Flüchtlinge Mission Abschiebung

Europas Grenzschutzagentur Frontex bereitet sich auf weitere Flüchtlinge aus Nordafrika vor. Koordiniert wird ihr umstrittenes Vorgehen von Warschau aus.

Flüchtlinge landen auf der Insel auf Lampedusa (Archivbild vom 20. Februar 2011)

Flüchtlinge landen auf der Insel auf Lampedusa (Archivbild vom 20. Februar 2011)

Der gläserne Büroturm ragt hoch in den Himmel über Warschau. In den oberen Etagen haben die 287 Mitarbeiter der europäischen Grenzschutzagentur Frontex ihren Arbeitsplatz – weit entfernt vom Mittelmeer, wo Pessimisten täglich ein Flüchtlingsdrama erwarten. Und auch in der Frontex-Zentrale herrscht Alarmstimmung. "Mein Zeitbudget ist knapp", sagt der finnische Brigadegeneral Ilkka Laitinen. Der 48-Jährige ist so etwas wie Europas Chef-Grenzschützer.

Fünf Etagen hat Frontex in dem Gebäude an der Johannes-Paul-II-Allee in Beschlag genommen. Sicherheitsschleusen schotten das Lagezentrum im 23. Stock ab. Bilder von Rettungseinsätzen auf hoher See schmücken die Flure. Seit gut einer Woche koordiniert die Operative Abteilung von hier aus die "Mission Hermes 2011".

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In der griechischen Mythologie ist der Götterbote Hermes der Schutzpatron der Reisenden. Im Hier und Jetzt dient er als Namensgeber für einen Einsatz, dessen "vorrangiges Ziel die Rückführung illegaler Einwanderer" ist. So beschreibt Laitinen die Situation auf der italienischen Insel Lampedusa. Rund 6000 Flüchtlinge, vor allem aus Tunesien, sind dort eingetroffen, seit die Menschen in den Maghreb-Staaten gegen die Herrschaft korrupter Despoten rebellieren. Auf der 20 Quadratkilometer kleinen Insel, die nur rund 130 Kilometer von der afrikanischen Küste entfernt ist, suchen sie Zuflucht. Warum riskieren sie die gefährliche Überfahrt?

Laitinen hat sich sein Bild gemacht. "Von den Tunesiern, die in den vergangenen Wochen auf Lampedusa eingetroffen sind, hat nur eine Handvoll um Asyl gebeten", sagt der früh ergraute Finne mit dem militärischen Kurzhaarschnitt. "Wir haben es mit Wirtschaftsflüchtlingen zu tun", erklärt er.

Menschenrechtler sehen das anders. Ruth Jüttner, Nordafrika-Expertin von amnesty international, wirft Frontex und dem italienischen Grenzschutz vor, seit mindestens zwei Jahren systematisch gegen die Genfer Flüchtlingskonvention zu verstoßen. "Die Migranten müssen darüber aufgeklärt werden, dass sie einen Asylantrag stellen können – selbst wenn die Küstenwache sie auf offener See aufgreift", sagt Jüttner im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "In der Realität schieben die Grenzschützer die Flüchtlinge schnellstmöglich ab", kritisiert sie.

Auch der Flüchtlingsexperte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, spricht mit Blick auf die Hermes-Mission von einer "groben Missachtung menschenrechtlicher Standards". In den Herkunftsländern drohte den Migranten "Haft unter unmenschlichen Bedingungen oder sogar Folter".

Laitinen hält dagegen. Sogenannte Joint Return Operations – Rückführungsaktionen mit vereinten Kräften – gehörten zu den ureigensten Aufgaben von Frontex. Tatsächlich deutet schon der Name an, worum es geht. Frontex leitet sich vom französischen frontières extérieures – Außengrenzen – ab. Die EU-Agentur wurde 2005 nach der Osterweiterung eingerichtet, um angesichts der gewachsenen Außengrenze illegaler Einwanderung vorzubeugen.

"Auf Lampedusa", erläutert Laitinen die Mechanismen dieser Politik, "fokussieren wir uns auf das Durchleuchten der irregulären Einwanderer, um ihre Identität festzustellen und auszuschließen, dass wir es mit organisierten Kriminellen oder Terroristen zu tun haben." In diesen Gesprächen zeige sich zumeist sehr schnell, "ob uns Schutzbedürftige gegenübersitzen", sagt der Frontex-Chef und verweist darauf, dass auch Vertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) auf Lampedusa im Einsatz sind.

Leser-Kommentare
  1. Verzichten Sie bitte auf die falsche Darstellung von Tatsachen und argumentieren Sie differenzierter. Danke, die Redaktion/vv

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    Moment mal. Wir reden hier von möglichen Flüchtlingsströmen aus Nordafrika nach Europa in Folge von Zusammenbrüchen dortiger Diktaturen - richtig? Ich antworte auf die dramatisierende und realitätsferne Darstellung eines Mitforisten mit der Feststellung, bislang seien Tunesier auf Lampedusa gelandet und Libyer auf dem Wege nach Tunesien. Dies entspricht den Meldungen in den Medien. Wo ist hier falsche Darstellung?
    Mag sein, Ihr politischer Bias geht in eine andere Richtung. Aber mir deswegen falsche Darstellung zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück.

    Falsche Darstellung? Dies ist die Lage, wie unsere Medien sie schildern. Das mit der falschen Darstellung müssen Sie schon unterfüttern.
    Und kommen Sie mir nicht mit der community. Schön öffentlich, hier im Forum.

    Moment mal. Wir reden hier von möglichen Flüchtlingsströmen aus Nordafrika nach Europa in Folge von Zusammenbrüchen dortiger Diktaturen - richtig? Ich antworte auf die dramatisierende und realitätsferne Darstellung eines Mitforisten mit der Feststellung, bislang seien Tunesier auf Lampedusa gelandet und Libyer auf dem Wege nach Tunesien. Dies entspricht den Meldungen in den Medien. Wo ist hier falsche Darstellung?
    Mag sein, Ihr politischer Bias geht in eine andere Richtung. Aber mir deswegen falsche Darstellung zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück.

    Falsche Darstellung? Dies ist die Lage, wie unsere Medien sie schildern. Das mit der falschen Darstellung müssen Sie schon unterfüttern.
    Und kommen Sie mir nicht mit der community. Schön öffentlich, hier im Forum.

  2. Und: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Es ist doch schön, daß Sie diese Anforderungen übererfüllen. Damit können Sie mein Defizit locker ausgleichen. Am Tage des Jüngsten Gerichtes wird sich dies für Sie auszahlen!
    Aber ich muß auch klagen: Wie schade, daß Sie nicht mehr diskutieren mögen. Sie waren so bewegend. Fast hätten Sie mich überzeugt.
    Wenn da nur nicht diese häßliche, häßliche Wirklichkeit wäre.

    Antwort auf "Kein Kommentar !"
  3. Das mit den Weinen und dem Weinen haben Sie aber nicht so ganz verstanden.

    Antwort auf "Kein Kommentar !"
  4. Moment mal. Wir reden hier von möglichen Flüchtlingsströmen aus Nordafrika nach Europa in Folge von Zusammenbrüchen dortiger Diktaturen - richtig? Ich antworte auf die dramatisierende und realitätsferne Darstellung eines Mitforisten mit der Feststellung, bislang seien Tunesier auf Lampedusa gelandet und Libyer auf dem Wege nach Tunesien. Dies entspricht den Meldungen in den Medien. Wo ist hier falsche Darstellung?
    Mag sein, Ihr politischer Bias geht in eine andere Richtung. Aber mir deswegen falsche Darstellung zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück.

    Antwort auf "@ 31 Lampedusa"
  5. Falsche Darstellung? Dies ist die Lage, wie unsere Medien sie schildern. Das mit der falschen Darstellung müssen Sie schon unterfüttern.
    Und kommen Sie mir nicht mit der community. Schön öffentlich, hier im Forum.

    Antwort auf "@ 31 Lampedusa"
  6. Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/lv

  7. Seit Jahrzehnten versagen Politiker, was die echte Hilfe für diese Länder betrifft. Die Menschen würden lieber in ihren Ländern bleiben,
    wenn die Gegebenheiten für normales Leben ausreichen würden.
    Aber die Entwicklungshilfe kommt nicht an. Leider !
    Nichts gegen verfolgte Menschen, wie auch immer, die muss man
    aufnehmen und schützen. Aber keine jahrelangen Aufnahmeverfahren,
    wo die Kinder hier schon in die Schule gehen und die Heimatsprache fast verlernt haben. Da sage ich, was da passiert ist von
    Unfähigen gestaltet !!

    Antwort auf "Ich will meine Insel"
  8. Ihre Argumente sind mir klar. Die Entwicklung läuft dorthin,
    dass die Einwanderung in ganz Europa, wie bei Ihnen mit
    Billiglöhnen zu Fremdenhass führen kann, der ungeahnte
    Ausmaße annehmen kann, was ich nicht erleben möchte.
    Vielen ist das nicht klar! Mann muss sich bemühen mit allen
    Mitteln die Menschen zum Verbleib in ihren Heimatländern zu
    animieren. Diese verschiedenen Kulturen hier in dieser Menge
    sind politischer Sprengstoff in kurzer Zeit.
    Da sind die Politiker in Europa in der Pflicht, das ist die größte Aufgabe, die Europa bevorsteht. Da freut sich nämlich der Afrikaner, wenn er für 4 Euro/Stunde hier arbeiten darf, nur die
    Lebenshaltungskosten erfährt er erst später. Auch so muss man
    denken aber ohne schönen Schleier.
    Hilfe in den Ländern, aber kontrolliert mit gewaltigem Druck
    auf die Regierungen, ohne Waffenlieferungen ist besser.
    Waffen haben alle wohl zu viel, nur Verstand fehlt für den
    Umgang damit.

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