Proteste Ägypten erhebt sich gegen das Regime
Seit 30 Jahren Ausnahmezustand: Schikane, Verhaftungen, Folter. Ermutigt von Tunesien demonstrierten Tausende Ägypter, sie riefen: "Mubarak, hau ab!"
Am Ende waren sie wie berauscht von ihrem eigenen Erfolg. "Mubarak, hau ab" und "Hosni, es reicht – geh nach Saudi-Arabien", skandierte die Menge und dann immer wieder "Allah ist groß". Eine schwangere junge Frau mit Kopftuch kniet betend auf dem Rasen. Andere schwenken ägyptische Fahnen, den Mund gegen das Tränengas mit einem weißen Schutz bedeckt.
Noch nie in der jüngeren Geschichte Ägyptens sind in Kairo so viele Menschen gegen das Regime von Präsident Hosni Mubarak auf die Straße gegangen – und haben sich getraut, ihrem Ärger Luft zu machen. Tunesien ist unser Vorbild, sagen sie, und wir wollen es noch besser machen. Den ganzen Nachmittag lang strömten Tausende auf den Tahrir-Platz am Nil, nachdem sie unterwegs zahlreiche Polizeisperren durchbrochen hatten.
Für viele war es die erste Demonstration ihres Lebens überhaupt – wie für den Computerfachmann Ahmed Hamed. Zweimal sei er in den vergangenen Jahren eingesperrt worden, berichtet er, während die Menge um ihn herum "Freiheit, Freiheit" skandiert. Das letzte Mal holten Geheimpolizisten ihn um zwei Uhr früh aus dem Bett, schlugen seine komplette Wohnungseinrichtung kurz und klein. Nach vier Wochen Gefängnis ließen sie ihn wieder laufen. Ohne Anklage, ohne Erklärung. "Wir alle haben die Nase voll von diesem Regime", sagt der 44-Jährige. "Dreißig Jahre geht das jetzt schon so: keine Wahlen, keine Freiheit und kein Respekt vor uns Bürgern."
"Revolution und Freiheit" war das Motto, unter dem die Oppositionsparteien und Menschenrechtsgruppen per Facebook den Dienstag zum "Tag der Revolte gegen Folter, Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit" ausgerufen hatten. Behörden und Schulen waren offiziell geschlossen, denn eigentlich war "Festtag der Polizei". Doch für die Beamten gab es diesmal nichts zu feiern. Zehntausende Uniformierte waren in Kairo, aber auch in Alexandria, in den Deltastädten Mansura und Tanta sowie in Assiut und Assuan in Oberägypten gegen die Regimekritiker im Einsatz.
In der Hauptstadt setzte die Polizei zunächst Tränengas und Schlagstöcke ein, zog sich aber angesichts der Übermacht der Masse bald zurück. "Wir sind keine Feiglinge, wir haben keine Angst mehr", riefen die überwiegend jungen Leute. Viele Töchter waren auch mit ihren Müttern gekommen, Söhne mit ihren Vätern, ja ganze Familien. Der 16-jährige Ahmed hat sogar seine Großmutter untergehakt, die sich immer wieder aufgeregt umschaut. "Wir wollen nicht mehr so weiterleben", ruft er im Vorübergehen.
Am Morgen noch hatte der wegen seiner Härte berüchtigte Innenminister Habib al-Adly in einem Interview mit der staatsnahen Tageszeitung Al-Ahram die Organisatoren der Proteste verspottet. Sie seien sich offenbar nicht bewusst, dass ihre Aktionen "keinerlei Wirkung" haben würden, sagte er und drohte mit einem harten Vorgehen der Polizei. Zuvor hatte Außenminister Ahmed Aboul Gheit einen Vergleich seines Landes mit Tunesien als "baren Unsinn" und "Phantasterei" vom Tisch gewischt – auch wenn sich in Ägypten in den letzten Tagen mehrere Menschen aus Protest gegen ihre miserablen Lebensumstände öffentlich anzündeten.
Rund die Hälfte der achtzig Millionen Einwohner lebt unter der UN-Armutsgrenze von zwei Dollar pro Tag. Seit knapp dreißig Jahren herrscht in dem Land am Nil der Ausnahmezustand, der vom Parlament im Mai 2010 erneut für zwei Jahre verlängert wurde. Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Polizei und Staatssicherheit dürfen jeden Bürger willkürlich verhaften und beliebig lange festhalten. Folter bei Verhören ist an der Tagesordnung, mehr als 10.000 politische Gefangene sitzen nach Angaben von Menschenrechtlern hinter Gitter.
"Dies hier ist nur der Anfang – jetzt wird das Volk nicht mehr zu stoppen sein", ruft der junge Apotheker Hissan Saleh. "Endlich haben die Ägypter die Barriere der Angst durchbrochen", freut sich der 24-Jährige, während Tränengasgranaten durch die Luft zischen. "Wir werden es schaffen, wir gehen hier nicht mehr weg, bis Mubarak gestürzt ist."
- Datum 25.01.2011 - 20:53 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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den unsere Eltern immer vom Kommunismus befürchtet haben. Da verschieben sich gerade die Gewichte der Welt.
...Menschen fordern ihre Menschenwürde ein - gleich, ob im Kommunismus, Kapitalismus, der Demokratie oder der Diktatur. Menschenunwürdige Regime müssen fallen wie Dominosteine - fürchten muß man sich nicht davor.
...Menschen fordern ihre Menschenwürde ein - gleich, ob im Kommunismus, Kapitalismus, der Demokratie oder der Diktatur. Menschenunwürdige Regime müssen fallen wie Dominosteine - fürchten muß man sich nicht davor.
Laut euronews-Laufband gibt es mindestens zwei getötete Demonstranten in Suez, und einen getöteten "Security Officer" in Kairo.
Die wahre Macht geht vom Volke aus. Es ist wie 1789. Die Brotpreise lösen eine Lawine aus, die hoffentlich nicht mehr zu stoppen ist. Es könnte der Beginn einer echten Demokratisierung der Region werden. Ich wünsche den Völkern der Region, daß sie ihr Joch abschütteln und das Militär, wie in Tunesien, die Interessen des Volkes schützt, bis es keines Schutzes mehr bedarf.
Wenn dann ist das der Dominoeffekt des Rechts der Völker auf Selbstbestimmung. Mit irgendwelchen roten Revolutionen hat das nichts zu tun.
Nein.
Nein.
Welches die treibenden Kräfte sind, bleibt vorerst unbekannt. Allerdings sind Aufstände nicht unbedingt der Anfang einer - guten - neuen Ära. Genauso klang es vor dem Sturz des Schah-"Regimes". Im Prinzip werden die einheimischen Bevölkerungen an jedem Ort der Welt unterdrückt - und werden an keinem Ort der Welt darüber berichten können, wie sie zu Hause unterjocht werden.
...Menschen fordern ihre Menschenwürde ein - gleich, ob im Kommunismus, Kapitalismus, der Demokratie oder der Diktatur. Menschenunwürdige Regime müssen fallen wie Dominosteine - fürchten muß man sich nicht davor.
das kann sein, doch das was sie bekommen werden ist eine islamistenregierung der muslimischen bruderschaft.
das gleiche wird auch in tunis passieren. da gibt es keine zweifel.....und in libanon passiert es ganz "demokratisch".
das kann sein, doch das was sie bekommen werden ist eine islamistenregierung der muslimischen bruderschaft.
das gleiche wird auch in tunis passieren. da gibt es keine zweifel.....und in libanon passiert es ganz "demokratisch".
Nein.
vor den Forderungen der Menschenwürde fürchten.
Doch wer garantiert, dass es nach diesen Revolutionen, es ein demokratischeres Staatengebilde in den arabischen Ländern geben wird?
Sind wir(westl. Welt)gerüstet dem großen Wunsch nach oben genanntem nachzukommen.???
Ich lach mich schlapp. Was denn für Garantien? Da draussen tobt das Leben, da gibt's keine Garantien!
Die Leute da unten haben noch nicht mal die Garantie, daß es morgen genug Brot zu essen gibt. Sowas kann man nur auf einer deutschen Couch fragen....
Ich lach mich schlapp. Was denn für Garantien? Da draussen tobt das Leben, da gibt's keine Garantien!
Die Leute da unten haben noch nicht mal die Garantie, daß es morgen genug Brot zu essen gibt. Sowas kann man nur auf einer deutschen Couch fragen....
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