Kopten und Muslime halten während der Proteste in Kairo ein Kreuz und einen Koran hoch © MOHAMMED ABED/AFP/Getty Images

Naguib Gobraiel (57) ist Professor für Internationales Recht und Vorsitzender der Union ägyptischer Menschenrechtsgruppen (Euhro). Der christliche Rechtsanwalt gehört zu den wichtigsten Stimmen der Kopten, die in Ägypten gegen die Diskriminierung ihrer Kirche kämpfen.

Frage: Vizepräsident Omar Suleiman hat ein Komitee eingesetzt, das eine Reform der Verfassung vorbereiten soll. Wie sind die Kopten in dem Gremium vertreten?

Naguib Gobraiel: Nur ein Mitglied ist Christ, ein Richter. Die anderen zehn sind Muslime, darunter ein Professor von Al-Azhar, aber auch der Präsident des Obersten Verwaltungsgerichts, der früher in allen Fällen von Konversionen gegen die Kopten entschieden hat. Ein anderes Mitglied steht den Muslimbrüdern nahe. Wir haben kein volles Vertrauen in dieses Gremium, dass es die Interessen der Kopten wirklich berücksichtigt.

Frage: Was sind Ihre Hauptforderungen?

Der koptische Menschenrechtler Naguib Gobraiel © Martin Gehlen

Naguib Gobraiel: Wir wollen, dass in Ägypten endlich Religionsfreiheit hergestellt wird. Dazu aber muss der Artikel 2 der Verfassung gestrichen werden, der die Scharia als wichtigste Quelle des Rechts in Ägypten festschreibt. Das widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz in Artikel 40 und dem Artikel 46 über die Religionsfreiheit. Wir wollen künftig in Ägypten einen zivilen, religiös neutralen Staat. Aus unserer Sicht muss nicht die gesamte Verfassung geändert werden, nur die Punkte, die einen zivilen Staat verhindern. Für diese Korrektur ist ein Zeitraum von drei Monaten völlig ausreichend. Wir brauchen kein Referendum über eine vollkommen neue Verfassung.

Frage: Warum ist Ihnen Artikel 2 so wichtig?

Naguib Gobraiel: Er ist die Quelle aller Probleme, die wir Kopten in Ägypten haben. Es fängt an bei den Konversionen, wenn der Vater in Ägypten Muslim wird, werden seine Kinder automatisch auch Muslime und bekommen sogar ihre Namen geändert. Wir werden daran gehindert, Kirchen zu bauen, ja sogar vorhandene Kirchen zu renovieren. Ich treffe mich demnächst mit Omar Suleiman. Ich werde bestürmt von Kopten, die mich anrufen und alle sagen, ich solle mit dem Vizepräsidenten über Artikel 2 sprechen.