Nach Ansicht der EU-Kommission ist die Lage alarmierend: Mehr als 80 Prozent der illegalen Einwanderer in die EU reisen mittlerweile über Griechenland ein. Das Land sei alleine nicht in der Lage, mit der Flüchtlingskrise fertig zu werden.

Nun soll ein Grenzzaun die illegale Einreise über die 206 Kilometer lange türkisch-griechische Grenze zusätzlich erschweren. Das sagte der griechische Minister für Bürgerschutz, Christos Papoutsis, der halbamtlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA.

"Die Kooperation mit den Grenzschützern aus anderen EU-Staaten läuft gut", sagte Papoutsis. "Jetzt planen wir, einen Zaun zu bauen, um die illegale Migration abzuwehren." Als Vorbild soll der umstrittene Grenzzaun dienen, den die USA an der Grenze zu Mexiko errichtet haben. Unklar ist, wie sich die EU-Kommission hierzu verhalten wird. Derzeit führt die EU Beitrittsgespräche mit der Türkei.

Die griechisch-türkische Grenze führt durch flaches Land am Fluss Evros (türkisch: Meric) und dem Flussdelta entlang. Griechenland hatte vor zwei Monaten die Hilfe der EU-Grenzagentur Frontex angefordert. Seit November arbeiten dort zusammen mit den Griechen 200 Beamte der Frontex. 2010 kamen nach Angaben des Ministers "täglich rund 200 Flüchtlinge" aus der Türkei. Schätzungen zufolge sind rund 300.000 Menschen illegal in Griechenland. Sie stammen überwiegend aus Afghanistan, dem Irak und nordafrikanischen Staaten.

Die EU-Beamten helfen Griechenland, die Grenze zu kontrollieren und Flüchtlinge in die Auffanglager zu bringen. Doch die Lager sind restlos überfüllt. Menschenrechtsorganisationen kritisieren Athens Asylpolitik und die Zustände in den Aufnahmelagern. Griechenland ist zunehmend Zufluchtsort für Flüchtlinge, weil der Seeweg über das Mittelmeer schärfer kontrolliert wird. Kamen Afrikaner zuvor meist mit Booten aus Libyen, wählen sie inzwischen meist den Landweg über die Türkei.