Italien Ermittlung gegen Berlusconi in Prostituierten-Affäre

Sein Immunitätsgesetz haben die Verfassungsrichter zurechtgestutzt. Nun ist Italiens Premier Berlusconi im Fall der minderjährigen Prostituierten Ruby im Fokus der Justiz.

Auf Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kommt Ärger zu

Auf Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kommt Ärger zu

Der Fall Ruby könnte für Silvio Berlusconi Konsequenzen haben. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat gegen den italienischen Ministerpräsidenten Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs eingeleitet. Die Online-Ausgabe der Zeitung Corriere della Sera berichtet, Berlusconi habe vertuschen wollen, "Kunde einer minderjährigen Prostituierten während zahlreicher Wochenenden in Arcore" gewesen zu sein. Außerdem habe er versucht, sich Straffreiheit zu sichern und Einzelheiten der Feiern unter Verschluss zu halten.

Die Affäre um die Prostituierte, die sich selbst Ruby nennt, hatte im vergangenen Jahr die italienische Presse beherrscht. Berlusconi soll seine Stellung genutzt und sich persönlich bei der Polizei dafür eingesetzt haben, die wegen Diebstahls festgenommene Marokkanerin freizulassen. Angeblich begründete der Premier seine Initiative damit, dass es sich bei dem Mädchen um eine Nichte des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak handele.

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Die heute 18-Jährige soll an ausschweifenden Festen in Berlusconis Villa in Arcore nahe Mailand teilgenommen haben. Sex mit dem Regierungschef hatte Ruby den Presseberichten zufolge nicht. Allerdings soll der Premier pro Abend 5000 Euro an sie und weitere junge Frauen bezahlt haben. Auch andere Frauen, die bei Berlusconi zu Gast waren, berichteten von Feiern mit Minderjährigen. Eine Zeugin gab an, sie habe von Berlusconi 10.000 Euro für sexuelle Dienstleistungen bekommen.

Der Premier hat jedes Fehlverhalten zurückgewiesen. Ein Sprecher von Berlusconis Partei Volk der Freiheit sprach von einem "Informationsleck" und von "unglaubwürdigen Anschuldigungen". Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge wurde Berlusconi am Freitag vorgeladen, der genaue Termin wurde nicht bekannt.

Erst am Donnerstag hatte das italienische Verfassungsgericht ein Immunitätsgesetz teilweise aufgehoben, das den Regierungschef und seine Minister vor Strafverfolgung schützte. Dem Urteil zufolge können Richter fortan von Fall zu Fall selbst entscheiden, ob Berlusconi vor Gericht erscheinen muss oder nicht – was auch zur Wiederaufnahme von zwei Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Bestechung führen könnte.

 
Leser-Kommentare
  1. soll es geben? Ist ja lachhaft. Wie sollen die denn aussehen? Wahrscheinlich erhählt dieser Mann noch eine Potenzauszeichnung für diese "Leistungen" von den Italienern.

  2. daß Italien wieder zur Rechtsstaatlichkeit zurückkehrt. Der Schaden wäre ansonsten immens.

    • pat
    • 14.01.2011 um 18:29 Uhr

    werden trotz alle dem wieder nach Italien in den Urlaub fahren. Internationaler Druck, das Traut sich keiner... (?)

  3. An diesem Beispiel kann man am besten ersehen, wenn der Bürger nicht ständig wachsam ist, dann kann eine Demokratie verkommen.
    Aber Italien ist heute überall in Europa.

  4. Dann hat er also ab jetzt nur noch ungeschützten Verkehr?

  5. Was in Italien funktioniert sind die Justiz und die Verfassung. Die Untersuchungsrichter sind nicht weisungsgebunden, die Staatsanwälte trauen sich auch an hohe Tiere, die Polizie und der Militärgeheimdienst SISMI arbeiten unabhängig. Politiker sind in Italien nicht sakrosankt. Auch Giulio Andreotti und Silvio Berlusconi, Bettino Craxi und viele andere Politiker werden unnachsichtig verfolgt. Die Justiz hat gegen grosse Widerstände zu kämpfen, Richter riskieren dabei ihr Leben, nicht wenige Untersuchungsrichter fielen grausamen Mordanschlägen zum Opfer. Kann man dies auch von Deutschland sagen oder gibt es gar in Deutschland gar keine Korruption?

  6. Italien wird Berlusconi überleben und diese Dürreperiode überstehen. Das Land hat schon mehrmals bewiesen, dass es trotz allen Problemen nie abzuschreiben ist.

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