Ägypten Bruder und Schwester gegen Mubarak
Sie sind Geschwister und demonstrieren gegen das ägyptische Regime, er in Kairo, sie in Berlin. Beide wollen, dass der Präsident schnell stürzt.
© MOHAMMED ABED/AFP/Getty Images

Ein Demonstrant schwingt eine Fahne auf dem Tahrir-Platz in Kairo
Amal Fahat (*Name geändert) demonstriert gegen Hosni Mubarak – so oft es geht, so lange sie kann. Doch als Teil der ägyptischen Revolution im Jahr 2011 fühlt sie sich nicht, auch wenn sie so gerne dazu gehören würde. Amal Fahat ist Ägypterin, lebt aber seit sechs Jahren in Berlin. Den Aufstand in ihrem Heimatland beobachtet sie aus der Ferne und bringt den Protest auf die Straßen der deutschen Hauptstadt.
Was auf den Straßen Kairos passiert, erfährt sie von ihrem Bruder Mohamad*. Er protestiert seit Tagen bis spät in die Nacht hinein gegen das ägyptische Regime. Den Tahrir-Platz, wo Tausende Regierungsgegner gemeinsam ausharren und den Sturz des Pharaos, das Ende von Mubaraks dreißigjähriger Herrschaft fordern. Eigentlich arbeitet Mohamed als Arabischlehrer in Kairo. Da die meisten Ausländer inzwischen das Land verlassen haben, wurden alle Sprachkurse abgesagt. Seine ganze Zeit investiert er nun, um gegen Mubarak zu demonstrieren.
In Amals Kopf dreht sich ebenfalls alles um Mubaraks Rücktritt. Auf ihr Politikstudium kann sie sich kaum konzentrieren. Aber um sie herum geht das Leben normal weiter. Touristen gehen einkaufen, während sie und eine kleine Gruppe weiterer Demonstranten den Kurfürstendamm zur Gedächtniskirche entlang laufen und rufen: "Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Mubarak Gute Nacht."
Mohamad wohnt im Zentrum Kairos. Fast alle Geschäfte waren die letzen Tage geschlossen. "Viele Menschen sind aus Angst zu Hause geblieben", sagt der 34-Jährige. Denn oft höre man Schüsse. Er selbst war bislang jeden Tag auf dem Tahrir-Platz. Zwei Minuten wohnt er von ihm entfernt. Mohamad hofft, dass die Proteste trotz Gewalt durch Gegendemonstranten und Drohungen der Sicherheitskräfte weitergehen.
Amal sorgt sich um ihren Bruder. Mehrmals täglich ruft sie ihn an, um sich zu vergewissern, dass es ihm gut geht. Vor drei Tagen wurde er durch einen Stein am Kopf verletzt. Die Wunde musste genäht werden. "Über Stunden konnte ich ihn nicht erreichen", sagt Amal. Sie kann die Situation in Kairo von Berlin aus schwer einschätzen. Wenn sie dann in den Medien sieht, wie Demonstranten verletzt werden, fühlt sie sich hilflos.
Demonstrieren, dass ist das einzige, was Amal tun kann. So will sie ihre Solidarität für die ägyptische Bewegung zeigen. Mit einem Plakat vor der Brust geschnürt, versucht sie an so vielen Demonstrationen in Berlin wie möglich teilzunehmen. "Jas’qod, Jas’qod, Hosni Mubarak" – Nieder mit Mubarak – skandiert sie wie die Demonstranten in Ägypten.
Der ägyptische Präsident hat in seiner Rede angekündigt, nicht noch einmal anzutreten – doch das reicht den Geschwistern nicht. Amal weiß jedoch, dass viele ihrer ägyptischen Freunde mit Mubaraks Ankündigung zufrieden sind. Sie verfolgt alles über Facebook. "Viele haben ihr Profilbild mit einem Bild von Mubarak ausgetauscht", sagt sie. "Sie wollen zurück zum alltäglichen Leben und sind jetzt dagegen, weiter zu protestieren."
- Datum 09.02.2011 - 10:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Liebe Ägypter, durch unsere Presse wurde uns eurer Anliegen näher gebracht. Wir wurden mitgerissen und sind sicher, daß Ihr in eine "friedliche" und offene Zukunft steuert, ähnlich der unseren.
Natürlich habt ihr den Islam und Stammesstrukturen überwunden. Sollte dies nicht der Fall sein, können wir helfen. Wir arbeiten an einem bunten Europa und ihr seit uns genauso willkommen, wie der erhöhte Flüchtlingsstrom der nun durch die durchlässige Membran dringt, welche einst ein stabiles Nordafrika war. Ist dies nicht bereichernd und wunderbar? Herrlich!
Wir senden euch alles Gute und alle moralische Unterstützung die wir senden können. Sollte dies nicht helfen kommen wir Euch auch mit Geld entgegen, Öttinger hat schon angedeutet die Strompreise würden sich erhöhen, die Regierungen haben dann mehr zu verteilen, da fällt auch für euch was ab.
Anm: Bitte argumentieren Sie sachlich und vermeiden Sie Polemik. Danke. Die Redaktion/lv
Die Proteste jetzt einzustellen nur weil Mubarak oder seine Vertreter Versprechungen machen, dürfte für die Demonstranten so gut wie das Todesurteil sein.Wenn der Diktator bisher durch die USA und Europa noch einigermaßen in Schach gehalten wurde-nach dieser Revolution wird Mubarak,sollten er oder seine Getreuen Teile ihrer Macht erhalten,Rache für die Demütigungen am ägyptischen Volk nehmen.Und ob der Westen durch sein unsägliches Verhalten dann noch als Ansprechpartner fungieren kann ist eher unwahrscheinlich.Der Westen kann in Ägypten ohne Mubarak Probleme bekommen,mit Mubarak wird er Probleme bekommen.
Liebe Ironia,
vielen lieben Dank, dass sie sich herabgelassen haben, nicht in meinem Namen (uns), von Ihrem hohen Ross herunter, den Ägyptern ihre Komplimente um die Ohren zu schlagen.
Sie verwechseln Ägypten mit der Sahara. Ägypten ist älter als 7000 Jahre und keine Stammeskultur. Der Islam ist keine ägyptische Religion sondern eine, die in Ägypten ausgeübt werden muss.
Der Mut der ägyptischen Jugend, ihr beharrliches andauerndes Drängen nach Selbstbestimmung und Freiheit, hat mich sehr beeindruckt und ich bedanke mich bei 'unserer' Presse für die wohlwollende und umfangreiche Berichterstattung. Mir gefiele, wenn sich Ägypten befreien könnte und sozusagen das arabische Amerika des Nahen Ostens würde; und Alexandria das Heidelberg des Mittelmeers. Ich jedenfalls werde die jungen Ägypter dabei unterstützen, die Steinzeit abzuschütteln, denn ich bin auf ihre Erfindungen und ihre Entwicklungen gespannt. Sie sind viel zu intelligent, um als Kameltreiber zu enden, die Touristen um Pyramiden führen und um Allmosen betteln müssen. Das kann nicht die Zukunft der Ägypter sein.
Mfg N.Z.
"erhöhte Flüchtlingsstrom der nun durch die durchlässige Membran dringt"
Nun, warum gibt es denn so viele Flüchtlingsströme aus Afrika hinaus? Genau! Weil die wirtschaftliche und politische Lage dort so miserabel ist.
Und warum gibt es jetzt Revolutionen? Genau! Weil daran etwas geändert werden soll. Und sicherlich, wenn die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen in Afrika und Arabine besser werden, dann ist das geradezu der Anreiz um von dort abzuhauen.
Die Despoten die dort jetzt weggejagt werden, sind nicht Garanten für Stabilität, sondern Garanten für Stagnation und genau diese befördert die Flüchtlingsströme.
Wie man dermaßen Ursache und Wirkung verwechseln kann, das ist mir schleierhaft.
E i n e Hauptursache für die schlechte Lage der Menschen ist die enorme Bevölkerungsexplosion dort. Bei einem jährlichen Zuwachs von etwa 1 Mio wächst auch die Zahl derer ohne Jobs selbst dann, wenn die Wirtschaft gut wächst. Allein das Erhalten des Status Quo würde Wachstumsraten von etwa 8 % erfordern. Jede demokratische Regierung nach Mabarak steht vor diesem Problem, das kaum zu lösen ist und sich eher noch verschlimmern könnte.
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