Terroranschlag Ein Deutscher unter den Toten von Moskau
Bei dem Moskauer Anschlag soll auch ein Deutscher getötet worden sein. Unterdessen diskutiert Russlands Öffentlichkeit, ob der Anschlag hätte verhindert werden können.
© Oxana Onipko/AFP/Getty Images

Polizisten kontrollieren die Ausweispapiere zweier Passagiere auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo
Mindestens 35 Tote und bis zu 180 Verletzte, viele von ihnen in Lebensgefahr: Dies ist die Bilanz des Terroranschlags auf den größten russischen Flughafen im Süden Moskaus. Am Montagnachmittag zündete ein Selbstmordkommando eine Bombe in einem Koffer und tötete dabei nach Angaben des russischen Katatsrophenschutzministeriums auch einen deutschen Staatsbürger. Inoffiziellen Angaben zufolge war der 1976 geborene Mann bei einer deutschen Firma angestellt. Der Chauffeur des Unternehmensangestellten soll ihn leblos in der Ankunftshalle gesehen haben.
Nach russischen Medienberichten ist unter den rund 180 Verletzten auch eine deutsche Frau, die im Krankenhaus behandelt wird. Das Auswärtige Amt prüft derzeit die Angaben. "Wir gehen Hinweisen nach, wonach ein deutscher Staatsangehöriger getötet und eine weitere Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verletzt wurde", sagte ein Sprecher.
Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums in Moskau starben bei dem Anschlag auch zwei Briten, ein Bulgare und eine Ukrainerin, außerdem insgesamt drei Menschen aus Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien. Inoffiziellen Berichten zufolge sollen auch französische und italienische Staatsbürger in Krankenhäuser gebracht worden sein. Auch hier war eine Bestätigung der zuständigen Botschaften vorerst nicht zu erhalten.
Trauer und Entsetzen, aber auch die Sicherheitslage bestimmten die Debatten in der russischen Öffentlichkeit nach dem Anschlag. Wie die Agentur Ria Nowosti berichtete, hatten die Sicherheitsdienste vergangene Woche Hinweise auf einen möglichen Anschlag auf einen der Hauptstadtflughäfen erhalten. Nach Angaben des Guardian monierten Oppositionelle, die Sicherheitsmaßnahmen hätten nach diesem Hinweis erhöht werden müssen.
Dies hat Präsident Dimitrij Medwedjew inzwischen angeordnet. Demnach soll nun ein "spezielles Sicherheitssystem" in allen Bahnhöfen und Flughäfen des Landes eingesetzt werden. Die Polizei in Moskau wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, die Sicherheitsvorkehrungen in der U-Bahn sowie an weiteren Verkehrsknotenpunkten wurden verstärkt. Auf einer Sitzung an diesem Dienstag will der Kremlchef, der seine Reise zum Wirtschaftsforum in Davos verschoben hat, mit Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB die Sicherheitslage im Land ausloten.
Medwedjew sieht die Verantwortung für den Anschlag auch bei der Leitung des betroffenen Flughafens und forderte in einem Zeitungsinterview deren Bestrafung. Es muss "eindeutig eklatante Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften gegeben haben", um "eine solch große Sprengstoffmenge" in den Flughafen zu bringen, wurde er von der Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Jeder, der in Domodjedowo Entscheidungen getroffen habe, müsse sich seiner Verantwortung stellen. Die Gesetze würden nicht konsequent genug eingehalten. Zuvor hatte bereits das Nationale Anti-Terror-Komitee die Flughafenleitung kritisiert.
Der Selbstmordanschlag soll neuen Berichten zufolge von einer Attentäterin und einem Komplizen verübt worden sein. Die Explosion habe sich in einem Moment ereignet, als eine Frau in Begleitung eines Mannes ihre Tasche geöffnet habe, berichtete die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti unter Berufung auf Polizeikreise. Die Bombe soll mit Nägeln und anderen scharfkantigen Metallstücken gespickt gewesen sein, detoniert waren fünf bis sechs Kilogramm Sprengstoff. Die Art des Anschlags, so hieß es in Ermittlerkreisen, entspreche der "üblichen" Vorgehensweise von Attentätern "aus dem Nordkaukasus".
In den vergangenen Jahren verübten islamische Extremisten aus der Unruheregion, zu der auch Tschetschenien gehört, wiederholt Terrorakte in Moskau. Zuletzt kamen bei einem Doppelanschlag auf die Metro Ende März 2010 40 Menschen ums Leben.
Im Nordkaukasus, zu dem auch die muslimisch geprägten Teilrepubliken Dagestan und Inguschetien gehören, kämpfen islamistische Untergrundkämpfer für ein von Moskau unabhängiges "Emirat". Sie hatten immer wieder gedroht, den Terror ins russische Kernland zu tragen. Moskau hat in der Region nach Behördenangaben etwa 24.000 Soldaten und Polizisten stationiert, um gegen die offiziell als "Banditen" bezeichneten Terroristen vorzugehen. Fast täglich kommt es in der Krisenregion zu blutigen Zwischenfällen.
Unkommentiertes, nicht verifiziertes Video eines Augenzeugen:
- Datum 25.01.2011 - 07:29 Uhr
- Quelle dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 11
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Bei allen Fehlern russischer Machtpolitik:
Solcher Terror, der auf unbeteiligte Zivilisten samt Kindern bewusst abzielt, ist durch nichts zu verniedlichen, zu relativieren, gar zu entschuldigen.
Er entstammt kranken Hirnen und Ideologien, die sich aus der Zivilisation verabschiedet haben.
Hier sollte jede(r) klar Farbe bekennen. Dann wäre schon viel gewonnen.
Im Kaukausus gibt es bekanntlich sehr viel Oel und andere Reichtuemer. Wenn Russland tatsaechlich nachgaebe und den Islamisten erst Tschetschnien ueberliesse und nach und nach auch andere russische Teilrepubliken, dann stellt sich die Frage, was die Islamisten mit diesem Geld anstellen wuerden.
Ein Beispiel waere, dass sie sich Atomwaffen besorgen.
Dazu darf es nie und nimmer kommen. Russland braucht unsere Solidariatet, um Frieden im Kaukasus zu schaffen.
2."Russland braucht unsere Solidariatet, um Frieden im Kaukasus zu schaffen."
Frieden im Kaukasus ist eine Utopie.
2."Russland braucht unsere Solidariatet, um Frieden im Kaukasus zu schaffen."
Frieden im Kaukasus ist eine Utopie.
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und differenziert. Danke. Die Redaktion/wg
2."Russland braucht unsere Solidariatet, um Frieden im Kaukasus zu schaffen."
Frieden im Kaukasus ist eine Utopie.
Wieso kommt man eigentlich hier im sogenannten Westen auf die Idee den Freiheitskampf der Kaukasischen Völker gegen Russland als Illegitim zu bezeichnen?Die meisten dieser VÖlker kämpfen seit der Besetzung durch zaristische Truppen gegen Ihre Annexion.Sie werden weiterkämpfen bis Sie Ihre eigenen Länder/Staaten bekommen werden.Es kann nur eine Lösung geben,und die heisst die Russen lassen diese Völker einfach in Ruhe.
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/wg
Warum ist es denn so wichtig zu betonen, dass ein Deutscher unter den Toten ist? Bei jeder Katastrophe kommt immer wieder diese Bemerkung und ich kann es nicht verstehen.
Das, was in Russland gestern passiert ist, ist furchtbar und traurig, aber die Nationalitäten der Opfer sind in diesem Zusammenhang völlig egal - 35 Menschen sind gestorben und es werden vielleicht noch mehr. Darum geht es!
Macht man publik, dass ein Staatsangehöriger eines Landes mit unter den Opfer ist, steigt zumeißt die Solidarität gegenüber allen Opfern. Des Weiteren sind die Politiker dieses Landes dazu gezwungen sich öffentlich an der Suche wie in diesen Fall - zu beteiligen.
Es geht also weniger darum festzustellen, wohin die Mitleidsbekundungen gehen, was auch hinter verschlossenen Türen geschehen kann; die Öffentlichkeitswirksamkeit ist dabei entscheident.
Macht man publik, dass ein Staatsangehöriger eines Landes mit unter den Opfer ist, steigt zumeißt die Solidarität gegenüber allen Opfern. Des Weiteren sind die Politiker dieses Landes dazu gezwungen sich öffentlich an der Suche wie in diesen Fall - zu beteiligen.
Es geht also weniger darum festzustellen, wohin die Mitleidsbekundungen gehen, was auch hinter verschlossenen Türen geschehen kann; die Öffentlichkeitswirksamkeit ist dabei entscheident.
Macht man publik, dass ein Staatsangehöriger eines Landes mit unter den Opfer ist, steigt zumeißt die Solidarität gegenüber allen Opfern. Des Weiteren sind die Politiker dieses Landes dazu gezwungen sich öffentlich an der Suche wie in diesen Fall - zu beteiligen.
Es geht also weniger darum festzustellen, wohin die Mitleidsbekundungen gehen, was auch hinter verschlossenen Türen geschehen kann; die Öffentlichkeitswirksamkeit ist dabei entscheident.
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