Panzer vor dem Ägyptischen Museum in Kairo am 29. Januar. Daneben brennt das Hauptgebäude der herrschenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) von Präsident Mubarak. © Khaled Desouki/AFP/Getty Images

Frage:  Plünderer haben am Freitagabend das Ägyptische Museum in Kairo angegriffen. Was genau ist passiert?

Wafaa el-Saddik: Die Lage ist noch sehr unübersichtlich. Es sind sehr viele Figuren auf den Boden geworfen und zerstört worden, darunter auch Götterfiguren aus dem Schatz des Tutanchamun. Insgesamt wurden 13 Vitrinen zertrümmert. Inzwischen wissen wir, dass die Plünderer keine pharaonischen Schmuckstücke gestohlen haben. Der neue Anbau aber mit dem großen Andenkengeschäft, was erst im November eröffnet worden ist, wurde total ausgeraubt.

Frage: Wer waren die Täter?

El-Saddik: Das waren die Wächter des Museums. Einige von den Polizisten haben offenbar vorher ihre Jacken ausgezogen, um nicht als Polizisten erkennbar zu sein. Eine zweite Gruppe der Täter ist dann von hinten über eine Feuerleiter durch die Dachfenster eingestiegen. Die Zerstörungen sind alle im ersten Stockwerk, wo sich auch der Schatz des Tutanchamun befindet.

Frage: Sind noch andere Museen in Ägypten betroffen?

El-Saddik: Das Museum in Memphis und seine Magazine wurden am Samstag früh komplett ausgeraubt. Die Verantwortlichen dort haben mich in ihrer Verzweiflung angerufen und gefleht: "Rette uns, mach etwas." Ich habe zunächst die Polizei angerufen, aber die hat nicht reagiert. Dann habe ich einen Armeegeneral alarmiert, den ich kenne. Aber es war bereits zu spät. Mit den Museen in Luxor und Assuan habe ich telefoniert, dort ist nichts passiert. Das größte Problem ist der mangelhafte Schutz unserer Museen überhaupt. Das Ägyptische Museum in Kairo und alle Museen in Ägypten sind überhaupt nicht versichert. Ich habe viele Jahre lang verlangt, dass das geschieht – ohne jeden Erfolg.

Frage: In Kairo haben die Demonstranten das Ägyptische Museum dann sofort mit einer Menschenkette geschützt?

El-Saddik: Als die Menschen auf dem Tahrir-Platz gemerkt haben, was vorgeht, haben sie das gesamte Gelände sofort umgestellt. Die Täter aber waren im Inneren des Gebäudes. Die Demonstranten haben einige festnehmen können, andere sind entkommen. Zum Glück war dann schnell das Militär zur Stelle, das am Freitagabend bereits auf dem Tahrir-Platz aufmarschiert war. Seitdem wird das Museum gut geschützt.

Frage: Ist die Gefahr durch das Feuer in dem Gebäude der benachbarten Zentrale von Mubaraks Regierungspartei gebannt?

El-Saddik: Ja, die Gefahr ist zum Glück gebannt. Das Hochhaus brennt seit fast zwei Tagen, durch Windböen hätte das Feuer leicht auf das Ägyptische Museum übergreifen können.

Frage: Warum begehen die eigenen Wachleute eine solche Barbarei?

El-Saddik: Sie werden extrem schlecht bezahlt. Ich habe mir die Finger krumm geschrieben und mehr Geld für diese Menschen verlangt. Alles umsonst. Ein Wachmann verdient etwa 250 ägyptische Pfund, das sind 35 Euro im Monat. Wir haben rund 160 Wachleute plus mehrere Dutzend Polizisten, die im Grunde Wehrpflichtige in Polizeiuniformen sind. Diese Polizisten verdienen noch weniger. Immer wieder waren diese jungen Väter bei mir. Sie haben nichts. Einer hat alles, was er zuhause hatte, verkauft, um Medizin für sein krankes Kind besorgen zu können. Andere hungern sogar daheim. Aber das ägyptische Kulturministerium – das feiert sich mit teuren Projekten und Empfängen.