Umbruch in Ägypten ElBaradei bietet sich als Revolutionsführer an
Der Friedensnobelpreisträger hat sich als Anführer eines friedlichen Umbruchs in Ägypten ins Spiel gebracht. Die Polizei geht gegen Demonstranten weiter mit Tränengas vor.
© Dieter Nagl/AFP/Getty Images

Mohamed ElBaradei
Was den Regimekritikern in Tunesien und dem Jemen bisher fehlt, zeichnet sich in Ägypten mittlerweile ab: Eine prominente Person, die sich an die Spitze des Protestes setzt. Der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei hat sich offensiv und konkret als Anführer der Umbruch-Bewegung ins Spiel gebracht, der sich seit Tagen gegen das Regime von Präsident Hosni Mubarak wendet.
"Wenn die Menschen, vor allem die jungen Menschen, möchten, dass ich den Übergang anführe, werde ich sie nicht hängen lassen", sagte der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Er kam am Donnerstagabend nach Kairo und will am Freitag selbst mit den Regimegegnern demonstrieren.
In den letzten Tagen waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um gegen den Jahrzehnte dauernden Ausnahmezustand und für Reformen des politischen und sozialen Systems zu demonstrieren. Es ist der heftigste Protest seit dem Antritt Mubaraks 1981. Mehrere Menschen starben bisher im Schlagabtausch zwischen Demonstranten und Polizei, am Donnerstag kam in der Ortschaft Scheich Suwajed im Norden der Sinai-Halbinsel als vermutlich sechstes Opfer ein Demonstrant ums Leben. Seit Beginn der Proteste am Dienstag nahmen Polizisten landesweit mindestens tausend Menschen fest, wie ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte. Ägyptens Generalstaatsanwalt klagte fast 50 Personen wegen "Aufruhrs und Sabotage" an. Die Regierung schweigt beharrlich zur Lage im Land.
- Politische Situation
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Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak ist seit fast dreißig Jahren an der Macht. Er trat sein Amt am 13. Oktober 1981 an. Seit der Parlamentswahl im vergangenen Herbst hat Mubaraks Regierungspartei NDP (Nationaldemokratische Partei) zwei Drittel aller Sitze im Parlament. Damit können die Abgeordneten auch die Verfassung ändern. Die Opposition ist praktisch ausgeschaltet.
Erfahrungen mit Demokratie hat das ägyptische Volk kaum. Nach dem Sturz von König Faruk im Jahr 1952 wurde das Land zwischen 1954 und 1970 von Revolutionsführer Gamal Abdel Nasser regiert. Er machte aus Ägypten einen sozialistischen Staat, der mehrfach in Konflikt mit dem Nachbarn Israel geriet. Nach Nassers Tod regierte Anwar al-Sadat das Land, er setzte sich für Frieden mit Israel ein. 1981 wurde Sadat von Islamisten ermordet.
- Notstandsgesetze
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Sadats Nachfolger wurde der damalige Vizepräsident Mubarak. Dieser erließ 1982 Notstandsgesetze, die bis heute bestehen und so dem Präsidenten zum autoritären Herrscher machen. Grund für die Notstandsgesetze war der erfolgreiche Anschlag fundamentalistischer Angehöriger der ägyptischen Streitkräfte auf seinen Vorgänger.
2005 versprach Mubarak erstmals eine politische Öffnung des Landes und die Zulassung von unabhängigen Kandidaten zu den Präsidentschaftswahlen. Als die islamistische Muslimbruderschaft bei den Wahlen an Einfluss gewann, wurde der Liberalisierungskurs wieder gekappt.
- Ägypten heute
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Heute leben 80 Millionen Menschen in dem nordafrikanischen Staat. Über 90 Prozent von ihnen sind nach Angaben des Auswärtigen Amts Muslime, rund sechs Prozent sind Christen.
Ein Anschlag auf koptische Christen in Alexandria mit mehr als 20 Toten schürte Angst vor aufkeimendem Radikalislamismus. Bei den jetzigen Demonstrationen seien aber keine entsprechenden Tendenzen zu bemerken, berichten Beobachter.
ElBaradei mahnte beide Seiten, auf Gewalt zu verzichten. Das Wichtigste für ihn sei, "ein neues Ägypten zu sehen, und zwar eines, das durch einen friedlichen Wechsel erreicht wurde".
Den Tunesiern war es gelungen, mit wochenlangen Protesten Machthaber Sein al-Abidin Ben Ali zum Rückzug zu zwingen. Er war mit seiner Frau nach Saudi-Arabien geflohen und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Seitdem stockt die Demokratisierung. Eine von der Opposition akzeptierte Regierung kam bisher nicht zustande.
In Ägypten hatten Regimegegner trotz des verhängten Versammlungsverbotes zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Sie nutzten vor allem Facebook, denn den Microblogging-Dienst Twitter und die Mobilfunknetze hatte die Regierung stark einschränken und teils blockieren lassen.

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Trotz der Beschränkungen versammelten sich am Donnerstag Hunderte Menschen auf den Straßen. Wie auch am Mittwoch lieferten sich Regierungskritiker und Sicherheitskräfte heftige Auseinandersetzungen. Augenzeugen zufolge setzte die Polizei in der Stadt Ismailija im Nordosten des Landes Tränengas gegen Demonstranten ein, die mit Steinen warfen. Ein Dutzend Demonstranten seien festgenommen worden. Facebook-Nutzer schrieben von gewaltsam aufgelösten Demonstrationen auch in Al Monoufia und Al Ismailia.
In der Hafenstadt Suez gingen die Sicherheitskräfte ebenfalls mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen gegen eine Kundgebung der Opposition vor. Hunderte Menschen hatten sich vor einer Polizeiwache versammelt, um für die Freilassung der in den vergangenen Tagen inhaftierten Regierungskritiker zu demonstrieren.
Auch am Mittwoch war die Lage in dieser Stadt äußerst angespannt gewesen: Demonstranten legten Feuer am Rathaus und einer Polizeiwache. Die Beamten flohen aus dem Gebäude. Dutzende Polizisten und Demonstranten erlitten Verletzungen. Auch schon an den Vortagen hatte es in mehreren Städten Demonstrationen gegeben.
Ein weiterer Großprotest zeichnet sich für Freitag ab: Protestgruppen riefen dazu auf, nach dem wöchentlichen Gebet auf die Straßen zu gehen.
Angesichts der Lage in dem Land brach die Börse in Kairo am Donnerstag ein, die Kurse fielen um mehr als sechs Prozent. Der Handel wurde vorübergehend ausgesetzt. Die bereits im Zusammenhang mit Tunesien bekannt gewordene Hacker-Gruppe Anonymous warnte die Regierung außerdem davor, den Demonstranten den Zugang zum Internet zu erschweren. Andernfalls würden die Websites der Regierung lahmgelegt, drohten sie in einer Erklärung auf Facebook.
Auch in Tunesien und im Jemen demonstrierten am Donnerstag Tausende Menschen gegen die Regierungen. In Tunis gingen Schüler und Studenten auf die Straße, während das Land auf eine Umbildung des von Altkadern durchsetzten Kabinetts wartete.
Unter Europas Politikern machte sich angesichts der Entwicklung Sorge breit. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verlangte ein Ende der Gewalt gegen die Demonstranten. "Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind elementare Rechte eines jeden Menschen", sagte sie. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an die ägyptische Führung, keine Gewalt gegen friedliche Demonstranten anzuwenden. Das fördere nur Islamismus, Fundamentalismus und Radikalisierung. Er mahnte ferner, das Internet für ungehinderte Nutzung freizugeben.
Der Bundestag forderte Ägypten wie Tunesien einmütig auf, demokratische Reformen zu ermöglichen und die Menschenrechte zu wahren. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), sprach sich dafür aus, auch islamistische Parteien in den Demokratisierungsprozess einzubinden.
Die Grünen-Außenexpertin Kerstin Müller sagte, die Strategie des Westens sei gescheitert, den Islamismus mithilfe von säkularen, aber autoritären Regimen zu bekämpfen. Auch die frühere Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) rief dazu auf, diesen "Irrweg" zu überwinden.
- Datum 27.01.2011 - 18:56 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
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Man soll nicht annehmen, nur weil Baradei mal bei der UN war, könne er nicht zum Diktator mutieren. Und ehrlicherweise muß man auch sagen: Demokratie in Ägypten bedeutet Wahlsiege für die Islamisten.
Nicht umsonst haben insbesondere die USA ihren Diktator Mubarak immer schön gehätschelt.
"Yes, he´s a son of a bitch, but he´s our son of bitch"
„Man soll nicht annehmen, nur weil Baradei mal bei der UN war, könne er nicht zum Diktator mutieren. Und ehrlicherweise muß man auch sagen: Demokratie in Ägypten bedeutet Wahlsiege für die Islamisten.“
Nicht umsonst haben insbesondere die USA ihren Diktator Mubarak immer schön gehätschelt.“
Die USA haben noch ganz andere gehätschelt:
- den Schah von Persien als Bollwerk gegen den bösen Kommunismus,
- Sadam Hussein als Aggressor gegen den durch eine friedliche (!) Revolution erneuerten Iran,
- Osama bin Laden mit den Mudjahedin/Taliban gegen die gottlosen Russen (damals noch Sowjetunion)
- etc. etc.
Alles sponsored by USA zum Wohle ihrer Rüstungsindustrie. Wenn dann irgendetwas nicht richtig lief (im Sinne des US-amerikanischen Weltbildes), wurden die Marionetten einfach ausgetauscht.
Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Man sollte den arabischen Nationen eine Chance geben, Demokratie zu verwirklichen. Nicht alle Araber sind Islamisten, sowie auch nicht alle Deutschen Faschisten sind!
„Man soll nicht annehmen, nur weil Baradei mal bei der UN war, könne er nicht zum Diktator mutieren. Und ehrlicherweise muß man auch sagen: Demokratie in Ägypten bedeutet Wahlsiege für die Islamisten.“
Nicht umsonst haben insbesondere die USA ihren Diktator Mubarak immer schön gehätschelt.“
Die USA haben noch ganz andere gehätschelt:
- den Schah von Persien als Bollwerk gegen den bösen Kommunismus,
- Sadam Hussein als Aggressor gegen den durch eine friedliche (!) Revolution erneuerten Iran,
- Osama bin Laden mit den Mudjahedin/Taliban gegen die gottlosen Russen (damals noch Sowjetunion)
- etc. etc.
Alles sponsored by USA zum Wohle ihrer Rüstungsindustrie. Wenn dann irgendetwas nicht richtig lief (im Sinne des US-amerikanischen Weltbildes), wurden die Marionetten einfach ausgetauscht.
Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Man sollte den arabischen Nationen eine Chance geben, Demokratie zu verwirklichen. Nicht alle Araber sind Islamisten, sowie auch nicht alle Deutschen Faschisten sind!
vorzeige Demokratien verbalakrobatisch versteigen, wenn die Revolution der Bevölkerung und deren Ruf nach Demokratie und freien Wahlen in Ägypten brutal durch Polizei, Militär und die übrigen Sicherheitskräfte niedergeschlagen wird.
Israel jedenfalls hofft auf dieses Szenario.
Minister: Mubarak regime will prevail in Egypt, despite protests
http://www.haaretz.com/ne...
Sehr beliebt ist der ehemalige Direktor der internationalen Atomenergiebehörde in Israel nicht, man wirft ihm wohl zuviel Nachsicht gegenüber dem Iran in seiner früheren Funktion vor.
Mit Mubarak ist das israelische Nachbarschftsverhältnis zu Ägypten berechenbarer.
Sehr beliebt ist der ehemalige Direktor der internationalen Atomenergiebehörde in Israel nicht, man wirft ihm wohl zuviel Nachsicht gegenüber dem Iran in seiner früheren Funktion vor.
Mit Mubarak ist das israelische Nachbarschftsverhältnis zu Ägypten berechenbarer.
Erfolge in der IAEA und ein Friedensnobelpreis befähigen El Baradei noch lange nicht dazu, die ägyptischen Tumulte bzw. eine eventuelle Revolution anzuführen.
Sicher, er hat sich in der vergangenen Zeit stärker bemüht auf die ägyptische Politik und Opposition einzuwirken. Dennoch, er bleibt ein "Fremder im eigenen Land". Viele Ägypter empfinden El Baradei nicht als geeigneten Vertreter ihrer Interessen - zu lange hat er im Ausland gelebt.
Um der ägyptischen Politik ein Minimum an Gaubwürdigkeit zurückzugeben, müsste eine eventuelle neue politische Führung aus der "echten" ägyptischen Opposition entstehen. Nur diejenigen, die die Probleme wirklich kennen und sich auch in Zeiten geringerer internationaler Aufmerksamkeit für Demokratie und Wohlstand eingesetzt haben, werden sich das Vertrauen der politikverdrossenen Bevölkerung erarbeiten können.
El Baradei täte gut daran, sich den Protesten anzuschließen - ohne gleich auf ein politisches Amt zu schielen.
Er würde wohl einige Leute opfern aber danach die "Elite" an ihren Platz lassen, Revolutionen brauchen Zeit, die Menschen müssen sich erst verändern.
...wenn das Volk beschließt sich einen Diktator zu wählen? Ist das nicht auch Demokratie?
ist die gegenwärtige allerbeste Alternative zu Mubarak.
Eine mutige Entscheidung! Der Friedensnobelpreisträger könnte sich bestimmt auch einen leichteren "Job" suchen, und finden.
Er könnte durchaus das Schicksal, des Anwar as-Sadat, der am 6. 10. 1981 ermordet wurde. Sadat war ebenfalls Friedensnobelpreisträger.
@ Kirschtorte,
Ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen, das Sie nicht auch mal mutieren. Oder ist dies bereits geschehen?
„Man soll nicht annehmen, nur weil Baradei mal bei der UN war, könne er nicht zum Diktator mutieren. Und ehrlicherweise muß man auch sagen: Demokratie in Ägypten bedeutet Wahlsiege für die Islamisten.“
Nicht umsonst haben insbesondere die USA ihren Diktator Mubarak immer schön gehätschelt.“
Die USA haben noch ganz andere gehätschelt:
- den Schah von Persien als Bollwerk gegen den bösen Kommunismus,
- Sadam Hussein als Aggressor gegen den durch eine friedliche (!) Revolution erneuerten Iran,
- Osama bin Laden mit den Mudjahedin/Taliban gegen die gottlosen Russen (damals noch Sowjetunion)
- etc. etc.
Alles sponsored by USA zum Wohle ihrer Rüstungsindustrie. Wenn dann irgendetwas nicht richtig lief (im Sinne des US-amerikanischen Weltbildes), wurden die Marionetten einfach ausgetauscht.
Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Man sollte den arabischen Nationen eine Chance geben, Demokratie zu verwirklichen. Nicht alle Araber sind Islamisten, sowie auch nicht alle Deutschen Faschisten sind!
Sehr beliebt ist der ehemalige Direktor der internationalen Atomenergiebehörde in Israel nicht, man wirft ihm wohl zuviel Nachsicht gegenüber dem Iran in seiner früheren Funktion vor.
Mit Mubarak ist das israelische Nachbarschftsverhältnis zu Ägypten berechenbarer.
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