Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija hat am Samstagabend gemeldet, der ägyptische Präsident Hosni Mubarak sei als Vorsitzender der regierenden Partei zurückgetreten. Kurz darauf zog der Sender die Meldung wieder zurück. Rücktritte allerdings gab es, wenn auch nicht den von Mubarak.

Das Exekutivkomitee der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) trat zurück. Auch Mubaraks Sohn Gamal verlor dabei seine Parteiämter. Gamal Mubarak galt lange als möglicher Nachfolger des amtierenden Präsidenten.

Wie das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, bestimmten die Mitglieder den als liberal geltenden Hossam Badrawi zum neuen Generalsekretär der Partei. Badrawi löste zugleich den Präsidentensohn auf dem Posten des Vorsitzenden des politischen Komitees der Partei ab.

Außerdem reichte der Generalsekretär der Partei, Safwat al-Scherif, der zur alten Garde der NDP zählte, seinen Rücktritt ein. Mit Sakarija Asmi und Mufid Schehab legten zwei weitere Getreue von Präsident Mubarak ihre Parteiämter nieder. Die Tatsache, dass die Partei Badrawi sofort zum Nachfolger von Al-Scherif und Gamal Mubarak ernannte, deutet darauf hin, dass zumindest diese beiden Männer zum Rücktritt gedrängt worden waren. Badrawi ist ein führender Vertreter des Reformflügels der Partei.

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Ungewiss ist weiter, wie lange der seit fast 30 Jahren amtierende Mubarak den Posten des Staatschefs noch behalten wird. Wie das ägyptische Staatsfernsehen berichtet, haben der kürzlich ernannte Vizepräsident Suleiman und die Teile der Opposition Gespräche begonnen. Auch US-Außenamtssprecher Philip Crowley bestätigte das via Twitter. Zuvor hatte Hillary Clinton auf der Münchener Sicherheitskonferenz signalisiert, dass die Obama-Regierung einen von Suleiman moderierten Übergang befürwortet. 

In vielen Städten Ägyptens finden seit Tagen große Demonstrationen gegen das Regime statt. Mubarak hatte darauf vor einigen Tagen mit der Ankündigung reagiert, bei den im September anstehenden Präsidentschaftswahlen nicht mehr anzutreten. Die Opposition verlangt weiterhin seinen sofortigen Rücktritt. Auch die mit Ägypten verbündeten USA und die EU fordern sofortige Reformen. Allerdings meinen sie damit keinen Rücktritt, sondern einen möglichst geordneten Übergang.