Die Protestwelle erreicht immer mehr arabische Länder und ist inzwischen auf Iran übergeschwappt. In Teheran protestierten Augenzeugen zufolge Tausende Menschen gegen Präsident Mahmud Ahmadineschad – trotz eines Demonstrationsverbots. Sicherheitskräfte feuerten Tränengas und Farbkugeln in die Menge. Mehrere Oppositionsanhänger wurden festgenommen. Auch in Isfahan und Schiras gingen Augenzeugen zufolge Hunderte Iraner auf die Straße.

Die Regierungsgegner hatten sich nach einem stillen Protest in kleineren Gruppen zu einem Demonstrationszug zusammengeschlossen. Sie waren in Richtung des Azadi-Platzes (Platz der Freiheit) losgezogen, um sich dort zu einem ähnlichen Protest wie die Ägypter auf dem Tahrir-Platz in Kairo zu versammeln.

Zu der Solidaritätskundgebung für die Protestbewegung in Tunesien und Ägypten hatte die iranische Opposition aufgerufen, deren prominenteste Vertreter bereits am Vormittag unter Hausarrest gestellt worden waren. So wurde der Zugang zum Haus von Mir-Hossein Mussawi blockiert sowie dessen Telefonleitungen lahm gelegt. Mussawi und seine Frau Sahra Rahnaward könnten seit Sonntag weder mobil noch über den Festnetzanschluss telefonieren, berichtete Mussawis Website Kaleme.com. Die Zufahrt zu ihrem Haus sei mit Polizeiwagen zugestellt worden.

Auch den Oppositionspolitiker Mehdi Karubi hatte das Regime nach Informationen vom Donnerstag unter eine Art Hausarrest gestellt. Er erhielt ein Besuchsverbot bis zum heutigen Montag. Beide hatten die Kundgebung beantragt und auf ihren Websites dafür geworben. Das Regime lehnte den Antrag aber ab. Die Führung warf ihnen vor, den Massenprotest in Ägypten und Tunesien als Vorwand für eine Demonstration gegen die Regierung zu missbrauchen.

Die Polizei in Teheran ist entsprechend sensibilisiert. Im Zentrum der Hauptstadt sind Einheiten unterwegs. Sie sollen verhindern, dass sich Demonstranten mit den Tunesiern und Ägyptern solidarisieren, die ihre Staatsführung aus den Ämtern vertrieben haben. Die Furcht des Regimes vor einem Umsturz nährt wohl auch der erneute Protest in Algerien, dem Jemen und sogar im Golfstaat Bahrain. Nach dem Umbruch in Ägypten sei nicht ausgeschlossen, "dass die Ereignisse in Kairo wieder nach Teheran zurückschwappen", sagte der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Volker Perthes

Generalstaatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabdi hatte am Sonntag die Iraner vor Protesten gewarnt: Die Polizei und die anderen Sicherheitsbehörden würden "in den kommenden Tagen ihre Pflicht tun", drohte er. Das islamische Regime ist der Ansicht, dass sich mit dem Sturz Mubaraks die Islamische Revolution vollendet.

Schon nach der umstrittenen Wiederwahl von Irans Staatschef Mahmud Ahmadineschad im Juni 2009 hatten regierungskritische Iraner wochenlang in den Straßen des Landes protestiert. Sicherheitskräfte gingen massiv gegen die Demonstranten vor: Dutzende Menschen wurden verletzt und tausende weitere festgenommen. Seit einem Jahr konnte die Opposition keine Kundgebung mehr veranstalten.