Tunesische Demonstranten hissen die Nationalflagge auf dem Haupteingang des Innenministeriums © Fethi Belaid/AFP/Getty Images

Tunesiens Bevölkerung hat Präsident Sein al-Abidin Ben Ali zur Aufgabe gezwungen. Infolge der wochenlangen Unruhen im Land legte der Staatschef sein Amt nieder und flüchtete aus dem Land. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist unklar.

Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi sagte im Staatsfernsehen, er führe vorübergehend die Amtsgeschäfte. Er werde die Verfassung respektieren und die Stabilität im Land wiederherstellen. Der Präsident sei derzeit nicht in der Lage, sein Amt auszuüben. Ghannouchi rief die Tunesier zur Einheit auf.

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In den vergangenen Tagen war es im ganzen Land zu gewaltsamen Protesten gegen Ben Ali und seine Regierung gekommen. Während der Krawalle wurden zahlreiche Menschen getötet, das internationale Menschenrechtsbündnis FIDH sprach von mindestens 60 Toten.

Auch an diesem Freitag gingen in der Hauptstadt Tunis Tausende Menschen auf die Straße. Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, Rettungskräfte sprachen von 13 toten Zivilisten.

Die Regierung verhängte darauf hin den Ausnahmezustand, der eine Ausgangssperre, ein Versammlungsverbot sowie die Erlaubnis für Armee und Polizei beinhaltet, auf "verdächtige Personen" zu schießen. Zudem übernahm das Militär die Kontrolle über den Flughafen, der gesamte tunesische Luftraum wurde gesperrt. Die deutschen Reiseveranstalter strichen alle für das Wochenende geplanten Flüge in das Land. Das Auswärtige Amt riet von "nicht unbedingt erforderlichen Reisen" nach Tunesien ab.

Präsident Ben Ali hatte zunächst versucht, die Demonstranten mit Zugeständnissen zu besänftigen. Er löste die Regierung auf und kündigte vorgezogene Parlamentswahlen an. Den Regierungskritikern ging dies aber nicht weit genug. Augenzeugenberichten zufolge protestierten auch in der Region Sidi Bouzid und in Kairouan im Landesinneren sowie in Gafsa Tausende Menschen und forderten weiterhin Ben Alis Rücktritt.

Vor dem Innenministerium versammelten sich etwa 8000 Demonstranten. Sie skandierten: "Ben Ali, verschwinde!" und "Ben Ali, danke, aber es reicht!". Gegen mehrere Hunderte Jugendliche, die Steine warfen, setzte die Polizei Tränengas ein. Auch Schüsse waren zu hören.