USA Obamas Probleme in der Ägypten-Politik
Ägypten wirft einmal mehr die Frage auf: Wie hält es Washington mit Diktatoren? In den USA wird heftig über den Kurs der Regierung gestritten. Von Christoph von Marschall, Washington
© Tim Sloan AFP/Getty Images

US-Präsident Barack Obama gibt eine Erklärung zur Lage in Ägypten ab (28.01. 2011)
Die vergangenen 48 Stunden haben die Welt verändert und die Art, wie Amerika sie wahrnimmt. Anfang der Woche dominierte der innenpolitische Streit, ob der Staat sparen soll, um die Schulden abzubauen, ohne dadurch das Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Seit Freitag blicken die US-Medien fast ausschließlich nach Ägypten. Auch im Nahen Osten stehen die USA vor der Herausforderung, mehrere Ziele parallel zu verfolgen, Ziele, die sich nicht ohne weiteres unter einen Hut bringen lassen: die Ausweitung von Freiheit und Demokratie, politische Stabilität, Schutz vor Terrorangriffen, Fortschritte im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern, Energieversorgung.
Präsident Barack Obama stolpere den Ereignissen hinterher, moniert die Washington Post. Die Freiheitsproteste hätten ihn auf dem falschen Fuß erwischt. In seiner weltweit beachteten Rede in Kairo an die Muslime hatte er in der Frühphase seiner Amtszeit die Unterstützung von Bürgerrechten und Demokratie versprochen. In der Praxis aber umwarb er Ägyptens Herrscher Hosni Mubarak, weil er dessen Unterstützung für die Nahost-Friedensgespräche brauchte.
George W. Bush hatte es andersherum gehalten. Er gab der "Freedom Agenda" Vorrang, hielt Abstand zu Autokraten wie Mubarak und musste dafür Abstriche bei anderen US-Zielen machen. Konservative Kommentatoren, zum Beispiel im Wall Street Journal, drängen Obama nun, die Protestierer von Tunesien über Ägypten und vom Jemen bis zum Libanon offener zu unterstützen. Sie sehen im Aufbegehren den Beleg dafür, dass Bushs Kurs, auf den Sturz der Diktatoren zu setzen, richtig war.
Die Runde, in der Sicherheitsberater und Geheimdienstchefs den Präsidenten täglich über die Weltlage informieren, ist jetzt ausschließlich Ägypten gewidmet. Unter dem Druck der Medien entschloss sich Obama am Freitagabend zu einer kurzen Fernsehansprache: Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht gehörten zu den Grundrechten weltweit. Er habe Mubarak am Telefon zu substanziellen Reformen gedrängt. Obama drohte auch mit dem Entzug der Finanz- und Militärhilfe für Ägypten.
Die Nahost-Experten in den Talkshows und die Analysten der Washingtoner "Thinktanks" aber zeigen sich voller Sorge. Sie warnen vor vorschnellen Schlüssen. So, wie sie die Abläufe und Zusammenhänge darstellen, scheint es fast zwangsläufig zu sein, dass eine Weltmacht wie die USA, die mehrere, teils gegenläufige geopolitische Interessen verfolgt, immer irgendwie in Widerspruch zu ihren erklärten Zielen gerät. "Wenigstens haben Tunesien und Ägypten kein Öl", seufzte CNN-Moderator Wolf Blitzer erleichtert.
Im Jemen sehen sich die USA wegen der Terrorabwehr zur Kooperation mit einer Regierung gezwungen, die regelmäßig die Menschenrechte verletzt. Doch dort baut das Terrornetzwerk al-Qaida seine Aktivitäten aus.
Viele Nahost-Experten in den USA stammen aus den dortigen Ländern. Sie raten zur Vorsicht, weil sie die Erfolgsaussichten der Protestbewegungen skeptisch beurteilen. Gleich mehrere prognostizieren, dass Mubarak in sechs Monaten noch im Amt sein werde. Und selbst wenn er stürze, sei das keine Garantie für mehr Freiheit in Ägypten. Sie verweisen auf die islamische Revolution in Iran und die Hamas im Gaza-Streifen. Bevor die religiös motivierten Hardliner an die Macht kamen, hätten auch sie sich auf Freiheitsrechte und das Prinzip demokratischer Wahlen berufen. Doch als sie dann regierten, war davon keine Rede mehr. In Ägypten gilt die Muslim-Bruderschaft als stärkste Oppositionskraft; wenn der Aufruhr zu freien Wahlen führe, könne die Bruderschaft sie gewinnen, sagen die Experten. Dann könnten es für lange Zeit die letzten freien Wahlen gewesen sein.
- Datum 29.01.2011 - 19:24 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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"wenn der Aufruhr zu freien Wahlen führe, könne die Bruderschaft sie gewinnen, sagen die Experten. Dann könnten es für lange Zeit die letzten freien Wahlen gewesen sein."
Das ist schon ein köstlicher Satz, angesichts 30jähriger Diktatur unter US-Obhut. Wovor der US-Imperialismus viel mehr Angst haben muss, ist festzustellen, dass die islamischen Staaten plötzlich die Demokratie und Freiheitsrechte umsetzen, mit denen die USA seit Jahrzehnten ihre globale blutige Ausbeutungspolitik bemänteln.
1956 Revolution und Demokratie im Iran - Demokratie wird von USA weggeputscht.
1979 wieder Revolution im Iran - Iran wird vom Irak mit US-Unterstützung angegriffen.
1990 Wahlen in Algerien, nach Sieg einer Islamischen Partei, wird der Wahlsieger vernichtet, die Demokratie "auf Eis gelegt" und das mit Unterstützung des Westen
Palästina: Hamas gewinnt Wahlen mit 70%; Boykott von Westen und Unterstützung des Verlierers, der jetzt wie ein Diktator regiert.
"Grund": Hamas soll sich an "Verträge" halten, an die sich Israel selbst nicht hällt. Hamas soll das "Existenzrecht" anerkennen, während Israel das Existenzrecht der Palästinenser in Palästina nicht anerkennt.
Und eben wegen Israel, gegründet für europäische Juden, wird fast jede Diktatur im Nahen Osten bis zum Ende unterstützt. Solange die Juden (für die Palästinenser gilt das nicht) in Israel ihre Demokratie haben, wird in Kauf genommen, dass 300 Mio Araber unterdrückt werden.
Ausserdem ist die Info mit dem Öl falsch. Ägypten hat sehr wohl Öl, es produziert fast 700.000 Barrel täglich, zum Eigenbedarf, fällt die Produktion, warum auch immer, irgendwie aus, dann muss Öl importiert werden oder auf Reserven zurückgegriffen werden. Denn ganz ohne Öl geht es nicht.
Tunesien produziert etwas über 90.000 und exportiert Minimengen. Zusammen sind das zwar "nur" knapp 1% der Weltförderung, aber auch im Jemen werden ~290.000 Barrel produziert, wovon etwa 135.000 exportiert werden. Das ist auch der Grund wieso die Ölpreise Freitag Abend neue Rekorde erreichten.
Außerdem besitzt Ägypten auch nennenswerte Gasreserven, der 13. größte Gasproduzent der Welt und exportiert auch einige Milliarden m³ Erdgas jährlich. Im Jemen gibt es auch Reserven die gerade erschlossen werden.
Außerdem frage ich mich, was passiert wenn die Demonstrationen auf Algerien oder Lygien übergreifen? Allerdings weiß ich zu wenig über die politische Lage in diesen Ländern, ich weiß nur, Algerien ist deutlich ärmer als Lybien, da Lygien wenige Einwohner hat und sehr viel Öl und Gas.
Die gesamte Region ist halt Öl- und Gastechnisch der Reservetank der Welt. Ich dachte, dass zuerst der Iran "umkippt", in Ägypten ist die Bevölkerung auch sehr jung, jeder dritte ist unter 15, noch viel jünger als im Iran. Diese neue Generation wird einen Wandel bewirken in diesen Ländern denke ich, fragt sich nur welchen...
"wenn der Aufruhr zu freien Wahlen führe, könne die Bruderschaft sie gewinnen, sagen die Experten. Dann könnten es für lange Zeit die letzten freien Wahlen gewesen sein."
Freie Wahlen? Also so frei und mit so viel Einfluss auf die Staatsgeschäfte wie unter Mubarak? Das ist wohl ein Witz...
Ok, die freien Wahlen bezogen sich auf die in Zukunft womöglich stattfindenden wahlen.
Dennoch: Wahlen mit der Möglichkeit eines für den Westen unbequemen Gewinners sind besser als keine Wahlen. Vielleicht müsste man sich dann ja ausnamsweise mal mit echten Ambitionen um die Lösung des Palästinenserproblems kümmern. Es ist schon traurig: Immer fordert man regieme change, und wenn dann eine tatsächlich Chance darauf besteht, will man doch lieber Diktatur. Weils so bequem ist...
Ok, die freien Wahlen bezogen sich auf die in Zukunft womöglich stattfindenden wahlen.
Dennoch: Wahlen mit der Möglichkeit eines für den Westen unbequemen Gewinners sind besser als keine Wahlen. Vielleicht müsste man sich dann ja ausnamsweise mal mit echten Ambitionen um die Lösung des Palästinenserproblems kümmern. Es ist schon traurig: Immer fordert man regieme change, und wenn dann eine tatsächlich Chance darauf besteht, will man doch lieber Diktatur. Weils so bequem ist...
interessiert sich nicht für Menschenrechte.
Es geht um Schürfrechte.
Ok, die freien Wahlen bezogen sich auf die in Zukunft womöglich stattfindenden wahlen.
Dennoch: Wahlen mit der Möglichkeit eines für den Westen unbequemen Gewinners sind besser als keine Wahlen. Vielleicht müsste man sich dann ja ausnamsweise mal mit echten Ambitionen um die Lösung des Palästinenserproblems kümmern. Es ist schon traurig: Immer fordert man regieme change, und wenn dann eine tatsächlich Chance darauf besteht, will man doch lieber Diktatur. Weils so bequem ist...
tendiert haben, für Saudi-Arabien galt diese Haltung aber
ganz sicherlich nicht.
Was immer die USamerikanische Politik in dieser Region
bestimmt....es ist mit Sicherheit nicht die Sorge um
Einhaltung von Menschenrechten !
WikiLeaks-Dokumente enthüllen: USA halfen seit Ende 2008 bei Vorbereitungen für den aktuellen Umsturzversuch in Ägypten.
Die Meldung konnte jetzt nicht mehr überraschen, oder doch?
...ist, daß Sie den Müll, den der "Kopp-Verlag" veröffentlicht (der ja auch den Quatsch von Eva Herman einer weitgehend uninteressierten Öffentlichkeit zugänglich macht), nicht nur lesen, sondern auch noch glauben. Und sich natürlich nicht die Mühe machen, die Originalquelle mal anzuschauen. Sonst wär Ihnen nämlich aufgefallen, daß Herr Ulfkotte ganz offensichtlich entweder Probleme mit dem Englischen oder mit der Wahrheit hat. Vielleicht auch beides...
Die Wikileaks-Veröffentlichungen, auf die sich der "Autor" bezieht, enthalten nämlich mitnichten solche Enthüllungen. Man hat Oppositionsmitglieder bei einem Besuch in den USA zu einem Gespräch geladen, sich ihre Pläne angehört und ist nicht der Meinung, daß sie zur Umsetzung in der Lage sind. Das steht in den Dokumenten. Und deshalb wurden die USA von den jüngsten Entwicklungen auch so kalt erwischt.
Aber wenn es gegen die USA oder Israel geht, dann ist wohl keine Verschwörungstheorie zu absurd...
...ist, daß Sie den Müll, den der "Kopp-Verlag" veröffentlicht (der ja auch den Quatsch von Eva Herman einer weitgehend uninteressierten Öffentlichkeit zugänglich macht), nicht nur lesen, sondern auch noch glauben. Und sich natürlich nicht die Mühe machen, die Originalquelle mal anzuschauen. Sonst wär Ihnen nämlich aufgefallen, daß Herr Ulfkotte ganz offensichtlich entweder Probleme mit dem Englischen oder mit der Wahrheit hat. Vielleicht auch beides...
Die Wikileaks-Veröffentlichungen, auf die sich der "Autor" bezieht, enthalten nämlich mitnichten solche Enthüllungen. Man hat Oppositionsmitglieder bei einem Besuch in den USA zu einem Gespräch geladen, sich ihre Pläne angehört und ist nicht der Meinung, daß sie zur Umsetzung in der Lage sind. Das steht in den Dokumenten. Und deshalb wurden die USA von den jüngsten Entwicklungen auch so kalt erwischt.
Aber wenn es gegen die USA oder Israel geht, dann ist wohl keine Verschwörungstheorie zu absurd...
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