Mubaraks Rede Überrumpelte USA reagieren verärgert
Allenthalben war mit seinem Rücktritt in der Nacht gerechnet worden. Mit seinem Beharren auf dem Präsidentenamt hat Hosni Mubarak Kritik in den USA und Europa ausgelöst.
Weltweit war der Rücktritt des Ägyptischen Präsidenten erwartet worden – doch die Hoffnung auf einen Führungswechsel blieben unerfüllt. Das Weiße Haus in Washington brauchte mehrere Stunden, um in einer schriftlichen Botschaft die Enttäuschung des Präsidenten zu übermitteln.
Dem ägyptischen Volk sei eine "Übertragung der Macht" versprochen worden, aber es sei bisher nicht klar, dass dieser Übergang "unverzüglich, bedeutungsvoll und ausreichend" sei, sagte Barack Obama. Er rief die ägyptische Führung auf, sich klar gegenüber dem eigenen Volk und der Welt zu äußern. Das sei ihre Verantwortung.
US-Fernsehkommentatoren sprachen von der bisher schärfsten Washingtoner Stellungnahme seit Beginn der Unruhen in Ägypten.
Obama ging nicht direkt darauf ein, dass Mubarak entgegen allgemeiner Erwartungen nicht seinen Rücktritt erklärte, sondern stattdessen lediglich Machtbefugnisse an Vizepräsident Omar Suleiman übertrug. Er sagte jedoch, die ägyptische Regierung müsse einen "glaubwürdigen, konkreten und unmissverständlichen Pfad in Richtung einer echten Demokratie einschlagen, und sie haben diese Gelegenheit noch nicht beim Schopf ergriffen".
Auch nach Ansicht der EU ist die Zeit für einen Wandel in Ägypten nun angebrochen. Sie werde den Machthabern dort weiter übermitteln, dass "ein geordneter, aussagekräftiger und dauerhafter demokratischer Übergang "nötig sei, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.
An die Adresse des ägyptischen Volkes gerichtet, fügte Ashton hinzu: "Es liegt an Ihnen zu beurteilen, ob die von Präsident Mubarak angekündigten Schritte Ihre Erwartungen und Ansprüche erfüllen." Die EU werde die Antwort des ägyptischen Volkes in den kommenden Stunden und Tagen genau beobachten.
Ebenso äußerte sich Außenminister Guido Westerwelle (FDP) enttäuscht. "Diese Rede hat keine neuen Perspektiven aufgezeigt. Sie war nicht der erhoffte Schritt nach vorn", sagte er. Die Sorgen der Bundesregierung seien "eher größer und nicht kleiner" geworden.
- Politische Situation
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Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak ist seit fast dreißig Jahren an der Macht. Er trat sein Amt am 13. Oktober 1981 an. Seit der Parlamentswahl im vergangenen Herbst hat Mubaraks Regierungspartei NDP (Nationaldemokratische Partei) zwei Drittel aller Sitze im Parlament. Damit können die Abgeordneten auch die Verfassung ändern. Die Opposition ist praktisch ausgeschaltet.
Erfahrungen mit Demokratie hat das ägyptische Volk kaum. Nach dem Sturz von König Faruk im Jahr 1952 wurde das Land zwischen 1954 und 1970 von Revolutionsführer Gamal Abdel Nasser regiert. Er machte aus Ägypten einen sozialistischen Staat, der mehrfach in Konflikt mit dem Nachbarn Israel geriet. Nach Nassers Tod regierte Anwar al-Sadat das Land, er setzte sich für Frieden mit Israel ein. 1981 wurde Sadat von Islamisten ermordet.
- Notstandsgesetze
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Sadats Nachfolger wurde der damalige Vizepräsident Mubarak. Dieser erließ 1982 Notstandsgesetze, die bis heute bestehen und so dem Präsidenten zum autoritären Herrscher machen. Grund für die Notstandsgesetze war der erfolgreiche Anschlag fundamentalistischer Angehöriger der ägyptischen Streitkräfte auf seinen Vorgänger.
2005 versprach Mubarak erstmals eine politische Öffnung des Landes und die Zulassung von unabhängigen Kandidaten zu den Präsidentschaftswahlen. Als die islamistische Muslimbruderschaft bei den Wahlen an Einfluss gewann, wurde der Liberalisierungskurs wieder gekappt.
- Ägypten heute
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Heute leben 80 Millionen Menschen in dem nordafrikanischen Staat. Über 90 Prozent von ihnen sind nach Angaben des Auswärtigen Amts Muslime, rund sechs Prozent sind Christen.
Ein Anschlag auf koptische Christen in Alexandria mit mehr als 20 Toten schürte Angst vor aufkeimendem Radikalislamismus. Bei den jetzigen Demonstrationen seien aber keine entsprechenden Tendenzen zu bemerken, berichten Beobachter.
Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei befürchtete, dass "Ägypten explodiert". Die Armee müsse das Land jetzt retten, forderte er. Ägypten werde weder Mubarak noch Suleiman akzeptieren, sagte er dem US-Sender CNN. "Sie sind Zwillinge." Keiner von beiden sei für das Volk akzeptabel.
Es sei an der Armee, in den kommenden Stunden für Ruhe zu sorgen. Die Menschen hätten es immer für ausgemacht gehalten, dass das Militär an ihrer Seite stehe. Falls die Armee nicht Partei für das Volk ergreife, dann, werde es gewaltsame Zusammenstöße von Armee und Volk geben.
Nach Einschätzung des ägyptischen Botschafters in den USA hat Mubarak alle Macht im Rahmen der Verfassung an Suleiman abgegeben. Suleiman sei jetzt der "De-Facto-Präsident" Ägyptens und damit auch Chef der Streitkräfte, sagte Sameh Shoukry dem Sender CNN.
Für den heutigen Freitag sind weitere Massendemonstrationen zu erwarten. Die Opposition rechnet damit, dass nach dem Freitagsgebeten bis zu 20 Millionen Ägypter auf die Straßen gehen.
- Datum 11.02.2011 - 07:46 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 27
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warum sie (unsere lenker und henker) mubarak erst aus dem amt haben wollten (und die revolte mit - inszenierten) bleibt mir unklar, denn eigentlich war es mubarak, der eine der hauptschlagadern unserer weltwirtschaft (suezkanal) zu unseren gunsten "verwaltete" und auch israel narrenfreiheit garantierte (uns sich damit ein milliardenpolster schuf).
wenn sie jetzt alle so tun, als wären sie wahnsinnig enttäuscht, ist das ein heuchlerischer akt. doch erschreckt dieses verhalten kaum - politische tagesordnung.
De Facto Präsident Suleiman :"Als die US-Regierung 2001 ihren "Krieg gegen Terror" begann, sorgte Suleiman für eine sehr enge Zusammenarbeit der Geheimdienste. Die Bush-Regierung war ihm besonders dankbar dafür, dass die CIA ihr höchst umstrittenes Netz von Geheimgefängnissen für Terrorverdächtige auch an geheimen ägyptischen Plätzen durchführen konnte. Dort also, wo die strengen rechtsstaatlichen Vorschriften der USA nicht gelten. Die in Amerika verbotene Folter musste in ägyptischen Kerkern kein CIA-Problem mehr sein.Der Washingtoner Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Tom Malinowski, wies in der "Washington Post" darauf hin, "dass Suleiman heute von vielen Ägyptern als Amerikas Agent betrachtet wird, der eine Stabilität erhalten soll, die doch nur ein anderes Wort für Diktatur ist." Eine ehemalige Mitarbeiterin an der US-Botschaft in Kairo wiederum erklärte kopfschüttelnd auf NBC: "Wir versuchen, Omar Suleiman zu installieren, weil wir ihn mögen. Doch innerhalb Ägyptens ist er nicht populär. Dort wird er als der Top-Regierungsvertreter betrachtet, der mit Israel verhandelt und für eine weithin unpopuläre Israel-Politik steht. Man verbindet ihn mit Folter im Anti-Terrorkrieg und für die USA. Er hat keine Berührung zum Volk auf der Straße und auch nicht zur politischen Realität."
http://www.tagesschau.de/...
....Suleiman wäre ein Garant der Stabilität in der Region, so weit Autokraten Stabilität liefern. Man könnte ihn als "Putin Lösung" bezeichnen. Das wäre schade, wo man doch eher eine Demokratie hätten haben wollen.
Andererseits wäre das Risiko der "Hamas Lösung" auf ein paar Jahre vermutlich gebannt wäre. Ich glaube zwar eigentlich nicht, dass das Weiße Haus diese Lösung wirklich will, aber Obama will auch sicherlich nicht wie Carter in Erinnerung bleiben als Mann, der ein befreundetes Land an die Islamisten verschenkte.
....Suleiman wäre ein Garant der Stabilität in der Region, so weit Autokraten Stabilität liefern. Man könnte ihn als "Putin Lösung" bezeichnen. Das wäre schade, wo man doch eher eine Demokratie hätten haben wollen.
Andererseits wäre das Risiko der "Hamas Lösung" auf ein paar Jahre vermutlich gebannt wäre. Ich glaube zwar eigentlich nicht, dass das Weiße Haus diese Lösung wirklich will, aber Obama will auch sicherlich nicht wie Carter in Erinnerung bleiben als Mann, der ein befreundetes Land an die Islamisten verschenkte.
....dass das alte Regime versucht eine Machtübergabe innerhalb der Junta durch zu ziehen, also die Autokratie retten will.
....Suleiman wäre ein Garant der Stabilität in der Region, so weit Autokraten Stabilität liefern. Man könnte ihn als "Putin Lösung" bezeichnen. Das wäre schade, wo man doch eher eine Demokratie hätten haben wollen.
Andererseits wäre das Risiko der "Hamas Lösung" auf ein paar Jahre vermutlich gebannt wäre. Ich glaube zwar eigentlich nicht, dass das Weiße Haus diese Lösung wirklich will, aber Obama will auch sicherlich nicht wie Carter in Erinnerung bleiben als Mann, der ein befreundetes Land an die Islamisten verschenkte.
dass der Gegenentwurf zur Diktatur in Ägypten zwingend die "Hamas-Lösung" wäre?
Sie bezeichnen den Iran unter dem Diktator Mohammad Reza Schah Pahlavi als befreundete Nation? Klar befreundet, aber um welchen Preis für die persische Bevökerung und um welchen Preis für die westliche Glaubwürdigkeit?
Also da gehe der Glaubwürdigkeit halber lieber das Risiko einer freien Wahl der Bevökerung des jeweiligen Landes ein.
Ganz abgesehen davon belegen die Ereignisse in der arabischen Welt durch in fulminanter Weise, daß es denen eben nicht um Extremismus geht sondern um eine Lebensperspektive außerhalb religiöser Spinnereien. Meinen Sie nicht auch?
dass der Gegenentwurf zur Diktatur in Ägypten zwingend die "Hamas-Lösung" wäre?
Sie bezeichnen den Iran unter dem Diktator Mohammad Reza Schah Pahlavi als befreundete Nation? Klar befreundet, aber um welchen Preis für die persische Bevökerung und um welchen Preis für die westliche Glaubwürdigkeit?
Also da gehe der Glaubwürdigkeit halber lieber das Risiko einer freien Wahl der Bevökerung des jeweiligen Landes ein.
Ganz abgesehen davon belegen die Ereignisse in der arabischen Welt durch in fulminanter Weise, daß es denen eben nicht um Extremismus geht sondern um eine Lebensperspektive außerhalb religiöser Spinnereien. Meinen Sie nicht auch?
Hier liegt auch eine Chance für Europa/USA sich endlich von den Dikttoren der Welt, die für eine "uns genehme Stabilität" sorgen, zu verabschieden, und ein bischen politische Glaubwürdigkit zurückzugewinnen.
AN DIE REDAKTION: Bitte korrigieren Sie die Schreibweise von LIBYEN auf der Zeit-Online Karte oben, dann macht es noch mehr Spass, darauf zu klicken. Danke!
Danke für Ihren Hinweis. Wir haben die Karte korrigiert.
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... in der Situation des Zauberlehrlings, der seinen lange nützlichen Lakaien ( den alten Besen ) in dem Moment wo er nichts mehr nützt, sondern beginnt zu schaden, nicht mehr rechtzeitig loswerden können... ... .
wenn es ihnen an das eigene fell geht, sind unsere politiker doch genauso. Die würden auch nicht freiwillig gehen, weil ein paar untergebene demonstrieren.
Israel wird wohl weiterhin als einzige Demokratie dargestellt werden (wollen), einfach weil die israelische und westliche Regierungen als auch die Maechte in z.B. Saudi Arabien vor der demokratischen Reaktion der Bevoelkerungen in den Nachbarlaendern Angst haben. Dabei geht es ihnen dort in erster Linie um eine Zukunft fuer die eigene Bevoelkerung. Bisher waren amerikanische und israelische Flaggen in Flammen nicht zu sehen...und so wird es wohl auch bleiben. Hoffentlich bleibt das grosse Blutvergiessen aus...
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