Arabische Revolten Warum das kleine Bahrain wichtig ist

Im Golfstaat begehrt die schiitische Bevölkerungsmehrheit gegen die regierenden Sunniten auf. Die USA bringt das abermals in eine Zwickmühle.

Angst vor den Regierungsgegnern in Bahrain: Die Armee sperrt den Perlen-Platz in der Stadt Manama ab

Angst vor den Regierungsgegnern in Bahrain: Die Armee sperrt den Perlen-Platz in der Stadt Manama ab

Nun wird also auch im Königreich Bahrain am Persischen Golf demonstriert. In der Nacht zum Donnerstag kam es dort zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei. Mindestens vier Oppositionelle starben in der Hauptstadt Manama, rund 95 Menschen wurden verletzt. Bahrain ist zwar ein kleines Land, gerade einmal 1,3 Millionen Menschen leben dort, die Hälfte davon nicht-einheimische Arbeiter. Käme es in dem Inselstaat aber zu politischen Umwälzungen wie in Tunesien oder Ägypten, hätte das eine erhebliche Tragweite.

Direkt betroffen wären das Nachbarland Saudi-Arabien sowie die USA, ein lachender Dritter könnte Iran werden. Der wesentliche Grund dafür ist, dass 70 Prozent der Bahrainer Schiiten sind, die Herrscherfamilie aber der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam anhängt. Die Schiiten werden sozial benachteiligt und haben ihren Ärger darüber in den vergangenen Jahren auch kundgetan.

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Der Golfstaat wird von König Hamad bin Issa al-Chalifa und seiner Familie beherrscht. Er setzt die Regierung ein, Parteien sind nicht zugelassen. Bahrain ist eigentlich nicht arm, es hat sein erstes Vermögen mit Gas- und Ölvorkommen gemacht, die 1932 entdeckt wurden. In absehbarer Zeit werden diese jedoch versiegen. Die Regierung hat daher eine wirtschaftliche Liberalisierungspolitik begonnen. Inzwischen ist Bahrain zu einem wichtigen Dienstleistungszentrum im Nahen Osten geworden. Der Schwerpunkt liegt im Finanzsektor, es wird Offshore-Banking betrieben und auch die Besonderheiten des islamischen Bankwesens werden hier berücksichtigt.

Gesellschaftlich gehört das Land zu den liberalsten am Golf. Es gibt Bars und Diskotheken, Alkohol wird ausgeschenkt. 2002 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Außenpolitisch ist Bahrain auf den Westen ausgerichtet, die USA haben im Inselstaat die Basis ihrer Fünften Flotte stationiert. Mit Amerika besteht seit 2006 auch ein Freihandelsabkommen. Wichtigster Partner in der Region ist Saudi-Arabien, mit dem der Inselstaat über einen Fahrdamm, dem King Fahd Causeway, verbunden ist.

Trotz seiner Offenheit schwärt der Konflikt zwischen der benachteiligten Schiiten-Mehrheit und der Regierung Bahrains schon seit Jahren in unterschiedlicher Intensität. Schon seit Mitte der neunziger Jahre klagen die Schiiten, dass sie von der sunnitischen Minderheit vom Wohnungsmarkt, dem Gesundheitswesen und staatlichen Arbeitsplätzen ausgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr kam es zu nächtlichen Zusammenstöße zwischen verärgerten jungen Schiiten und der Polizei, Reifen brannten, Molotowcocktails wurden geworfen.

Viele Schiiten leben in verarmten und vernachlässigten Wohnvierteln, die Arbeitslosigkeit unter ihnen ist hoch. Gleichzeitig lässt die Regierung günstige Arbeitskräfte aus süd- und ostasiatischen Ländern einreisen. Zudem erhalten sunnitische Einwanderer schnell die bahrainische Staatsangehörigkeit sowie Jobs in Armee und Polizei. Den Schiiten gilt dies als Versuch, die demografischen Verhältnisse zwischen den Glaubensgruppen zu verschieben.

Leser-Kommentare
  1. was in der Region und naher Umgebung noch passiert.

    Danke für diesen Artikel.

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  2. Das Volk spielt überhaupt keine Rolle, nur geostrategische Gesichtspunkte sind wichtig.

    11 Leser-Empfehlungen
    • joG
    • 17.02.2011 um 18:24 Uhr

    ....richtig. Es gibt eine ganze Reihe Schwierigkeit, wenn sich Autokratien auflösen. Dennoch sehe ich kein wirkliches Problem für die USA das die Vorteile in irgendeiner Weise überwöge. Eine liberale Ordnung ob konstitutionelle Monarchie oder Demokratie ist langfristig wahrscheinlich stabiler als eine restriktivere Staatsform. Genau das braucht man dort und ist seit vielen Jahren das Bestreben amerikanischer Außenpolitik in der Region. Man hätte es natürlich lieber gesehen, wenn die Bewegung von den Herrschern ausgegangen wäre, weil solche Prozesse planbarer scheinen und solche Katastrophen wie nach dem Sturz des Schahs unwahrscheinlicher sind.

  3. Zuerst wird im Artikel geschrieben, dass der Koenig die Regierung einsetzt und Parteien nicht zugelassen sind. Etwas darunter im Artikel gibt es auf einmal Frauenwahlrecht in Bahrain. Hoert sich fuer mich widerspruechlich an. Was wird dort gewaehlt? Bitte um Aufklaerung

  4. Der inzwischen wohl dienstälteste britische Nahost-Korrespondent Robert Fisk, der die Region zwischen Marokko und Pakistan seit Jahrzehnten kennt, reflektiert das Verhalten der fast durchweg amerikanisch gesponsorten Diktaturen.
    Es ergibt sich das Bild eines Universums der Gewalt und der Folter, in dem sich die Beteiligten austauschen über die geeigneten Methoden der Unterdrückung, über adäquate Formen der Brutalität, die von den westlichen Ländern stillschweigend toleriert wurden.
    http://www.independent.co...

    Im Fall der USA beschränkte sich dies nicht auf Toleranz, sondern inkludierte die aktive Teilnahme: man nutzte die "Dienstleistungen" dieser arabischen Partner bekanntlichermassen, um eigene Gefangene dort einschlägig "zu behandeln".
    Ägyptischer Ansprechpartner für diese "Dienstleistungen" war Geheimdienstchef Omar Suleiman, also derselbe Herr, den die US-Regierung noch vor einer Woche auserkoren hatte, anstelle von Mubarak die Macht im Land zu übernehmen.
    http://www.ftd.de/politik...

    Was wir also von der amerikanischen Regierung jenseits von PR-trächtigen Lippenbekenntnissen für Freiheit und Demokratie zu erwarten haben, wurde uns damit wieder anschaulich verdeutlicht.

    Auch im Fall Bahrains dürfte kaum Anderes, als die Wahrnehmung eigener Interessen, berücksichtigt werden.

  5. Und wieder einmal wird der Iran wie selbstverständlich als Diktatur bezeichnet. Natürlich, die Wahlen waren ja gefälscht. Beweise? Ach, brauch doch keiner. Man muss es nur oft genug wiederholen, irgentwann glaubt es schon jeder...

    Denn dies könnte den Einfluss der Diktatur in Iran auf die Golfstaaten erhöhen.

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    Umgekehrt wird ein Schuh draus: Entgegen bisheriger westlicher Lesart ist Bahrain keineswegs ein Rechtsstaat oder zumindest ein Freundstaat, sondern genau wie das Regime im Iran eher gegen Bürgerrechte.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus: Entgegen bisheriger westlicher Lesart ist Bahrain keineswegs ein Rechtsstaat oder zumindest ein Freundstaat, sondern genau wie das Regime im Iran eher gegen Bürgerrechte.

  6. Da überall die Shiitische Mehrheit durch die Sunnitische Minderheit unterdrückt wird, keimt langsam der Verdacht auf, daß Ahmadineschad ebenfalls eine geklonter Sunnit ist.

    Außerdem maßt er sich an der Erlöser, der MAHDI zu sein.

    Bei seiner letzten Reinkarnation hat ALI, der richtige MAHDI, allerdings den Gottesstaat gemieden und lieber ein Land in Europa aufgesucht.

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    In Umschrift aus dem Farsi heißt der iranische Präsident: Ahmadinedschad. Der Name ist arabischen Ursprungs und heißt etwa: "Familie der Ahmadi aus Nedschd".
    - "Ahmad" ist eine Bezeichnung für Muhammad (siehe Koran, Vers 61:6), Ahmadi ist der daraus gebildete Familienname.
    - "Nedschd" bezeichnet allgemein eine Hochebene, spezieller die Hochebene von Zentralarabien. Offenbar sind Ahmadinedschads Vorväter und -mütter vor langer Zeit in eine Stadt gezogen, in der es schon eine Familie Ahmadi gab. Zur Unterscheidung gab man ihnen den Beinamen "Ahmadi min Nedschd" - die Ahmadi vom Hochland.

    Sowohl im Arabischen, als auch im Farsi trägt die Stellung der Konsonanten, "Wurzel" genannt, den Sinn des Wortes. Die Wurzeln "H-D" (anweisen, leiten, im Passiv MHD - Geführter) sind völlig verschieden vom "H-M-D" (loben, preisen; im Passiv M-H-M-D - Gepriesener).
    Die beiden Worte sind so verschieden wie Ochs und Klavier.

    In Umschrift aus dem Farsi heißt der iranische Präsident: Ahmadinedschad. Der Name ist arabischen Ursprungs und heißt etwa: "Familie der Ahmadi aus Nedschd".
    - "Ahmad" ist eine Bezeichnung für Muhammad (siehe Koran, Vers 61:6), Ahmadi ist der daraus gebildete Familienname.
    - "Nedschd" bezeichnet allgemein eine Hochebene, spezieller die Hochebene von Zentralarabien. Offenbar sind Ahmadinedschads Vorväter und -mütter vor langer Zeit in eine Stadt gezogen, in der es schon eine Familie Ahmadi gab. Zur Unterscheidung gab man ihnen den Beinamen "Ahmadi min Nedschd" - die Ahmadi vom Hochland.

    Sowohl im Arabischen, als auch im Farsi trägt die Stellung der Konsonanten, "Wurzel" genannt, den Sinn des Wortes. Die Wurzeln "H-D" (anweisen, leiten, im Passiv MHD - Geführter) sind völlig verschieden vom "H-M-D" (loben, preisen; im Passiv M-H-M-D - Gepriesener).
    Die beiden Worte sind so verschieden wie Ochs und Klavier.

  7. Facebook-Seite über den Zorn in Bahrain

    http://www.facebook.com/p...

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