Proteste Tunesiens Diktator schlägt zurück
In Tunesien demonstrieren Tausende junge Leute gegen ihre schlechte Lebenssituation. Das Regime reagiert harsch, denn die Proteste könnten es ins Wanken bringen.
© Stringer/EPA/dpa

Proteste in Tunesien
Wie verzweifelt muss Mohammed Bouazizi gewesen sein? Wie groß waren seine Ohnmacht und sein Zorn? Der 26-Jährige hatte sich Mitte Dezember in seiner Heimatstadt Sidi Bouzid in Tunesien mit Benzin übergossen und angezündet. So wollte er gegen die sozialen Missstände in seinem Land protestieren.
Er hatte studiert, aber keine Anstellung gefunden. Bouazizi arbeitete deswegen als fliegender Händler, um seine Familie zu unterstützen, verkaufte Obst und Gemüse an Passanten. Der Auslöser für seine Tat soll eine Kontrolle seines Standes durch Polizisten gewesen sein. Die Beamten hatten ihm seine Waren weggenommen und ihn geohrfeigt, weil er keine Lizenz hatte.
Mit schwersten Verletzungen wurde Bouazizi in eine Klinik gebracht. Ihm folgten mindestens drei weitere Männer, die sich ebenfalls selbst in Brand steckten – darunter ein 17-Jähriger.
Seit Bouazizis tragischem Selbstmordversuch gehen in Tunesien Tausende Jugendliche und junge Erwachsene auf die Straße, um gegen Arbeitslosigkeit und Preissteigerungen zu demonstrieren. Aus den zunächst friedlichen Solidaritätskundgebungen für Mohammed Bouazizi hat sich ein Aufruhr gegen die Sicherheitskräfte entwickelt. Immer wieder kommt es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Gewalt eskaliert.
Am Freitag und am Wochenende starben 23 junge Menschen durch Schüsse aus Polizeiwaffen, berichtet die französische Tageszeitung Le Monde. Die tunesische Regierung sprach von 14 Toten. Die Opfer seien mit Benzinbomben, Steinen und Stöcken bewaffnet gewesen und hätten öffentliches Eigentum angegriffen, berichtete die staatliche tunesische Nachrichtenagentur TAP.
Das tunesische Innenministerium bezeichnete den Waffeneinsatz der Sicherheitskräfte als "legitime Selbstverteidigung". Oppositionelle forderten den Präsidenten Ben Ali Sajn al-Abadin auf, den Schussbefehl zurückzunehmen, um die Gewalt nicht weiter anzuheizen. Sie warfen der Regierung vor, Soldaten zur Niederschlagung von Demonstrationen einzusetzen.
In dem nordafrikanischen Land, in dem Präsident Ben Ali mit diktatorischen Methoden die Macht seiner Familie behauptet, kommen die seit mehr als drei Wochen andauernden Protestaktionen der aufgebrachten Jugendlichen einer Revolution gleich. Bisher haben die Sicherheitskräften Proteste stets schnell niedergeknüppelt. Nun dringen immer mehr Bilder von Straßenschlachten über das Internet nach Europa. Mit dem Bild von einer Urlaubsidylle, wie es Tunesien in der westlichen Welt zu inszenieren versucht, passt das nicht zusammen.
Der Präsident reagierte umgehend. Ben Ali warnte die Aufrührer im Fernsehen: Die Unruhen bedrohten Tourismus und ausländische Investitionen, das werde die Regierung nicht hinnehmen. Polizei und Justiz würden mit Härte gegen die Proteste vorgehen.
Doch für Ruhe konnte Ben Ali mit seinen markigen Worten nicht sorgen – im Gegenteil: In Menzel Bouzaiene zündeten junge Leute drei Fahrzeuge der Nationalgarde an und errichteten Barrikaden. Beim Versuch, einen Posten der Nationalgarde zu stürmen, wurde ein Jugendlicher erschossen. Seit der letzten Dezemberwoche gibt es sogar Proteste in der Hauptstadt Tunis, in der Tausende Sicherheitskräfte sonst für Ruhe sorgen. Demonstranten verlangen nun auch hier mehr soziale Gerechtigkeit und forderten die Regierung auf, endlich mehr gegen die Korruption zu tun. Studenten, Bürgerrechtler und sogar regimenahe Gewerkschaften schlossen sich den Forderungen an.
Am meisten dürfte den Präsidenten jedoch beunruhigen, dass auf einigen Transparenten das Wort "Freiheit" prangte. Ben Ali herrscht seit 23 Jahren über Tunesien – solchen Widerstand hat er noch nie erlebt. Weder Wahlen noch politische Gegner brauchte er bislang zu fürchten. Der autoritäre Potentat erzielte bei Wahlen stets sozialistische Ergebnisse. Bei der Präsidentenwahl im Oktober 2009 erreichte er mit angeblichen 90 Prozent der Stimmen sein bislang schwächstes Ergebnis.
Mögliche ernstzunehmende politische Gegner ließ Ben Ali vor der Wahl ausschalten, der Wahlkampf von Oppositionskandidaten wurde massiv behindert. Der einzige echte politische Gegner erhielt, so behaupteten es die Behörden, nur 1,6 Prozent der Stimmen. Zwei regimetreue Scheingegenkandidaten verbuchten den Rest der Stimmen für sich.
Aus der gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahl ging Ben Alis Partei RCD mit ebenfalls 90 Prozent der Stimmen als Siegerin hervor. Die wichtigste Oppositionspartei boykottierte die Wahl, nachdem die Behörden ihre Wahllisten in 17 Bezirken für ungültig erklärt hatten.
- Datum 10.01.2011 - 14:45 Uhr
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- Quelle dpa, Reuters, AFP
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man in diesem Staat wirklich Urlaub macht. Mit den Einnahmen aus dem Tourismus wird nicht die Bevölkerung unterstützt, sondern letztenendes die Diktatur.
zweimal Urlaub gemacht und konnte selbst als Pauschaltourist die Verelendung und die politische Unterdrückung der Bevölkerung erkennen. Danach habe ich aus moralischen Gründen dort keinen Urlaub mehr verbracht. Eigentlich schäme ich mich für den zweiten Urlaub. Aber es brauchte irgendwie auch den 2. Urlaub um mir meine Erkenntnisse wirklich bewusst zu machen. Ich war Gast bei Menschen, die unter unglaublichen Bedingungen in Elendsvierteln lebten. Ich habe gesehen wie Einheimische von Hotelangestellten verprügelt wurden, die einen nicht abgezäunten Hotelstrand betraten. Tunesier durfte man nicht als seine Gäste mit in das Hotel bringen. Das Verhalten der Einheimischen war von Angst geprägt.
Es wundert mich, dass in der westlichen Presse fast nie über die Brutalität der dortigen Diktatur berichtet wurde. Es gibt für dieses Schweigen keine Entschuldigung. Als Journalist hätte man das wissen können und hätte darüber berichten müssen.
Die Zeit macht mit ihren verspäteten Artikeln den Eindruck eines Ertappten, der ein umfassendes Geständnis ablegt um Strafmilderung zu erlangen.
In Tunesien konnte man übrigens fast unter Laborbedingungen die Ursachen für die Entstehung eines radikalen Islams beobachten und analysieren.
Die Auffindung von Massengräbern aus den letzten 30 Jahren würde mich nicht wirklich wundern.
man kann unter solchen Bedingungen keinen wirklichen Urlaub machen. Ich habe mir auch Urlaube in der damaligen Türkei verboten. Meine Ehefrau hat das genauso gesehen. Jetzt glaube ich, dass inzwischen ein Türkeiurlaub vertretbar ist. Ich würde auch, wenn es entsprechende Angebote gäbe keinen Urlaub im Iran machen. In das Spanien der Frankodiktatur bin ich auch nicht gereist.
Übrigens glaube ich ebenfalls, dass die Einnahmen aus der Tourismusindustrie den einheimischen Normalos nicht viel bringen. Das dürfte in Ägypten nicht viel anders sein. Urlaub unter dem "Schutz" von Schnellfeuergewehren. Eigenartiger Urlaub.
zweimal Urlaub gemacht und konnte selbst als Pauschaltourist die Verelendung und die politische Unterdrückung der Bevölkerung erkennen. Danach habe ich aus moralischen Gründen dort keinen Urlaub mehr verbracht. Eigentlich schäme ich mich für den zweiten Urlaub. Aber es brauchte irgendwie auch den 2. Urlaub um mir meine Erkenntnisse wirklich bewusst zu machen. Ich war Gast bei Menschen, die unter unglaublichen Bedingungen in Elendsvierteln lebten. Ich habe gesehen wie Einheimische von Hotelangestellten verprügelt wurden, die einen nicht abgezäunten Hotelstrand betraten. Tunesier durfte man nicht als seine Gäste mit in das Hotel bringen. Das Verhalten der Einheimischen war von Angst geprägt.
Es wundert mich, dass in der westlichen Presse fast nie über die Brutalität der dortigen Diktatur berichtet wurde. Es gibt für dieses Schweigen keine Entschuldigung. Als Journalist hätte man das wissen können und hätte darüber berichten müssen.
Die Zeit macht mit ihren verspäteten Artikeln den Eindruck eines Ertappten, der ein umfassendes Geständnis ablegt um Strafmilderung zu erlangen.
In Tunesien konnte man übrigens fast unter Laborbedingungen die Ursachen für die Entstehung eines radikalen Islams beobachten und analysieren.
Die Auffindung von Massengräbern aus den letzten 30 Jahren würde mich nicht wirklich wundern.
man kann unter solchen Bedingungen keinen wirklichen Urlaub machen. Ich habe mir auch Urlaube in der damaligen Türkei verboten. Meine Ehefrau hat das genauso gesehen. Jetzt glaube ich, dass inzwischen ein Türkeiurlaub vertretbar ist. Ich würde auch, wenn es entsprechende Angebote gäbe keinen Urlaub im Iran machen. In das Spanien der Frankodiktatur bin ich auch nicht gereist.
Übrigens glaube ich ebenfalls, dass die Einnahmen aus der Tourismusindustrie den einheimischen Normalos nicht viel bringen. Das dürfte in Ägypten nicht viel anders sein. Urlaub unter dem "Schutz" von Schnellfeuergewehren. Eigenartiger Urlaub.
In Tunesien wurden Mitglieder der tunesischen Piratenpartei von Polizisten verschleppt. Als einzige Partei in Deutschland bezogen die Piraten deutliche Position und protestieren gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Details unter http://www.piratenpartei.de/
zweimal Urlaub gemacht und konnte selbst als Pauschaltourist die Verelendung und die politische Unterdrückung der Bevölkerung erkennen. Danach habe ich aus moralischen Gründen dort keinen Urlaub mehr verbracht. Eigentlich schäme ich mich für den zweiten Urlaub. Aber es brauchte irgendwie auch den 2. Urlaub um mir meine Erkenntnisse wirklich bewusst zu machen. Ich war Gast bei Menschen, die unter unglaublichen Bedingungen in Elendsvierteln lebten. Ich habe gesehen wie Einheimische von Hotelangestellten verprügelt wurden, die einen nicht abgezäunten Hotelstrand betraten. Tunesier durfte man nicht als seine Gäste mit in das Hotel bringen. Das Verhalten der Einheimischen war von Angst geprägt.
Es wundert mich, dass in der westlichen Presse fast nie über die Brutalität der dortigen Diktatur berichtet wurde. Es gibt für dieses Schweigen keine Entschuldigung. Als Journalist hätte man das wissen können und hätte darüber berichten müssen.
Die Zeit macht mit ihren verspäteten Artikeln den Eindruck eines Ertappten, der ein umfassendes Geständnis ablegt um Strafmilderung zu erlangen.
In Tunesien konnte man übrigens fast unter Laborbedingungen die Ursachen für die Entstehung eines radikalen Islams beobachten und analysieren.
Die Auffindung von Massengräbern aus den letzten 30 Jahren würde mich nicht wirklich wundern.
Zitat:
"Es wundert mich, dass in der westlichen Presse fast nie über die Brutalität der dortigen Diktatur berichtet wurde. Es gibt für dieses Schweigen keine Entschuldigung. Als Journalist hätte man das wissen können und hätte darüber berichten müssen."
Wenn Sie wüssten, was uns alles an vermeintl. "Hintergründen" usw. quasi als Aufklärung aufgetischt wird, dies gar von den sogenannten/selbsternannten Qualitätsmedien. Die meisten Auslandsberichte sind generell nicht das Papier wert, ... Ausnahmen bestätigen die Regel.
Zitat:
"Es wundert mich, dass in der westlichen Presse fast nie über die Brutalität der dortigen Diktatur berichtet wurde. Es gibt für dieses Schweigen keine Entschuldigung. Als Journalist hätte man das wissen können und hätte darüber berichten müssen."
Wenn Sie wüssten, was uns alles an vermeintl. "Hintergründen" usw. quasi als Aufklärung aufgetischt wird, dies gar von den sogenannten/selbsternannten Qualitätsmedien. Die meisten Auslandsberichte sind generell nicht das Papier wert, ... Ausnahmen bestätigen die Regel.
man kann unter solchen Bedingungen keinen wirklichen Urlaub machen. Ich habe mir auch Urlaube in der damaligen Türkei verboten. Meine Ehefrau hat das genauso gesehen. Jetzt glaube ich, dass inzwischen ein Türkeiurlaub vertretbar ist. Ich würde auch, wenn es entsprechende Angebote gäbe keinen Urlaub im Iran machen. In das Spanien der Frankodiktatur bin ich auch nicht gereist.
Übrigens glaube ich ebenfalls, dass die Einnahmen aus der Tourismusindustrie den einheimischen Normalos nicht viel bringen. Das dürfte in Ägypten nicht viel anders sein. Urlaub unter dem "Schutz" von Schnellfeuergewehren. Eigenartiger Urlaub.
Zitat:
"Es wundert mich, dass in der westlichen Presse fast nie über die Brutalität der dortigen Diktatur berichtet wurde. Es gibt für dieses Schweigen keine Entschuldigung. Als Journalist hätte man das wissen können und hätte darüber berichten müssen."
Wenn Sie wüssten, was uns alles an vermeintl. "Hintergründen" usw. quasi als Aufklärung aufgetischt wird, dies gar von den sogenannten/selbsternannten Qualitätsmedien. Die meisten Auslandsberichte sind generell nicht das Papier wert, ... Ausnahmen bestätigen die Regel.
@ Thrudheim
ZEIT ONLINE hat sehr wohl immer wieder aus Tunesien berichtet. Ich selber war zuletzt Ende 2009 dort. Über die "freundliche Diktatur" des Ben Ali habe ich damals auch geschrieben: http://www.zeit.de/politi...
eher um den Machterhalt der selbsternannten "Elite" der Welt..
überall protestieren mündige Bürger..wir wollen eine bessere Welt schaffen, was diese "Elite" verhindern will..
http://en.wikipedia.org/w...
es sind immer die Gleichen an der Macht und das ist in den arabischen und asiatischen Ländern nicht anderst..
man könnte auch sagen, die französische Revolution hat faktisch nicht stattgefunden..die meisten von den Adeligen sind damals rechtzeitig nach England abgehauen..[...]
Worte wurden verändert..es heißt heute nicht mehr "Zehnt"
http://de.wikipedia.org/w...
sondern Steuern..was damit gemacht wird, ist nicht im allgemeinen Interesse sondern von einigen wenigen Herrschenden..sie werden all unser Geld dafür nutzen um ihren Machterhalt zu sichern..
da diese Machtstruktur schon sehr lange existiert, können wir uns ein anderes System schwer vorstellen..
Wünschenswert wäre ein Umdenken dieser "Elite", doch so wie momentan mit Wikileaks und der Piratenpartei umgegangen wird, sind diese Strukturen nur mühsam aufzubrechen.
David gegen Goliath. Diese Jugendlichen aus Tunesien haben sich die Mönche von Tibet zum Vorbild genommen!
Als die Chinesen dort einmarschiert sind..diese Bilder werd ich nie vergessen! Gott möge uns den Mut geben für diese Menschen und auch für unsere zukünftige Freiheit einen möglichst friedlichen Weg zu finden.Beharrlich wie das Wasser.Eine neue Sintflut
Bitte achten Sie auf einen sachlichen Umgangston und bemühen Sie sich um einen artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv
..daß ich bei brennenden Jugendlichen nicht sachlich bleiben konnte und daß ich meine Vermutung über eventuelle Hintergründe kundgetan habe..ich habe mich aber wirklich auf den Artikel bezogen und finde es sehr seltsam was in Tunesien im Zusammenhang mit Menschenrechtlern vor sich geht..
Von der Seite der Piratenpartei:
Die Piratenpartei Tunesien, die das am 18.12. von der tunesischen Regierung erlassene Verbot der Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen gebrochen hatte, sieht sich nun politischen und polizeilichen Repressalien von eben dieser undemokratischen und korrupten Regierung ausgesetzt.
Piratenparteien aus mittlerweile 31 Ländern weltweit [1] [2] verurteilen die gewalttätigen Reaktionen der Gesetzeshüter gegenüber Tunesiern sowie die Festnahmen und das Verschwinden von vielen Bloggern, Künstlern, Aktivisten und Dissidenten in Tunesien.
Ich werde mich bemühen besser zu bloggen, nicht daß ich auch noch "verschwinde"..
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