Angst vor den Regierungsgegnern in Bahrain: Die Armee sperrt den Perlen-Platz in der Stadt Manama ab © Joseph Eid/AFP/Getty Images

Nun wird also auch im Königreich Bahrain am Persischen Golf demonstriert. In der Nacht zum Donnerstag kam es dort zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei . Mindestens vier Oppositionelle starben in der Hauptstadt Manama, rund 95 Menschen wurden verletzt. Bahrain ist zwar ein kleines Land, gerade einmal 1,3 Millionen Menschen leben dort, die Hälfte davon nicht-einheimische Arbeiter. Käme es in dem Inselstaat aber zu politischen Umwälzungen wie in Tunesien oder Ägypten, hätte das eine erhebliche Tragweite.

Direkt betroffen wären das Nachbarland Saudi-Arabien sowie die USA, ein lachender Dritter könnte Iran werden. Der wesentliche Grund dafür ist, dass 70 Prozent der Bahrainer Schiiten sind, die Herrscherfamilie aber der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam anhängt. Die Schiiten werden sozial benachteiligt und haben ihren Ärger darüber in den vergangenen Jahren auch kundgetan.

Der Golfstaat wird von König Hamad bin Issa al-Chalifa und seiner Familie beherrscht. Er setzt die Regierung ein, Parteien sind nicht zugelassen. Bahrain ist eigentlich nicht arm, es hat sein erstes Vermögen mit Gas- und Ölvorkommen gemacht, die 1932 entdeckt wurden. In absehbarer Zeit werden diese jedoch versiegen. Die Regierung hat daher eine wirtschaftliche Liberalisierungspolitik begonnen. Inzwischen ist Bahrain zu einem wichtigen Dienstleistungszentrum im Nahen Osten geworden. Der Schwerpunkt liegt im Finanzsektor, es wird Offshore-Banking betrieben und auch die Besonderheiten des islamischen Bankwesens werden hier berücksichtigt.

Gesellschaftlich gehört das Land zu den liberalsten am Golf. Es gibt Bars und Diskotheken, Alkohol wird ausgeschenkt. 2002 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Außenpolitisch ist Bahrain auf den Westen ausgerichtet, die USA haben im Inselstaat die Basis ihrer Fünften Flotte stationiert. Mit Amerika besteht seit 2006 auch ein Freihandelsabkommen. Wichtigster Partner in der Region ist Saudi-Arabien, mit dem der Inselstaat über einen Fahrdamm, dem King Fahd Causeway, verbunden ist.

Trotz seiner Offenheit schwärt der Konflikt zwischen der benachteiligten Schiiten-Mehrheit und der Regierung Bahrains schon seit Jahren in unterschiedlicher Intensität. Schon seit Mitte der neunziger Jahre klagen die Schiiten, dass sie von der sunnitischen Minderheit vom Wohnungsmarkt, dem Gesundheitswesen und staatlichen Arbeitsplätzen ausgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr kam es zu nächtlichen Zusammenstöße zwischen verärgerten jungen Schiiten und der Polizei, Reifen brannten, Molotowcocktails wurden geworfen.

Viele Schiiten leben in verarmten und vernachlässigten Wohnvierteln, die Arbeitslosigkeit unter ihnen ist hoch. Gleichzeitig lässt die Regierung günstige Arbeitskräfte aus süd- und ostasiatischen Ländern einreisen. Zudem erhalten sunnitische Einwanderer schnell die bahrainische Staatsangehörigkeit sowie Jobs in Armee und Polizei. Den Schiiten gilt dies als Versuch, die demografischen Verhältnisse zwischen den Glaubensgruppen zu verschieben.