Wirtschaftskrise Schrille Töne aus Athen
Griechenland wehrt sich lautstark gegen die Sparauflagen des Internationalen Währungsfonds, der EU und der Europäischen Zentralbank.
Mit schrillen Misstönen ist die einwöchige Prüfung des griechischen Konsolidierungsprogramms durch Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Ende gegangen. In einer am Wochenende abgegebenen Erklärung wirft die Athener Regierung den Inspektoren Bevormundung und Einmischung in innere Angelegenheiten Griechenlands vor.
Der IWF und die Euro-Staaten hatten das hoch verschuldete Griechenland im vergangenen Frühjahr mit Hilfskrediten von 110 Milliarden Euro vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit gerettet. Die Bewilligung der Gelder, die in vierteljährlichen Raten ausgezahlt werden, ist an bestimmte Spar- und Reformauflagen gebunden. Zwar zeigten sich die Prüfer bei einer Pressekonferenz am Freitag generell zufrieden mit der Umsetzung der Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung und äußerten die Überzeugung, die nächste Kredittranche von 15 Milliarden Euro werde planmäßig Mitte März ausgezahlt. Sie mahnten aber weitere Reformen an. So kritisierte IWF-Vertreter Poul Thomsen, einige Berufsgruppen versuchten, an "unfairen Privilegien" festzuhalten und behinderten damit die Reformen – eine Anspielung auf Apotheker, Ärzte und Bedienstete der staatlichen Verkehrsbetriebe, die seit Wochen gegen die geplanten Einschnitte streiken. Diese Kritik wurde von der Regierung offenbar als unpassend empfunden.
Noch mehr in Rage geriet die Regierung, als EU-Vertreter Servaas Deroose ankündigte, Athen werde bis 2015 Staatsunternehmen und öffentlichen Besitz im Wert von 50 Milliarden Euro privatisieren. Davon sollen 15 Milliarden bereits bis Ende 2012 realisiert werden. Bisher hatte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou die Privatisierungserlöse für die kommenden drei Jahre bei lediglich sieben Milliarden angesetzt. Entsprechend überrascht reagierten griechische Medien. Viele Zeitungen erschienen mit der Titelschlagzeile "Griechenland zu verkaufen". Regierungssprecher Giorgos Petalotis bezeichnete das Auftreten der drei Inspektoren als "nicht akzeptabel". Griechenland brauche zwar Hilfe, habe aber auch Selbstachtung. "Wir verhandeln nicht über die Grenzen unserer Würde und nehmen Weisungen nur vom griechischen Volk entgegen", erklärte der Sprecher. Ministerpräsident Giorgos Papandreou beschwerte sich am Samstag in Telefonaten mit IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn und EU-Währungskommissar Olli Rehn über die Vertreter der drei Institutionen.
Die Darstellung, bei den genannten Privatisierungszielen handele es sich um ein Diktat der Kreditgeber, trifft jedoch nach Aussage von Insidern nicht zu. Diese Zahl sei vielmehr seitens der griechischen Regierung genannt worden, aber offenbar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, sagten Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind. Privatisierungen sind ein heikles Thema für Papandreou. Er hatte noch 2009 als Oppositionsführer angekündigt, die unter den damals regierenden Konservativen privatisierten Unternehmen wieder zu verstaatlichen. Jetzt ist der Premier zu umfangreichen Privatisierungen gezwungen, um den erdrückenden Schuldenberg abzutragen.
- Datum 14.02.2011 - 11:08 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 18
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... Griechenland ist durch den Sparterror in die Rezession zurückgefallen, was das bedienen der Schulden noch viel unmöglicher macht.
Die Leute sollen sich auf chinesisches Niveau runterhungern, um preismässig mit hochproduktiven Ländern wie D mithalten zu können. Sie sollen sparen, aber gleichzeitig investieren und Bildung verbessern usw. lächerlich.
Die neoklassische Sichtweise des
http://de.wikipedia.org/w...
hat noch immer die Lage verschlechtert, statt verbessert. Außer für die internationalen Geldbesitzer natürlich, die sich über die Privatisierungen auf Jahrzehnte die Monopol-Rendite von der Bevölkerung sichern lassen und über ein riesiges prekarisiertes und erpressbares Arbeiterheer verfügen.
Ich vermisse Ihre Vorschläge wie Griechenland anders erfolgreich aus diesem Dilemma herauskommen kann. Alles nur schlecht finden reicht nicht.
In dem von Ihnen erwähnten Artikel
http://de.wikipedia.org/w...
steht
Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen
also genau das was sie anprangern.
....in eine Rezession zurückgefallen. Dass das geschehen würde stand fest, als Europa das Paket schnürte. Es wird auch eine lange Rezession werden. Erinnern Sie sich an wie lange Deutschland brauchte um den zu hohen DM Wechselkurs bei Eintritt in den Euro abzuarbeiten? Die einzige Möglichkeit eine Rezession zu umgehen, wären europäische Ausgabenprogramme in Griechenland (Spanien, Irland, Portugal, Spanien,...), die den Wegfall der Staatsausgaben kompensierten. So würde ein Nationalstaat funktionieren. Nur ist Euroland kein Nationalstaat und die Bürger der Mitgliedsländer wollen das auch nicht.*)
*)Zumindest glauben das die Eurokraten und Politiker. Daher haben sie in den Ländern keine Volksbefragungen zu den Verträgen von Maastricht und Lissabon durchgeführt.
Ich vermisse Ihre Vorschläge wie Griechenland anders erfolgreich aus diesem Dilemma herauskommen kann. Alles nur schlecht finden reicht nicht.
In dem von Ihnen erwähnten Artikel
http://de.wikipedia.org/w...
steht
Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen
also genau das was sie anprangern.
....in eine Rezession zurückgefallen. Dass das geschehen würde stand fest, als Europa das Paket schnürte. Es wird auch eine lange Rezession werden. Erinnern Sie sich an wie lange Deutschland brauchte um den zu hohen DM Wechselkurs bei Eintritt in den Euro abzuarbeiten? Die einzige Möglichkeit eine Rezession zu umgehen, wären europäische Ausgabenprogramme in Griechenland (Spanien, Irland, Portugal, Spanien,...), die den Wegfall der Staatsausgaben kompensierten. So würde ein Nationalstaat funktionieren. Nur ist Euroland kein Nationalstaat und die Bürger der Mitgliedsländer wollen das auch nicht.*)
*)Zumindest glauben das die Eurokraten und Politiker. Daher haben sie in den Ländern keine Volksbefragungen zu den Verträgen von Maastricht und Lissabon durchgeführt.
über eine Klage der griechischen Regierung bei einem italienischen Gericht gegen Deutschland.
Warum berichtet die deutsche Presse nicht darüber, so dass man sich in der englischsprachigen Presse informieren muss.
http://www.guardian.co.uk...
"Weisungen nehmen wir nur vom griechischen Volk entgegen" gut, wieso nehmt ihr dann nicht auch einfach das Geld nur vom griechischen Volk entgegen ?
...ich wette die Bevölkerung will das auch, aber die Politiker werden mal wieder von TINA gefangengehalten, die ihrerseits von den Konzernen usw. durchfinanziert wird.
...ich wette die Bevölkerung will das auch, aber die Politiker werden mal wieder von TINA gefangengehalten, die ihrerseits von den Konzernen usw. durchfinanziert wird.
...ich wette die Bevölkerung will das auch, aber die Politiker werden mal wieder von TINA gefangengehalten, die ihrerseits von den Konzernen usw. durchfinanziert wird.
"Athen werde bis 2015 Staatsunternehmen und öffentlichen Besitz im Wert von 50 Milliarden Euro privatisieren. Davon sollen 15 Milliarden bereits bis Ende 2012 realisiert werden."
Mit diesen Maßnahmen werden den Großkapitalisten für kleines Geld, die Unternehmungen in die Kasse gespült.
So weit, so schlecht. Aber das ist doch alles bekannt, so arbeiten IWF und Weltbank – immer im Interesse von Amerika.
Dass muss auch den griechischen und europäischen Verantwortlichen klar gewesen sein. Da gibt es keine Ausreden.
Warum und wie so, dass sollen sie jetzt mal ihrem Volk erklären.
Wir sollten die Kritik der griechischen Regierung in Demut beherzigen. Und uns endlich aus den inneren Angelegenheiten dieses Landes und seiner stolzen Regierung (die nur unter ein paar vernachlässigenswerten Rechenschwächen leidet) heraushalten. Komplett heraushalten. Mit unserem Rat, unserem Beistand, unserem Geld. Lasst die Griechen in Ruhe - und belästigt sie nicht weiter mit unseren Milliarden!
Ich vermisse Ihre Vorschläge wie Griechenland anders erfolgreich aus diesem Dilemma herauskommen kann. Alles nur schlecht finden reicht nicht.
In dem von Ihnen erwähnten Artikel
http://de.wikipedia.org/w...
steht
Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen
also genau das was sie anprangern.
Leider die falsche Taste ...
also genau das was Sie anprangern. Aber was ist die
Alternative? Alle was staatlich ist zahlt der Steuerzahler. Hohe Arbeitslosigkeit und damit auch wenig Steuereinnahmen. Wo soll das Geld herkommen?
Also ich warte auf Ihre konkreten Vorschläge.
...alle Möglichkeiten sind wenig reizvoll, aber im Sinne der Griechen wäre eine EU-Austritt das sinnvollste, sicher auch in unserem Sinne.
Eine andere Möglichkeit wäre eine Beschäftigungs- und Investitionsoffensive, bei gleichzeitiger Drosselung des Imports. Aber ach, das geht mit der EU natürlich nicht, denn Geld darf nur von privaten Investoren kommen und Zölle sind schon ganz tabu. Also doch austreten.
"Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen
also genau das was sie anprangern."
Deshalb schrieb ich ja auch: "hat noch immer die Lage verschlechtert, statt verbessert"
Wer lesen kann ist klar im Vorteil ;-)
Ich bin natürlich gegen den WC und gegen die EU sowieso. Wenn stabile Wirtschaftspolitik Aushungersparterror und Sozial- und Abgabenkonkurrenz bedeutet, dann ist das nicht das, was ich mir unter Wohlstandszuwachs vorstelle.
Leider die falsche Taste ...
also genau das was Sie anprangern. Aber was ist die
Alternative? Alle was staatlich ist zahlt der Steuerzahler. Hohe Arbeitslosigkeit und damit auch wenig Steuereinnahmen. Wo soll das Geld herkommen?
Also ich warte auf Ihre konkreten Vorschläge.
...alle Möglichkeiten sind wenig reizvoll, aber im Sinne der Griechen wäre eine EU-Austritt das sinnvollste, sicher auch in unserem Sinne.
Eine andere Möglichkeit wäre eine Beschäftigungs- und Investitionsoffensive, bei gleichzeitiger Drosselung des Imports. Aber ach, das geht mit der EU natürlich nicht, denn Geld darf nur von privaten Investoren kommen und Zölle sind schon ganz tabu. Also doch austreten.
"Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einrichtungen
also genau das was sie anprangern."
Deshalb schrieb ich ja auch: "hat noch immer die Lage verschlechtert, statt verbessert"
Wer lesen kann ist klar im Vorteil ;-)
Ich bin natürlich gegen den WC und gegen die EU sowieso. Wenn stabile Wirtschaftspolitik Aushungersparterror und Sozial- und Abgabenkonkurrenz bedeutet, dann ist das nicht das, was ich mir unter Wohlstandszuwachs vorstelle.
Leider die falsche Taste ...
also genau das was Sie anprangern. Aber was ist die
Alternative? Alle was staatlich ist zahlt der Steuerzahler. Hohe Arbeitslosigkeit und damit auch wenig Steuereinnahmen. Wo soll das Geld herkommen?
Also ich warte auf Ihre konkreten Vorschläge.
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