Die algerische Polizei während Proteste der algerischen Jugend © Stringer/dpa

Während in Ägypen gefeiert wird, kam es am Samstag in Algerien zu Gewalt: In der Hauptstadt Algier haben Sicherheitskräfte mit Gewalt einen Protestmarsch von Regimegegnern verhindert. Am Startpunkt der nicht genehmigten Demonstration in der Innenstadt prügelten Polizisten mit Schlagstöcken auf Demonstranten ein, die Absperrungen durchbrechen wollten. Rund 200 Personen, darunter auch Oppositionspolitiker, wurden nach Angaben von Regimegegnern festgenommen. Der von Organisatoren der Demonstration erhoffte Volksaufstand nach ägyptischem und tunesischem Vorbild blieb aus. Über Verletzte gab es auch am Abend noch keine Angaben.

Zuvor hatten bei der Demonstration rund 2000 Protestteilnehmer auf dem Platz des 1. Mai in der Hauptstadt Algier eine Polizeiabsperrung durchbrochen. Die Polizei hatte versucht, die Kundgebung mit einem Großaufgebot zu verhindern. Die Demonstranten wollten ihren Marsch dennoch wie geplant abhalten. Die Behörden hatten den Marsch verboten mit der Begründung, die öffentliche Ordnung schützen zu wollen. Es gehe nicht darum, Dissens zu unterdrücken, erklärten sie.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt über die Entwicklung in Algerien. Er ermahnte die Führung des Landes "auf jede Form von Gewalt zu verzichten". Westerwelle besuchte am Samstag das Nachbarland Tunesien. Er sagte, es dürfe gegen "freiheitsliebende Menschen" keine Gewalt geben.

Gegner des autoritären algerischen Präsidenten Abdelasis Bouteflika hatten trotz des Demonstrationsverbots für Samstag zu Massenprotesten in der Hauptstadt aufgerufen. Sie wollten für mehr Freiheit, Arbeit und einen Regierungswechsel auf die Straße gehen. "Wir sind bereit für den Marsch", sagte RCD-Sprecher Mohcine Belabbas, bevor die Demonstration begann. "Das wird ein großer Tag für die Demokratie in Algerien."

Die algerische Staatsspitze hatte die Hauptstadt Algier bereits am Samstagmorgen komplett abriegeln lassen. Der Zugverkehr wurde ausgesetzt, zahlreiche Straßensperren behinderten den Verkehr, berichtete die Tageszeitung El Watan im Internet. Rund 30.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz, um die Demonstrationen zu verhindern. Die Polizisten seien "bis an die Zähne" bewaffnet gewesen. Reporter am Ort berichteten, der Aufmarsch solle offensichtlich auch Journalisten einschüchtern.

Erst am Freitagabend hatten Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Algier eine spontane Kundgebung von Regimegegnern niedergeschlagen, die als Reaktion auf den Machtwechsel in Ägypten auf die Straße gegangen waren. Dabei wurden einem Vertreter der Oppositionspartei RCD zufolge zehn Demonstranten verletzt, zwei von ihnen schwer. Seit Wochen gibt es in dem nordafrikanischen Mittelmeerland nahezu täglich Streiks. Junge Algerier versuchen, mit Selbstverbrennungen und Hungerstreiks auf die Perspektivlosigkeit in ihrem Land aufmerksam zu machen. Seit Anfang des Jahres starben mehrere Menschen an Brandverletzungen, die sie sich selbst zugefügt hatten. Beschwichtigungsversuche des Regimes blieben bislang erfolglos. Bouteflika hatte unter anderem Preissenkungen für Grundnahrungsmittel, mehr Demokratie und ein Ende des seit 19 Jahren andauernden Ausnahmezustands versprochen.

Die Opposition warnt vor einem blutigen Bürgerkrieg. "Wenn die Machthaber sich gegen einen friedlichen und demokratischen Wandel sperren, wird es Chaos und Gewalt geben, und das sogar noch mehr als in Tunesien und Ägypten", sagte Said Sadi, der Vorsitzende der RCD-Partei. Schon bei Protesten im Januar hatte es Hunderte Verletzte und mehrere Tote gegeben.