Die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern scheitern immer wieder an zwei zentralen Konfliktpunkten: am künftigen Status von Jerusalem und an der Frage nach dem Schicksal der rund fünf Millionen palästinensischen Flüchtlingen, die im Zuge der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 ihre Heimat verlassen mussten, ihr Eigentum verloren haben und bislang nicht mehr zurückkehren durften.

Wie die jüngst von Al Jazeera English und dem Guardian veröffentlichten Geheimpapiere zeigen, gab es dazu von beiden Seiten immer wieder neue Vorschläge. Dabei wird deutlich, dass die palästinensischen Verhandlungsführer auch hier zu weitreichenden Zugeständnissen an die israelische Seite bereit waren. So soll Palästinenserpräsident Machmud Abbas gesagt haben: "Es ist völlig unvernünftig, Israel darum zu bitten, fünf Millionen Flüchtlinge oder auch nur eine Million von ihnen aufzunehmen. Das würde das Ende des Staates Israel bedeuten."

Der Chefunterhändler der Palästinenser, Sajeb Erekat, soll deshalb im Juni 2009 Israel angeboten haben, dass über zehn Jahre verteilt lediglich jährlich 10.000 palästinensische Flüchtlinge, also insgesamt 100.000 Flüchtlinge, in ihre Heimat zurückkehren sollten. Dies soll das Verhandlungsteam des damaligen israelischen Premierministers Ehud Olmert akzeptiert haben. "In puncto Flüchtlinge ist der Deal perfekt", soll Erekat bereits vier Monate zuvor George Mitchell, Sonderbeauftragte der Obama-Regierung für den Nahen Osten, versprochen haben.

Was mit den restlichen Flüchtlingen passieren soll, darüber hatten sich die Verhandlungspartner offenbar nicht in aller Konsequenz Gedanken gemacht. Condoleezza Rice, Außenministerin unter dem republikanischen US-Präsidenten George W. Bush, überraschte eine Gesprächsrunde dann mit einem besonderen Vorschlag. Demnach sollten palästinensische Flüchtlinge nach Südamerika transferiert werden. "Vielleicht finden wir ja Länder, die dazu bereit sind", soll sie 2008 gesagt haben. "Vielleicht Chile oder Argentinien."

Das Flüchtlingsproblem umfasst dabei im weitesten Sinn auch die Frage nach den rund 1,3 Millionen palästinensisch-stämmigen Israelis, die in dem jüdischen Staat beheimatet sind. Zwischen 2007 und 2008 soll die damalige Außenministerin Zipi Liwni wiederholt darauf gedrungen haben, dass diese Gruppe Teil eines künftigen Palästinenserstaates sein und deshalb umgesiedelt werden soll – eine Forderung, die in Israel immer wieder von rechten Politikern erhoben wird. Die Verhandlungsführer der Palästinenser lehnten diese Forderung ab.

Im Gegenzug für die Errichtung eines palästinensischen Staats verlangen die Israelis, dass die Palästinenser Israel ausdrücklich als einen jüdischen Staat anerkennen. Auch dies ist immer wieder ein Knackpunkt in den Verhandlungen – soll aber nach Angaben des Guardian bereits Teil einer Friedenslösung gewesen sein. Wie die Zeitung unter Berufung auf die Geheimpapiere berichtet, soll Chefunterhändler Erekat israelischen Verhandlungsteilnehmern gesagt haben: "Wenn ihr euren Staat den 'Jüdischen Staat von Israel' nennen wollt, dann nennt ihn ruhig so." Seinem eigenen Team soll er gesagt haben, diese Frage sei eine "Kleinigkeit".

Offiziell lehnen die Palästinenser jegliche ethnische oder religiöse Definition des Staates Israel ab. Dabei nehmen sie eben vor allem Rücksicht auf die 1,3 Millionen arabischstämmigen Israelis, die dies als eine Bedrohung ihrer eigenen zivilen und nationalen Rechte betrachten.

Für Aufsehen sorgt auch ein Zitat von Außenministerin Liwni aus dem Jahr 2007, wonach sie sich gegen die Aufnahme des internationalen Rechts in die Richtlinien eines möglichen Friedensvertrags ausgesprochen haben soll. "Ich war zwar Justizministerin", soll sie gesagt haben, "doch ich bin gegen das Recht, insbesondere gegen das internationale Recht." Ein Sprecher der Politikerin wies diese Angaben zurück. Auch über etwaige "Transfers" eines Teils der israelischen Bevölkerung hätte Liwni nicht diskutiert.