Ein halbes Jahr ist es her, dass die Niederlande ihre Soldaten aus Afghanistan abgezogen haben. Nun hat die Regierung erneut einen Einsatz am Hindukusch beschlossen. Die Entsendung wurde hitzig debattiert, am Ende willigte eine knappe Mehrheit des Parlaments ein, einen Ausbildertrupp für Polizei und Militär in das vom Krieg geschundene Gebiet zu schicken. Bis 2014 sollen 545 Männer und Frauen nach Afghanistan entsandt werden, darunter neben Ausbildern auch Soldaten, die für die medizinische Versorgung und die Logistik des neuen Einsatzes zuständig sein sollen. Die Einsatzkräfte sollen hauptsächlich in der Provinz Kundus stationiert sein, wo auch die Bundeswehr ihr Einsatzgebiet hat.

Im Ringen um die Zustimmung des Parlaments hatte die Minderheitsregierung des Christdemokraten Mark Rutte erhebliche Zugeständnisse an die Opposition machen müssen. So sicherte sie zu, von Kabul eine schriftliche Garantie einzuholen, dass die von den Niederlanden ausgebildeten Polizisten nicht in militärischen Aktionen eingesetzt werden. "Wir müssen sicherstellen, dass die Polizisten, die wir trainieren, auch als solche zum Einsatz kommen", sagte Rutte in der Parlamentsdebatte. Er garantiere persönlich dafür, dass der Einsatz im Rahmen der vereinbarten Grenzen bleibe.

Der Ministerpräsident wollte die Mehrheit des Parlaments hinter sich bringen, obwohl er nach dem Gesetz nicht darauf angewiesen ist. Meinungsumfragen zufolge ist eine Mehrheit der Wähler gegen das Vorhaben. Die Vorgängerregierung war im Februar vergangenen Jahres am Streit um die Verlängerung des niederländischen Militäreinsatzes in Afghanistan zerbrochen. Seit August wurden die meisten der 2000 Soldaten abgezogen.

Auch Deutschland stellt neben Soldaten Polizeiausbilder in Afghanistan. Der Bundestag stimmt an diesem Freitag über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr ab. Eine Mehrheit für das neue Mandat gilt als sicher. Darin hat die Bundesregierung mit Ende 2011 erstmals ein Datum für den angestrebten Abzugsbeginn festgeschrieben.