Der Druck der Straße nimmt zu, die Demonstranten in Ägypten lassen sich weder von der Brutalität der Sicherheitskräfte noch von den Maßnahmen der Regierung beeindrucken: Sie haben zu neuen Massenprotesten nach dem Freitagsgebet an diesem Mittag aufgerufen. Die Sympathien der westlichen Öffentlichkeit sind ihnen dabei sicher, die Regierungen aber äußern sich vorsichtig.

Das gilt vor allem für die USA, die in den vergangenen 30 Jahren enge Beziehungen zu Staatspräsident Hosni Mubarak aufgebaut haben. Neben Jordanien ist Ägypten das einzige Land in der Region, das diplomatische Beziehungen zu Israel unterhält und auf das die Regierung in Washington bei den schwierigen Nahost-Verhandlungen setzen kann. Fundamentalkritik an den innenpolitischen Verhältnissen oder gar die Aufforderung an Mubarak, abzutreten, ist deshalb kaum zu erwarten.

Die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Barack Obama machen das Dilemma, in dem die USA stecken, deutlich: Zum einen wollen sie die Demonstranten zumindest moralisch unterstützen, zum anderen wollen sie ihren treuesten Verbündeten im arabischen Raum nicht verprellen. In einer Botschaft auf der Videoplattform YouTube rief Obama deshalb sowohl die ägyptische Regierung als auch die Demonstranten zu Zurückhaltung auf. "Gewalt ist nicht die Antwort, um die Probleme in Ägypten zu lösen", sagte er – ohne sich auf eine Seite zu stellen.

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Obama bezeichnete die Proteste als Resultat "aufgestauter Frustrationen". Wiederholt habe er Präsident Mubarak deutlich gemacht, dass die Bereitschaft zu Reformen von "absolut entscheidender" Bedeutung sei. Zudem sei es von grundlegender Bedeutung, dass Menschen in jedem Land frei seien, "ihre legitimen Beschwerden zum Ausdruck zu bringen". Zugleich wies der US-Präsident aber darauf hin, dass Ägypten ein enger Verbündeter "in einer Menge von bedeutenden Fragen" und ein Partner im arabisch-israelischen Friedensprozess gewesen sei. "Präsident Mubarak ist sehr hilfreich bei einer Reihe von schwierigen Angelegenheiten im Nahen Osten gewesen."

Ähnlich hatte sich bereits Außenministerin Hillary Clinton geäußert. Sie hatte mit Blick auf die Mubarak-Regime von einer "stabilen Regierung" gesprochen. Die US-Regierung suche nach Wegen, wie man den legitimen Wünschen und Bedürfnissen des ägyptischen Volks begegnen könne. Den Ruf nach freien und fairen Wahlen sowie nach tiefgreifenden Reformen vernahm man auch von Clinton nicht.