unveräußerlich | und unzerbrechlich wie die Sterne selbst - | Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, | wo Mensch dem Menschen gegenübersteht - Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr | verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben - | Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen | gegen Gewalt

    Es ist nur zu hoffen, dass sie mit dem Mubarak bald fertig werden.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Was fällt einem auf.

    a) Es sind wenige Menschen die da randalieren / demonstrieren, im Verhältnis zu den Einwohnern.

    b) Die Polizei und Armee tut was Mubarak will.

    c) Es gibt Plünderungen und Ausschreitungen.

    Was bedeutet dies für die Mittelschicht (die ja angeblich über das Internet den Aufstand koordiniert)?

    Diese Mittelschicht inklusive der richtig Wohlhabenden bekommen vorgeführt: Schaut hin, dass soll die neue herrschende Klasse werden. Plündern, randalieren, dass ist deren sogenannte Freiheit.

    Die Folge wird sein, dass Mubarak überlebt, als kleineres Übel, vielleicht auch als starker Mann. Man wird sehen.

  4. ist leider in Ägypten sehr unwahrscheinlich. Es wird die Moslembruderschaft ihre besondere, islamische Art von Freiheit durchsetzen.
    Gerade das wird dem Westen deutlich aufzeigen, wo der wirkliche Feind sitzt!
    [...]
    Gekürzt. bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Das geht ebenso an tarasenko #4 - vielleicht lesen Sie beide zunächst mal beim wohlinformierten Jörg Lau über die Muslimbruderschaft nach?
    http://blog.zeit.de/joerg...

    'In jeder Nach-Mubarak-Regierung, die nicht eine Militärdiktatur ist, werden die “Brüder”eine Rolle spielen. Bei den letzten einigermaßen offenen Wahlen im Jahr 2005 kamen ihre Kandidaten auf etwa 20 Prozent. Wie viele in freien Wahlen für sie stimmen würden, ist schwer zu sagen, weil ihr Nimbus natürlich auch vom Verbot profitiert.' ...
    'Aber welchen Einfluss die Bruderschaft auf ein neues Ägypten hätte, ist alles andere als ausgemacht. Die jungen Leute, die derzeit die Straßen beherrschen, haben nicht auf die Führung durch die Brüder gewartet, um gegen das Regime vorzugehen. Sie haben sich an den Tunesiern orientiert, die ebenfalls ohne die Islamisten ihren Pharao Ben Ali losgeworden waren.
    Bisher hatte Demokratisierung in der islamischen Welt meist Islamisierung geheißen. Wer weiß, vielleicht ist diese Welle in Tunis gebrochen?'

    Für Ihre Annahmen zum 'gesellschaftlichen Mainstream in Ägypten' wäre ich für eine seriöse Quelle dankbar.

    Antwort auf "Was kommt danach?"
  6. Wunderbare neue Freiheit in Sichtweite!
    Doch Vorsicht, alte Tyranen weichen und neue kommen (geschichtlich gesehen gibt es da nur wenige Ausnahmen).

  7. ...aufgrund der Muslimbrüderschaft kann ich mich so nicht anschliessen.
    Die Muslimbrüderschaft ist nicht die allein treibende Kraft hinter diesen Protesten.
    Zudem ist die Brüderschaft in sich selbst nicht einig. die einen wollen einen offenen Demokratiestaat, die anderen einen Religionsstaat.
    Es gibt auch klare Aussagen von Demonstranten die sagen: hier demonstriert NICHT die Muslimbrüderschaft.

    Eigentlich bräuchte Ägypten Zeit, zur Ruhe zu kommen und ein vernünftiges Politsystem aufzubauen. Dies ist meine Hoffnung. Währenddessen müssen alle informationen, z.B. offenes TV und Internet, wieder zugänglich sein.

    Die Panikmache im Westen verurteile ich zutiefst, zumal es sich dabei meist um hörensagen handelt.

    Eine Leser-Empfehlung

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  • Quelle dpa, Reuters
  • Kommentare 17
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  • Schlagworte Ägypten | Kairo | Auswärtiges Amt | Kriminalität | Alexandria | Gizeh
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