Bundeswehr Fragile Erfolge am Hindukusch
Das Parlament stimmt über das Isaf-Mandat ab. Die Lage im Norden Afghanistans hat sich verbessert. Die bange Frage lautet: für wie lange?
© Hauke Friederichs/ZEIT ONLINE

Von der Höhe 432 aus, auf der die Bundeswehr einen Außenposten betreibt, kontrollieren Soldaten eine wichtige Straße
Marder stehen neben Dingos, Füchse neben einem Yak. Im Innenhof des Polizeihauptquartiers (PHQ) in Chahar Darreh parken die wuchtigen Militärfahrzeuge dicht an dicht. Die gepanzerten Fahrzeuge und Panzer sind schlammverschmiert. Ständig fahren die Soldaten in den vergangenen Tagen mit ihren Fahrzeugen, die das deutsche Heer traditionell nach Wildtieren benennt, hinaus in Gebiete, die sie vor einem halben Jahr noch nicht betreten konnten. Die Aufständischen in Nordafghanistan haben an Boden verloren – und das nicht nur umgangssprachlich.
Vom PHQ aus rücken die die deutschen Infanteristen, Pioniere und Aufklärer des Ausbildungs- und Schutzbataillons zu Offensiven in Regionen aus, die bis vor Kurzem noch als "Indianerland" galten, in dem die Taliban herrschen. Damit ist es nun vorbei. Die Sicherheitslage sei so gut wie lange nicht mehr, sagen hochrangige Offiziere. Deutsche Diplomaten und Entwicklungshelfer sowie afghanische Offizielle bestätigen das.
Die Aufständischen sind aus Kundus und Baghlan in benachbarte Provinzen geflohen, oder sie haben ihre Waffen versteckt und sich unter die Zivilbevölkerung gemischt. "Im Frühjahr wird sich zeigen, ob die verbesserte Sicherheitslage Bestand hat", sagt ein hochrangiger deutscher Offizier, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Nach Ende des Winters beginnen die Taliban und andere Aufständische traditionell ihre Offensiven. Doch dieses Mal könnte der Aufstand tatsächlich geschwächt sein, sagt der Bundeswehroffizier, der in Masar-i-Scharif stationiert ist.
Gründe dafür gebe es viele – der Offizier verweist auf das Nachbarland. In Pakistan haben Erdbeben und Hochwasser die Infrastruktur der Taliban und des Haqqani-Netzwerkes, einer radikalen Aufstandsgruppe, zerstört. "Dort gibt es kaum noch sichere Häuser für die ausländischen Kämpfer", sagt der Offizier. "In diesem Winter können sie nicht dorthin zurück." Ein weiterer Grund sei, dass die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) und auch die Deutschen in diesem Winter nicht mit Angriffen aufgehört haben.
Die neu aufgestellten Ausbildungs- und Schutzbataillone mit je 750 Soldaten in Masar-i-Scharif und Kundus hätten den Gegner zurückgedrängt, heißt es bei der Bundeswehr. Viel mehr Soldaten seien nun draußen. Außerdem habe sich die Ausstattung verbessert. Mit den drei Panzerhaubitzen stehe der Truppe nun Kampfunterstützung durch schwere Artillerie zur Verfügung. Gleichzeitig sei die Zahl der Schützenpanzer und geschützter Fahrzeuge deutlich erhöht worden.
Durch die ständigen Angriffe der Amerikaner mit Drohnen hätten die Aufständischen viele erfahrene Führer verloren, die sich nicht so schnell ersetzen ließen. Kämpfer, die wegen des Soldes und nicht aus ideologischen Gründen gegen die Isaf und die afghanische Regierung ins Feld zögen, seien verunsichert und scheuten zum Teil das hohe Risiko. Das gelte auch für die in Nordafghanistan lebenden Aufständischen, die nachts vor allen von amerikanischen Spezialkräften, aber auch vom deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK) gejagt würden.
Während der Operation Halmazag griffen deutsche Fallschirm- und Gebirgsjäger gemeinsam mit Amerikanern und Afghanen einige Hochburgen der Taliban an. In mehreren Gefechten vertrieben oder töteten Isaf-Soldaten zahlreiche Aufständische. Auch Isa Khel wurde von der Isaf erobert. In dieser Ortschaft starben am Karfreitag 2010 drei deutsche Soldaten bei einem Sprengfallenanschlag. Kämpfer der Taliban posierten anschließend vor dem zerstörten Fahrzeug und ließen sich fotografieren, die Bilder gingen um die Welt. Auch das Fahrzeug wurde zurückerobert. Deutsche Soldaten stellten Ende vergangenen Jahres das Wrack des Dingos sicher, berichtet der Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Hans Werner Fritz, mit Genugtuung.
- Datum 27.01.2011 - 19:34 Uhr
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"Thörner zeigt, dass diese Strategie nicht nur eine eigenständige Entwicklung Afghanistans verhindert, sondern die kriegerischen Zustände hervorbringt und zementiert."
http://www.stuetzle.in-be...
Das ausgezeichnete Buch Afghanistan Code von Marc Thörner erschien, bevor die Isaf-Strategie im Norden geändert wurde, ebenso das Interview, auf das Sie verlinken. Thörners Reportage ist im Nautilus Verlag erschienen: http://www.edition-nautil...
Das ausgezeichnete Buch Afghanistan Code von Marc Thörner erschien, bevor die Isaf-Strategie im Norden geändert wurde, ebenso das Interview, auf das Sie verlinken. Thörners Reportage ist im Nautilus Verlag erschienen: http://www.edition-nautil...
Das ausgezeichnete Buch Afghanistan Code von Marc Thörner erschien, bevor die Isaf-Strategie im Norden geändert wurde, ebenso das Interview, auf das Sie verlinken. Thörners Reportage ist im Nautilus Verlag erschienen: http://www.edition-nautil...
für wie lange?
Mit Ihrer Frage implizieren Sie in etwa schon eine Antwort. Wie die aussehen wird, weiss jeder, der die Geschehnisse verfolgt und sich ein wenig mit der (Kriegs-)Geschichte vertraut gemacht hat.
Marc Thörner ist ein absoluter Ausnahmejournalist, der den medial inszenierten Fortschrittsmythen eine fundierte realistische Beschreibung des katastrophalen Krieges entgegensetzt.
Auszüge aus seinen Artikeln finden sich hier:
http://www.freitag.de/com...
ob Thörner Recht hat, bleibt dahingestellt.
Fakt ist, die Radikalisierung gab es schon vorher. Anders als von Thörner behauptet.
Allerdings ist die Naivität mit der Rot/Grün von Anfang an mit den Seilschaften um Karsai paktierte und bis heute durch jede Regierung fortgesetzt wurde schon atemberaubend und somit schon zu Beginn die Eskalation im Keim geschaffen worden durch die Dummheit der damaligen deutschen Regierung.
Diesen geschaffenen Fakten ist heute kaum noch zu entkommen.
H.
für wie lange?
Mit Ihrer Frage implizieren Sie in etwa schon eine Antwort. Wie die aussehen wird, weiss jeder, der die Geschehnisse verfolgt und sich ein wenig mit der (Kriegs-)Geschichte vertraut gemacht hat.
Marc Thörner ist ein absoluter Ausnahmejournalist, der den medial inszenierten Fortschrittsmythen eine fundierte realistische Beschreibung des katastrophalen Krieges entgegensetzt.
Auszüge aus seinen Artikeln finden sich hier:
http://www.freitag.de/com...
ob Thörner Recht hat, bleibt dahingestellt.
Fakt ist, die Radikalisierung gab es schon vorher. Anders als von Thörner behauptet.
Allerdings ist die Naivität mit der Rot/Grün von Anfang an mit den Seilschaften um Karsai paktierte und bis heute durch jede Regierung fortgesetzt wurde schon atemberaubend und somit schon zu Beginn die Eskalation im Keim geschaffen worden durch die Dummheit der damaligen deutschen Regierung.
Diesen geschaffenen Fakten ist heute kaum noch zu entkommen.
H.
für wie lange?
Mit Ihrer Frage implizieren Sie in etwa schon eine Antwort. Wie die aussehen wird, weiss jeder, der die Geschehnisse verfolgt und sich ein wenig mit der (Kriegs-)Geschichte vertraut gemacht hat.
"An der Harvard Universität unterrichtete er von 1955 bis 1961 Geschichte des Nahen Ostens. In der Regierungszeit John F. Kennedys beriet Polk das Außenministerium der Vereinigten Staaten in Bezug auf Fragen zum Nahen Osten und Nordafrika."
Aufstand
http://www.literaturkriti...
Ein Artikel der Mut macht dass das internationale Engagement in Afgahnistan nicht umsonst ist. Allerdings ist zu befürchten dass die erzielten Erfolge auf die dümmste anzunehmende Art wieder kaputtgemacht werden, nämlich durch einen frühzeitigen Abzug der ISAF-Truppen. Deshalb sollten keine Abzugstermine benannt werden, die den Taliban nur in die Hände spielen. Erst wenn es ein paar Jahre lang wirklich ruhig war und die Afgahnischen Sicherheitskräfte ihre volle Sollstärke erreicht haben ist der Abzug denkbar. Also eher Ende dieses Jahrzehnts.
Um nichts weiter geht es doch mittlerweile, weil unsere Politiker doch alles machen was die US-Regierung will. Die jahrelangen Aussagen "unserer" Politiker stellen sich als Täuschung der Bevölkerung heraus. Die Bevölkerung ist ja in großer Mehrheit gegen den Einsatz unserer Mitmenschen an kriegerischen Auseinandersetzungen, aber auf den Willen der deutschen Bürger wird ja schon länger gepfiffen...
Eine fundierte und mit Quellen belegte journalistische Arbeit findet man z.B. hier:
http://www.nrhz.de/flyer/... um nur eine davon zu nennen...
verlust aus Afghanistan raus zu kommen,..."
... als sie noch gegen Bin Laden und sein Camp vorgingen.
Dann meinten die Konservativen der USA, sie könnten ihren Ruhm mehren und zu Gottes Gefallen die Feinde des wahren Glaubens erniedrigen. Falsch geglaubt, könnte man sagen. Oder die anderen Gläubigen hatten besseren Beistand von oben? Wer weiß.
Die Niederlage in Afghanistan ist trotz aller möglichen Possibilitätenabwägungen so gewiss, wie das Amen in der Kirche. Die Taliban sind schon heute über die größeren Teile Afghanistans Herren. Der Winter ändert daran nichts. Pakistans Naturkatastrophen ändern daran nichts und ganz gewiss ändern auch die frustrierten westlichen Truppen, die 2011 so langsam nach Hause wollen, auch nichts.
Natürlich ist die Bundestagsverlängerung so gewiss, wie alle Unvernunft gewiss ist, wenn es um Ehre, Glauben, Krieg und den Tod und das Unglück Anderer geht.
Entweder das, was die Bundeswehr dort tut, ist falsch - dann ist der einzig mögliche Abzugstermin heute.
Wenn es aber trotz berechtigter Kritik richtig ist - und das denke ich - dann ist der einzig mögliche Abzugstermin der Tag, an dem das Ziel erreicht ist.
Alles andere ist feiges, dummes Gequatsche.
meinen Sie?
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