Zwei Tage nach dem Anschlag am Moskauer Flughafen Domodjedowo hat der russische Regierungschef Wladimir Putin Verhandlungen mit Terroristen abgelehnt. Es sei eine Frage der Selbstachtung eines Landes und "internationale Praxis", sich auf solche Gespräche nicht einzulassen, sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax. "Versuche solcher Verhandlungen mit Extremisten und Terroristen Anfang der neunziger Jahre führten uns in den ersten und zweiten Tschetschenien-Krieg." Putin hatte am Vortag mit Rache für den jüngsten Anschlag gedroht.

Jedes Zugehen auf die Extremisten erzeuge neue Aggression und in der Folge noch höhere Opferzahlen, sagte der Regierungschef. Nach vorläufigen Angaben deute nach dem Anschlag in Moskau nichts auf eine tschetschenische Spur hin, sagte er weiter. Ermittler vermuten die Herkunft der Täter demnach in anderen Regionen des Konfliktgebiets Nordkaukasus, etwa in der Teilrepublik Dagestan.

In der bergigen Vielvölkerregion kämpfen unterschiedliche radikale Islamisten-Gruppierungen für ein von Moskau unabhängiges Kaukasus-Emirat. Erschwert wird die Lage durch korrupte Strukturen innerhalb der kremltreuen Sicherheitskräfte sowie durch kriminelle Banden und einflussreiche Familienclans. Die Führung in Moskau sucht seit Jahren vergeblich einen Weg, in die von großer Arbeitslosigkeit und Armut geprägte Region Ruhe zu bringen.

Derweil hat Kremlchef Dmitrij Medwedjew einen leitenden Mitarbeiter des Innenministeriums entlassen. Neben dem Generalmajor entließ der Präsident auch andere Funktionäre, wie Innenminister Raschid Nurgalijew sagte. In einer vom Fernsehen übertragenen Stellungnahme sagte Medwedjew: "Wer nicht ordnungsgemäß arbeitet, muss bestraft werden." Zudem erneuerte Medwedjew seine Kritik an den Flughafenbehörden, denen er einen zu laxen Umgang mit den Sicherheitsvorschriften vorwarf. Der mächtige Inlandsgeheimdienst FSB oder die Polizei blieben dagegen weiter von Kritik aus der Staatsführung verschont.

Russland brauche insgesamt einen wirksameren Schutz der Passagiere im öffentlichen Verkehr, erklärte Medwedjew der Agentur Interfax. "Die Zahl der Sicherheitsverstöße nimmt zu, praktisch überall", sagte er weiter. Betroffen seien nicht nur Flughäfen, sondern auch der Schienen- und Busverkehr. Daher forderte Medwedjew die Sicherheitsbehörden auf, ein Anti-Terror-Alarmsystem für das öffentliche Verkehrssystem zu erarbeiten. Innerhalb der nächsten zwei Wochen sollten sie Vorschläge unterbreiten, wie sich die Vorkehrungen verschärfen ließen.

Die Menschen in Russland gedachten mit einem Trauertag der 35 Todesopfer des Anschlags. Landesweit hielten Kirchen, Synagogen und Moscheen Gedenkfeiern ab. Vielerorts standen die Menschen Schlange, um Blut für Verletzte des Attentats zu spenden. Nach Regierungsangaben mussten 116 Menschen weiterhin in Krankenhäusern behandelt werden, darunter auch Ausländer aus Deutschland, Frankreich und Italien. Im Gedenken an die Opfer legten viele Trauernde am Flughafen Domodjedowo Blumen nieder und zündeten Kerzen an.