Die ägyptische Armee will offenbar die Barrikaden am Tahrir-Platz beseitigen. Augenzeugen berichteten am Samstagnachmittag, dass General Hassan Al-Rawini, der Chef des Zentralkommandos für Kairo, mit einer kleinen Entourage auf den Platz zu den Demonstranten gegangen sei, um sie aufzufordern, die Demonstration aufzulösen und nach Hause zu gehen. Er habe auch darum gebeten, die Barrikaden abzubauen, die die Demonstranten als Schutz gegen Überfälle von bewaffneten Trupps der Regierungspartei NDP errichtet hatten.

Bereits in den frühen Morgenstunden hatte das Militär eine Barrikadenreihe im Norden des Platzes um hundert Meter nach innen verlegt. Außerdem hatten Soldaten begonnen, ausgebrannte Fahrzeuge, die als Barrikaden dienten, zu beseitigen. Daraufhin hatten Protestierer die Soldaten gebeten, die Hindernisse nicht wegzuräumen.

Während der Verhandlungen mit General Al-Rawini skandierten Zuschauer, dass sie den Tahrir-Platz weiter besetzen und weiter demonstrieren werden, bis Mubarak verschwunden sei. Das Aufeinandertreffen zwischen Militärs und Demonstranten sei aber nicht konfrontativ verlaufen, berichten Augenzeugen. Im Gegenteil, via Twitter schreiben Beobachter, Al-Rawini habe gesagt, er wisse, dass die Demonstranten dies alles für ihr Land täten.

Ein Korrespondent der BBC zitiert den General mit den Worten: "Ihr habt das Recht, Euch zu artikulieren, aber bitte erhaltet, was von Ägypten übrig ist." Im Gegenzug hätten diese ihm Blumen geschenkt. Als die Demonstranten jedoch nicht auf seine Forderungen eingingen, verließ Al-Rawini den Platz.

Die Armee spielt in den Auseinandersetzungen zwischen dem Regime des Präsidenten Mubarak und den Demonstranten eine entscheidende Rolle, da sie nach dem Verschwinden der Polizei der einzige Garant der öffentlichen Sicherheit ist. Das Militär hatte vor mehreren Tagen angekündigt, keine Gewalt gegen die Demonstranten einzusetzen. Außerdem bezeichnete es deren Forderungen als "legitim".

Ismail Othman, der Sprecher des Innenministeriums, sagte nach einem Bericht des Senders CNN nun: "Die Armee bleibt neutral und schlägt sich nicht auf eine der Seiten, denn wenn wir eine Seite beschützen, werden wir als voreingenommen gelten. Unsere Aufgabe ist es, Zusammenstöße und Chaos zu verhindern, indem wie die beiden gegnerischen Gruppen trennen."